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Konzert des Pianisten William Youn in der Kempener Paterskirche

Konzert des Pianisten William Youn in Kempen : Ein einfühlsamer Klaviervirtuose

Der aus Korea stammende Pianist William Youn widmete sich bei seinem Konzert in der Kempener Paterskirche romantischen Melodien.

„Ein gutes neues Jahr wünsche ich Ihnen, mit viel schöner Musik und mit viel Humor“, sagte William Youn zwar erst vor seinem letzten Vortrag, doch die gelöste Stimmung an diesem bemerkenswerten Konzertabend in der Kempener Paterskirche entsprach diesem Motto. Er gastierte dort im Rahmen der Kempener Kulturreihe „Klavier extra“.

Der gebürtige Koreaner, der viel jünger wirkt als sein Geburtsjahr (1982) ausweist, zeigte bereits bei seinem ersten Vortrag – einer Auswahl aus den Melodienseligkeit und Charme ausstrahlenden „Valses sentimentales“ D 779 von Franz Schubert –, dass er mit allen Fasern seines Wesens in der Musik lebt. Zwar vermeidet der mit ersten Größen der Kammermusik – wie Sabine Meyer, Julia Fischer, Julian Streckel oder Nils Mönkemeyer – konzertierende Künstler beim Spielen jede über­flüssige Bewegung, doch die Aussagekraft seiner Interpretationskultur ist bei aller augenscheinlichen „Einfachheit“ von solcher Intensität, dass jeder seiner Vorträge zum Erlebnis wird. So ist es nicht verwunderlich, dass er als Solist bei renommierten Orchestern erste Wahl ist.

Karl-Heinz Kämmerling an der Musikhochschule Hannover hat ihn vor allem geprägt, doch auch die Arbeit mit dem Hammerklavier-Spezialisten Andreas Staier lässt sich angesichts seines glasklaren Anschlags nicht verleugnen.

Brahms’ Variationen spiegeln Schumanns psychische Leiden

Eindringlich und mit großem Ernst gestaltete der Gast die 16 Variationen über ein Thema von Robert Schumann, fis-Moll op. 9, die Johannes Brahms 1853, wenige Monate vor dem Selbstmordversuch des verehrten Freundes, schrieb. Das Thema stammt aus Schumanns „Bunten Blättern“ op. 99 und zeigt deutliche Spuren seiner psychischen Erkrankung. Brahms ist spürbar bemüht, diese Stimmung in seiner Komposition festzuhalten, und Youn verstand es meisterlich, dem mit äußerstem Feingefühl nachzuspüren.

Franz Liszt beschäftigte sich immer wieder mit Transkriptionen von Werken seiner Komponistenkollegen, für die er sich einsetzen wollte. Das reichte von Orgelwerken Bachs über Opernpartituren bis zu den Sinfonien Beethovens. Seine besondere Liebe galt wohl dem Kunstlied, und aus der Fülle der Übertragungen von Schubert-Liedern ließ Youn mit großer Einfühlsamkeit die Zuhörer teilhaben an der Liszt-Deutung von „Auf dem Wasser zu singen“ und „Ständchen“.

Auch die leider so gut wie unbekannten Lieder Clara Schumanns hat der Unermüdliche transkribiert, allerdings blieb er da vermutlich mehr am Original und hat wenig verändert. „Soirées de Vienne“ nannte Liszt die Übertragungen zahlreicher Tänze Franz Schuberts, die nicht nur zu seinen Lebzeiten die Zuhörer entzückten; Youn wusste hier Humor und technische Versiertheit vorbildlich zu verbinden. Clara Schumann kam noch einmal mit einem perlend und rasant dahingehuschten „Scherzo Nr. 2 op. 14“ zu Wort, ehe die umfangreiche „Humoreske“ op. 20, für die Robert Schumann in einer glücklichen Zeit seines Lebens lediglich eine Woche bis zur Vollendung benötigte, das spannungsvolle Programm beendete.

Das Publikum in der sehr gut besuchten Kempener Paterskirche feierte den ganz natürlich wirkenden Pianisten und ruhte nicht eher, bis er ihm noch zwei Zugaben schenkte: Youn blieb bei Transkriptionen – zunächst vom Schumann-Lied „Du meine Seele, Du mein Herz“ und zum Abschluss vom „Siciliano“ aus der Sonate für Flöte und Klavier BWV 1031 von Johann Sebastian Bach.