Konditoren stellen nach Ostern um - der Mai ist Thema Nummer eins

Süßes nach Ostern : Aus Osterhase wird Marienkäfer

Was tun, wenn die Schokolade bei Hitze schmilzt? Diesen und anderen Fragen ist die WZ bei Konditoren nachgegangen.

Was war das doch für ein herrliches Osterwochenende! Ein teilweise wolkenfreier Himmel und sommerliche Temperaturen ermöglichten Spaziergänge oder auch Tagesausflüge in die Natur. Die Temperaturen kletterten dermaßen nach oben, dass sich so mancher „Osterhase“ am frühen Sonntagmorgen die Frage stellen musste, wo er denn nun seine süße Fracht überhaupt verstecken konnte. Schattenplätze waren geboten, sollten sich die Schoko-Präsente nicht vor dem Finden in eine Art zähflüssigen Kakao verwandeln.

Nicht nur Osterhasen haben ein Problem mit dieser sommerlichen Witterung. Auch ihre Lieferanten, beispielsweise der Kempener Konditormeister Andreas Amberg, der mit seiner Frau Katja das elterliche Café am Ring führt und zudem eine kleine Confiserie an der Engerstraße betreibt. „Das tut der Schokolade weh“, sagt der Fachmann über die derzeitigen meteorologischen Herausforderungen. Ab 25 Grad Celsius hätten es die entsprechenden Produkte schwer. So sei bereits die Karwoche in Sachen Nachfrage ein wenig verhaltener als sonst gelaufen. Die Woche zuvor, vor dem Beginn der Ferien, sei dagegen sehr stark gewesen. Nicht jeder freute sich also gleichermaßen über die für diese Jahreszeit ungewöhnlich guten Wettervorhersagen.

Allerdings: Am vergangenen Samstag, das war bereits vorher abzusehen, war wieder „Kampftag“ bei Familie Amberg und ihrem Team. Hasen, Lämmer, Eier und Co. gingen massenweise über die Theken. Allein 1500 Schoko-Hasen hatte man in dieser Saison produziert. Das Ostergeschäft ist nach Aussage des Chefs deutlich kürzer als der unangefochtene Umsatz-Spitzenreiter Weihnachten. „Im November und Dezember haben wir rund fünf Wochen. Zu Ostern sind es gerade einmal zehn Tage.“

Doch ab sofort ist Schluss mit den Mümmelmännern und Küken-Nestern. Sie sind von jetzt auf gleich völlig out. Bereits in der Karwoche wurde ihre Produktion gestoppt. Genauer gesagt, es wurde umgestellt auf anderes, passenderes Getier. Denn: „Spätestens am Mittwoch nach Ostern fragen die Kunden nach Süßigkeiten für den 1. Mai“, sagt Andreas Amberg. „Wir dekorieren dann auch völlig anders.“ Um diese neue Nachfrage jetzt bedienen zu können, wurden bereits 400 süße – im zweifachen Wortsinn – Marienkäfer hergestellt. Dabei hilft es den Kempener Profis, dass sich Ei- und Käferform stark ähneln. Mit ein paar Äuglein und schwarz-gepunkteten Flügelchen wird aus dem „Hühnerprodukt“ ein „schwirrender Frühlingsbote“.

Auch die Bäckerei und Konditorei Greis in Willich hat von Hase auf Käfer umgestellt. Hinzu kommen unter anderem Marzipanrosen, die am 1. Mai oder zu Muttertag gern verschenkt würden, wie Claudia Greis erzählt. Nicht zu vergessen: In vielen katholischen Gemeinden stehen die Erstkommunion-Feiern an. Auch das sei eine Gelegenheit, süße Präsente zu kaufen und zu verschenken.

Marzipanfrüchte statt
Schokolade bei Greis in Willich

Wie bereits in der WZ berichtet, haben die Greis’ nach eigener Aussage eine „Schokoladen-Neuheit für Willich entdeckt“. Gemeint ist eine Kakaobohne namens Ruby, von Natur aus rosafarben. Die Willicher Konditorei hatte pünktlich zum anlaufenden Ostergeschäft mit dieser Schokolade nun rosafarbene Tafeln, Pralinen und Hasen hergestellt. Ruby bleibt auch weiterhin im Sortiment, auch wenn die Nachfrage nach Schokolade in einigen Wochen wieder zurückgehen dürfte – wegen der zu erwartenden Sommerhitze. Die Willicher Spezialisten machen dann aus der Not eine Tugend und setzen eben auf Marzipanfrüchte.

Andreas Amberg „füllt das Sommerloch“ unter anderem mit Macarons, einem französischen Gebäck, das wie ein kleiner Burger aussieht, und mit Kreationen aus Mäusespeck. Ihnen kann das heiße Wetter nicht soviel anhaben. Seine Lieblingszeit sei zwischen September und April/Mai: „Da muss man sich keine Arbeit suchen, sie ist automatisch da.“ Am 15. September startet das Team mit den Spekulatius. Und natürlich hat er als Kempener und Konditormeister in Personalunion auch Sankt Martin fest im Blick. „Und dann ist auch schon wieder Weihnachten“, so Kollegin Claudia Greis.

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