Meinung : Planung ohne Plan

Kempen hat Probleme, die andere vergleichbare Kommunen nicht haben. Zumindest nicht in diesem Ausmaß. Ein Kommentar zur Situation in der Versorgung mit Kita-Plätzen.

Um es gleich vorneweg deutlich zu machen: Mit einer Lücke bei den Kita-Plätzen steht die Stadt Kempen nicht alleine da. Nahezu alle Kommunen flicken irgendwelche Konzepte zusammen, um halbwegs eine Versorgung zu generieren. In Großstädten ist die Lage wesentlich dramatischer. In Köln, Leipzig oder München finden sich Eltern auf Wartelisten mit Nummern jenseits der 200 wieder. In dieser Entwicklung haben Bund und Land, die gesetzliche Platzansprüche einführen, die Kommunen weitestgehend alleine gelassen. Das wird nicht mehr lange gut gehen. Insbesondere mit Blick auf den Personalmangel und die halbherzigen Versuche von Politik in Bund und Land, diesem Herr zu werden.

Die Stadt Kempen hat indes Probleme, die andere vergleichbare Kommunen nicht haben. Oder zumindest nicht in diesem Ausmaß. Während ein Baugebiet nach dem nächsten ausgewiesen wurde, haben Politik und Verwaltung die Kitas – und übrigens auch die Grundschulen – nicht im Blick gehabt. Denn es gilt die Faustregel: Ein Kind, das drei Jahre nach der Geburt einen Kita-Platz braucht, kommt drei weitere Jahre später in die Schule. In der dann auch noch ein gesetzlicher Anspruch auf einen OGS-Platz besteht. Mal sehen, was da auf Lehrer und Schüler zukommt.

Obendrein scheint der Stadt weiterhin jegliche personelle Kapazität zu fehlen, um mehr oder weniger kurzfristig Neubauten zu realisieren. Der Beschluss für die notwendigen Projekte, die noch nicht angepackt worden sind, ist im September 2018 gefasst worden. Damals wurde auch eine Interims-Kita für St. Hubert beschlossen. Um diese Pläne später wieder in den Papierkorb zu werfen.

tobias.klingen@wz.de