Kommentar zu den neuesten Ideen zum Schulcampus in Kempen

Meinung : Der ganz große Wurf

Der nun vorgelegte Plan mit Gesamtschul-Neubau, LvD-Umzug und neuem Sportplatz an der Berliner Allee ist der richtige Schritt im Projekt Schulcampus in Kempen. Ein Kommentar von Redaktionsleiter Tobias Klingen.

Das Sportplatz-Grundstück war in den vergangenen Jahrzehnten immer mal wieder Thema für Wohnungen, ein Rathaus oder eben einen Schul-Neubau. Die Idee ist also nicht neu. Sie ist aber deswegen nicht schlecht. Im Gegenteil: Der nun vorgelegte Plan mit Gesamtschul-Neubau, LvD-Umzug und neuem Sportplatz an der Berliner Allee ist der ganz große Wurf. Bislang herrschte in weiten Teilen von Politik und Verwaltung die eher konservative Haltung vor, im Bestand zu sanieren. Diese Meinung ist in den vergangenen Monaten gebröckelt und scheint nun in den Hintergrund zu rücken. Sollte Bürgermeister Volker Rübo bis zum Ende seiner Amtszeit im Herbst das Schulfeld in dieser großen Variante bestellen können, würde er der Schulstadt Kempen etwas bleibendes und zukunftsweisendes hinterlassen.

Das erste Aber folgt mit Blick auf die Kosten. Die nun angedachten Varianten dürften mit Sicherheit im Bereich der gefürchteten 80-Millionen-Euro-Marke liegen, die immer wieder mal kolportiert wurde. Politik und Verwaltung müssen das Großprojekt mit der Haushaltslage abwägen. Letztlich müssen die Fraktionen entscheiden, was die Bildung in Kempen kosten soll und darf.

Das zweite Aber kommt einem in den Sinn, wenn man an die personellen und planerischen Möglichkeiten in der Stadtverwaltung denkt. Schon jetzt geraten viel kleinere Projekte ins Stocken. Mit Blick auf das Großprojekt Schulcampus muss die Politik auch die personellen Ressourcen ausweiten. Andernfalls droht eine weitere Verschleppung dieses so wichtigen Vorhabens.

An dieser Stelle sei noch einmal erlaubt, den scheidenden Schuldezernenten Michael Klee zu erwähnen. Denn er muss aus Sicht der Mehrheit des Rates unter anderem deshalb gehen, weil er das Projekt Schulcampus nicht in den Griff bekommen hat. Ein Vorwurf war, dass er zu visionär und realitätsfremd an das Thema herangegangen sei. Ohne Frage waren die Aussagen im ersten Gutachten mit diversen Neubauten und Systemen nach skandinavischem Vorbild etwas zu großspurig. Dass nun aber gleich zwei Neubauten für die Gesamtschule und gar ein LvD-Umzug favorisiert werden, ist gar nicht so weit weg von den Gedankenspielen eines Michael Klee.

tobias.klingen@wz.de