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Kommentar: Kempen: Schlechte Karten für den Karneval

Kommentar : Vernunft vor Emotion

Der Aufschrei, der von den großen Karnevalsverbänden und -gesellschaften zu hören war, nachdem die Gesundheitsminister auf Bundes- und Länderebene ein Stattfinden der kommenden Karnevalssession infrage gestellt haben, findet in Kempen keinen Widerhall.

Das ist erfrischend vernünftig.

Nun kann man argumentieren, dass es bei den großen Veranstaltungen in Köln oder Düsseldorf auch um deutlich mehr Geld geht. Die Situation in den Sälen und Zelten ist deswegen aber keine andere: Viele Menschen sitzen eng beieinander, treffen sich in den Gängen und den Toiletten, vor dem Eingang, und trinken dazu keine geringen Mengen Alkohol.

Dass dieses Konzept diesmal keine Option ist, darüber sind sich die Kempener Vereine einig. Aber auch darüber, dass ein Feiern mit Hygienekonzept, also mit Maske, Abstand und gegebenenfalls ohne Alkohol, kaum realisierbar ist – und womöglich überhaupt kein Publikum anziehen würde.

Diese Einschätzung ist realistisch und wenig emotionsgesteuert. Und genauso muss diese Debatte auch geführt werden. Denn im Mittelpunkt der Überlegungen muss die Frage stehen, ob große Karnevalsveranstaltungen derzeit gesundheitlich zu verantworten sind – und nicht, ob es denn nicht schön wäre, wenn wir alle mal wieder miteinander feiern könnten.

Klaus-Ludwig Fess, Präsident des Bundes Deutscher Karneval, sagte am Donnerstag in einem Radio-Interview, er gehe davon aus, dass die „vernünftigen Karnevalisten“ sich schon an die Hygieneregeln halten werden. Die „vernünftigen Karnevalisten“ sind aber wohl eher jene, die es schaffen, den Karneval in diesem Winter einmal ruhen zu lassen.

stefanie.keisers@wz.de