Klimaschutz: Jugend demonstrieren auch in Kempen

Kempen: Jugend für Klimaschutz: Kempens Jugend gegen den Klimawandel

„Fridays für future“: Dutzende Mädchen und Jungen versammelten sich mit Plakaten vor dem Rathaus.

Es war schwierig, am Freitagvormittag eine echte Proteststimmung auf dem Kempener Buttermarkt zu spüren. Denn den zwischen Wochenmarkt und Rathaus versammelten Jugendlichen und ihrem Anliegen begegnete ausnahmslos Wohlwollen, ja tatkräftige Unterstützung.

Die Stadtverwaltung in Person von Sprecher Christoph Dellmans hatte den Lautsprecher besorgt, mit dem sich die Redner Gehör verschafften. Bürgermeister Volker Rübo fand, so wie schon seine Parteifreundin und Kanzlerin Angela Merkel, lobende Worte für die Aktion unter der Überschrift „Fridays für future“. Die Polizei kümmerte sich mit mehreren Fahrzeugen um die Verkehrs-Absperrung – Lieferwagen und Radler mussten warten oder Schleichwege fahren.

Kein „Massenschwänzen“
in der Thomasstadt

Auch ein massenweises „Schulschwänzen für den Klimaschutz“, das derzeit für bundesweite Diskussionen sorgt, war in der Thomasstadt nicht zu beobachten. So bestand der größte Teil des „globalen Klimastreiks“ auf lokaler Ebene aus Schülern des achten Jahrgangs des Gymnasiums Thomaeum. Er war geschlossen und mit dem Segen der Schulleitung erschienen. „Es ist legitimiert“, sagte Lehrer Michael Zanders, der gemeinsam mit Kollegen die Aufsicht hatte. Es sei auch im Vorfeld im Unterricht über das Thema gesprochen worden.

Geschätzt 150 Mädchen und Jungen dürften es gewesen sein. Und sie ließen keinen Zweifel daran, was sie mit Blick auf die Umwelt und ihre Zukunft umtreibt. Viele von ihnen hielten selbst gemalte Schilder mit klaren Botschaften hoch: „Fehlstunden verkraftet man, Klimawandel eher nicht“, „There’s no Planet B“ (also: Es gibt keine zweite Erde) oder „2050 sind wir noch nicht einmal 60“. Manche drücken es mit Humor aus: „Ich bin so wütend, ich habe sogar ein Plakat gebastelt.“

Gekommen war auch ein Freundinnen-Trio, alle um die 16. „Ich finde es wichtig, dass wir uns als Schüler einsetzen. Wir sind schließlich die Betroffenen“, sagte eine von ihnen. „Es geht um unsere Zukunft, deswegen ist es wichtig, dass wir uns einsetzen“, so eine andere. Stadtschulsprecher Steward Eloundou (auch er vom Thomaeum) griff zum Mikro und forderte zu einem aktiven Handeln auf: Fahrrad statt Auto, gezielte Mülltrennung etc. Im anschließenden Gespräch mit der WZ berichtete er von den Plänen, am Gymnasium ein Gremium mit Vertretern aller Klassen zu bilden, „die sich gezielt für den Klimaschutz am Thomaeum einsetzen“.

Auch die Erwachsenen bezogen Position: Silke Diedrich sprach zu den versammelten Schülern. Die Mutter aus St. Hubert hatte gemeinsam mit dem stadtbekannten Naturschützer Georg Lüdecke im Vorfeld zur Unterstützung durch „Eltern, Großeltern, Familie“ aufgerufen. Das Ziel sei es, hieß es in ihrer Mail an die Medien, „die jungen Menschen in ihren Forderungen nach einer konsequenten Klima- und Umweltschutzpolitik zu  unterstützen“. Damit sei man „Teil der weltweiten Bewegung Fridays für future“. Ihr neunjähriger Sohn Bela habe schon Angst vor der Zukunft geäußert“, so Silke Diedrich. Sie hoffe auf eine Fortsetzung – bis auf Weiteres an jedem Freitag. „Wir können jetzt nicht aufhören“, sagte die Mutter.

Kritische Töne gegen die Aktion der Schüler waren am Freitag nicht zu hören. Ein Erwachsener stellte am Rande lediglich die Frage, ob auch so viele Jugendliche auf den Buttermarkt gekommen wären, wenn die Demo außerhalb der Schulzeit stattgefunden hätte. Aber auch dieser Beobachter zog die grundsätzliche Motivation der jungen Leute – nämlich sich aktiv und lautstark für ihre Zukunft einzusetzen – nicht in Zweifel.

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