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Kempens Lieblingsfest wirft seine Schatten voraus

St. Martin in Kempen : Fackel-Künstler wieder in Aktion

Die Laternen des Thomaeums sind Jahr für Jahr ein Hingucker im Martinszug.

Überreste des vergangenen Jahres sind noch im Kunstraum des Gymnasiums Thomaeum zu sehen. Etwa das bunte Rad eines Pfaus, das von innen beleuchtet werden kann. Unter dem Motto „Afrika“ liefen die Gymnasiasten 2017 im Martinszug mit. Sie präsentierten unter anderem sieben Großfackeln, vom stolzen Vogel bis zum Löwen.

In diesem Jahr wird es heterogener zugehen. „Die Schüler haben diesmal kein gemeinsames Thema gefunden“, erklärt Künstler Jürgen Hemkemeyer, der die Kinder und Jugendlichen schon fast traditionell in den Wochen vor dem großen Fest bei ihren Arbeiten betreut. Dass es so viele verschiedene Projekte gibt, sehen Hemkemeyer und seine rund 40 Schützlinge der Fackelbau-AG (von der Klasse 5 bis zur Stufe Q2) ganz offensichtlich nicht als Problem. Im Gegenteil: Je vielfältiger und bunter, desto besser – diesen Eindruck kann man beim Besuch im Kunstraum bekommen.

Der 13-jährige Robert hat sich für jonglierende Hände entschieden. Dafür stopft er Bauhandschuhe mit Zeitungspapier aus und beklebt sie mit Folie. Später werden dann die Handschuhe entfernt und die transparenten „Hände“ können von innen beleuchtet werden. Ähnlich verfährt er bei den Bällen, die der Jongleur scheinbar durch die Luft wirbelt. Der Achtklässler wird, wenn er diese extravagante Laterne durch die Straßen trägt, schwarz gekleidet sein. „Dann sieht es so aus, als ob die Hände mit den Bällen in der Luft schweben.“

Auch ein Hirsch soll zur Thomaeum-Gruppe gehören

Am Nebentisch basteln Lena, Marie und Nina (alle 12) an einem Outfit der besonderen Art. Sie erstellen einen leuchtenden Rock. Hinzu kommen Knicklichter an Oberteil und Beinkleid. Einen Fahrrad-Helm mit langen, leicht gebogenen Hölzern hat Vanille vor sich auf dem Tisch. „Ich habe irgendwann mal einen Hirsch gezeichnet und hatte die Idee“, erzählt die Zwölfjährige. Natürlich soll auch das Geweih später mal beleuchtbar sein.

Am großen Becken wäscht sich eine Schülerin die Hände, überall wird Kaninchendraht in Form gebogen, Leim per Pinsel aufgetragen. Alle arbeiten konzentriert vor sich hin. Wer nicht mehr weiter weiß, geht zu Jürgen Hemkemeyer, der in beeindruckend routinierter Weise immer den Überblick zu haben scheint. Seit 2013 gibt es seine AG. Damals zog das Thomaeum mit einem chinesichen Drachen die Blicke auf sich.

„Was wir hier machen, schließt nahtlos an den Kunstunterricht an“, so Hemkemeyer – Fackeln sind eben nichts anderes als beleuchtete Skulpturen. Seit Beginn des Schuljahres trifft sich das Team jeden Freitagnachmittag für zwei Stunden. In den Herbstferien gibt es Zusatztermine. „Sonst würden wir nicht rechtzeitig fertig werden“, sagt der Projektleiter. Die AG berät auch die fünften und sechsten Klassen, die ebenfalls Laternen bauen (Themen sind „Fische und Meer“ sowie „Eine Insel mit zwei Bergen“).

Beim Schulkinderzug am Samstag, 10. November, wird dann auch ein leuchtendes Buch dabei sein, in etwa so groß wie ein Schreibtisch. Aus den aufgeklappten Seiten sollen sich leuchtende Ranken winden, wie Selma, Pia und Finja erklären. Begleitet wird der Wälzer, der wahrscheinlich auf dicke Stäbe montiert wird, von kleineren Büchern.