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Kempenerin ist Patin für den Film "Kinder der Utopie"

Kempen : Kempenerin holt Inklusions-Film in die Stadt

Bettina Czempisz übernahm eine Patenschaft für den Film „Kinder der Utopie“. Dank ihr ist er am 15. Mai auch in Kempen zu sehen.

„Eigentlich hat der Film mich gefunden“, sagt Bettina Czempisz. Dass die Kempenerin einmal Patin für einen Kinofilm zum Thema Inklusion werden würde, das hätte sie vor Wochen noch nicht gedacht. Die 54-Jährige, die selbst Mutter eines behinderten Sohnes ist, war im Internet auf der Suche nach Informationen zur Inklusion, als sie die „Kinder der Utopie“ entdeckte. Neugierig geworden klickte sie die Seiten an und stieß auf ein ungewöhnliches Filmprojekt, das sich hinter dem Titel verbirgt. „Der Film sprach mich sofort an und ich wusste, hier möchte ich mich einbringen“, erzählt Bettina Czempisz.

„Kinde der Utopie“ ist ein Dokumentarfilm über sechs junge Erwachsene, die sich zwölf Jahre nach ihrer Grundschulzeit wieder treffen. Das Besondere: Es handelt sich um drei Menschen mit und drei ohne Behinderung. Der Regisseur Hubertus Siegert porträtierte die Mädchen und Jungen dabei schon einmal. Im Jahr 2005 dreht er den Film „Klassenleben“, der von einer Berliner Grundschulklasse erzählt, in der Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam lernen. Das war damals ein ungewöhnliches Experiment. Nun begegnen sich die sechs damaligen Grundschüler wieder. Sie blicken auf ihr eigenes Leben und auf das der anderen, wobei zu erkennen ist, dass die gemeinsame Schulzeit sie geprägt hat.

Ein bemerkenswerter Film, der auch auf außergewöhnliche Art und Weise in die Kinos kommen soll. Für den 15. Mai ist ein bundesweiter Aktionsabend geplant. Der Film soll in verschiedenen Städten – auch in Kempen – in Kinos vorgestellt werden, wobei sich jeweils ein Gesprächsabend anschließt. Paten werben für den Film vorab Zuschauer an, auch für die Gesprächsrunden gibt es Helfer.

Bettina Czempisz meldete sich bei dem Team, das hinter der Organisation steht, um ihre Unterstützung bei den Gesprächsrunden anzubieten. „Ich wurde gefragt, ob ich auch Patin für den Film werden könnte und zwar für die Stadt Krefeld, die schon in der Liste der aufgenommenen Städte und Kinos war“, erzählt die Kempenerin. Sie wollte mitmachen, allerdings nicht als Patin für Krefeld, sondern für Kempen. Die Thomasstadt wurde so als einzige Stadt im Kreis Viersen noch in die Liste der Veranstaltungsorte aufgenommen.

Die Freizeitgestaltung ist für
Sohn Lutz ein Problem

Unterstützt von ihrem Mann Jörg ging Bettina Czempisz an die Werbung für den Film über die Inklusion. Per E-Mail und Whats-App wurden Freunde und Bekannte angesprochen. Bettina Czempisz konnte auf diesem Weg schon weit mehr als 150 Interessierte gewinnen, die sich den Film ansehen möchte. „Es ist eine regelrechte Welle geworden“, sagt die Patin.

Bettina Czempisz muss immer wieder erleben, dass die Inklusion viele Bereiche in der Gesellschaft noch nicht erreicht hat. Durch die eigenen sowohl positiven als auch negativen Erfahrungen beschäftigt sie der Inklusionsprozess in der Gesellschaft. „Es ist wichtig, ein Bewusstsein zu schaffen, damit Menschen sich für die Inklusion öffnen. Inklusion ist derzeit sehr auf Schule fokussiert. Man muss sich fragen: Was soll Inklusion können? Es soll eine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben sein. Es müsste die Möglichkeit für mehr soziale Kontakte außerhalb der Schule geben“, sagt Bettina Czempisz.

Sie weiß, wovon sie spricht. Ihr dritter Sohn kam in der 28. Schwangerschaftswoche mit 1060 Gramm auf die Welt. Ein Frühchen, dessen Leben am seidenen Faden hing. Heute ist Lutz ein aufgeschlossener 15-Jähriger, der die Kempener Gesamtschule besucht, wobei er auf seinen Rollator angewiesen ist. Der Schulbesuch stellt kein größeres Problem dar, aber in der Freizeit fängt es an: Ferienspiele, an denen Lutz ohne Integrationshelfer nicht teilnehmen durfte. Hotels, die die Familie aufgrund ihres behinderten Sohnes ablehnten, weil sich andere Gäste dadurch gestört fühlen würden. Freizeitparks, in denen Lutz kein Fahrgeschäft betreten durfte, weil er es, so die Begründung, in einem Notfall nicht hätte alleine verlassen können. Die Liste ist lang.

Aber es geht auch anders. „Wir sind in niederländische Freizeitparks gefahren, wo Lutz Fahrgeschäfte nutzen konnte und es eine sehr große Hilfsbereitschaft gab“, erzählt Jörg Czempisz. Es gibt einen Literaturclub in Krefeld, den der 15-Jährige besucht. Nach langer Suche wurde auch eine integrative Reisegruppe gefunden, bei der er auch mal Urlaub ohne seine Eltern machen kann.

Die Familie wünscht sich mehr Offenheit und weniger Ausgrenzung für behinderte Menschen. Wie mit viel Respekt füreinander Inklusion gelebt werden kann, zeigt der Film „Kinder der Utopie“, der am Mittwoch, 15. Mai, um 17 und um 20 Uhr in den Lichtspielen am Buttermarkt zu sehen ist. Karten gibt es online.

www.kempenerlichtspiele.de