Kempener Westen: Der Kreis Viersen strebt Straßen-Tausch an

Kempener Westen : Der Kreis strebt Straßen-Tausch an

Im Zuge der Erschließung des Kempener Westens könnte der Kreis Viersen eine Nord-Süd-Achse bauen. Im Gegenzug soll die Stadt gleich vier bestehende Straßen in Kempen übernehmen.

In Sachen Lärmschutz für die Anwohner Oedter Straße gab es auch auf eine erneute Presseanfrage der WZ bis Donnerstagabend keine Antwort aus dem Rathaus. Aber zumindest im Ratsinformationssystem gibt es Neuigkeiten. Der Ausschuss für Umwelt, Planung und Klimaschutz (UPK) tagt am Montag, 23. September, und widmet sich dann auch der Verkehrserschließung für das geplante Wohngebiet „Kempener Westen“. Die Verkehrsuntersuchung für das geplante Neubaugebiet ist fertig und wird nun im Ausschuss beraten.

Im Zuge der Informationsveranstaltung zur Verkehrsuntersuchung hatten die Anwohner von Oedter Straße, Birken- und Berliner Allee ihren Unmut geäußert, dass sie neben den eh schon starken Belästigungen in Zukunft den zusätzlichen Verkehr aus dem neuen Baugebiet ertragen müssten.

Daher schlägt nun die Verwaltung der Politik vor, Möglichkeiten zur Verbesserung der Verkehrsverhältnisse auf Oedter Straße, Birken- und Berliner Allee zu prüfen und auf Basis der Empfehlungen des Büros „Planersocietät“ Vorschläge zu erarbeiten.

Die Planungsbüros schlagen neben dem Bau einer neuen Nord-Süd-Verbindung im Westen einige Maßnahmen im bestehenden Netz vor. Als Beispiele werden verkehrsberuhigende Ortseingangssituationen an Straelener und Ziegelheider Straße sowie Tempo 30 für die Berliner Allee genannt. Für die Achse Straelener Straße, Berliner Allee, Birkenallee und Oedter Straße soll geprüft werden, wie man den Lkw-Verkehr reduzieren kann. Perspektivisch wird sogar ein verkehrsberuhigender Straßenraumumbau für Berliner Allee und Birkenallee oder punktuelle Verkehrsberuhigung mit vorgezogenen Seitenräumen und Fahrbahneinengungen ins Spiel gebracht.

Nun muss die Politik entscheiden, ob die Verwaltung den Prüfauftrag erhalten soll. Für die Bürger der Oedter Straße ist dies nun wohl ein gutes Zeichen, dass etwas passiert. Wie berichtet, haben die Bürger Ideen vorgebracht, um die Oedter Straße zu beruhigen. Kreisverkehre, Tempo 30 und Zebrastreifen gehören dazu.

Veränderungen auf den bestehenden Straßen sollen laut Stadt aber nicht dazu führen, dass der Verkehr auf Altstadtring, Vorster und St. Töniser Straße ausweicht, sondern auf die neue Nord-Süd-Achse. Entsprechend sollten die Planungen dieser Straße im Westen umgehend in Angriff genommen werden.

Ein Ringschluss, also eine Umgehungsstraße, die den bestehenden Außenring schließt, ist wegen der hohen Kosten, dem hohen Zeitaufwand und der trennenden Wirkung zwischen Stadt und Umland vom Tisch.

Planer halten Anschluss
an den Außenring für wichtig

Trotzdem muss die neue Straße laut Planern im Norden wie im Süden möglichst attraktiv und schnell an den Außenring anschließen, damit sie auch von Autofahrern angenommen wird. Diese Achse soll sich mit den Baugebieten entwickeln und spätestens mit Realisierung des zweiten Bauabschnitts, der westlich und nördlich der Sport- und Freizeitanlagen an der Berliner Allee entsteht, bereits einen Teil des Verkehrs aufnehmen.

Nun gibt es zwei Varianten für eine solche in die Baugebiete integrierte Lösung, zwischen denen sich die Politik entscheiden muss: eine Hauptverkehrsstraße mit Tempo 50 oder eine verkehrsberuhigte Variante.

Favorit der Verwaltung ist die Hauptverkehrsstraße. Sie würde die meiste Entlastung für die bestehenden Straßen bringen und hat den zusätzlichen Vorteil, dass diese in die Straßenbaulast des Kreises Viersen übergehen könnte. Der Kreis habe laut Stadt Interesse an einem Tausch gezeigt. Die Stadt Kempen übernimmt die bisherigen Kreisstraßen innerhalb des Stadtgebietes: Ziegelheider Straße, Mülhauser Straße, Krefelder Weg und Altstadtring. Im Gegenzug bezahlt und unterhält der Kreis Viersen die neue Straße.

Erste Gespräche mit dem Kreis Viersen als möglichem Straßenbaulastträger wurden laut Stadt bereits geführt – mit positiver Resonanz. Allerdings sieht der Kreis beim Flächenankauf für die neue Straße die Stadt in der Pflicht. Und wie schnell oder langwierig das wird, entscheidet darüber, wie schnell die Straße gebaut werden kann. Und da sehen die Prognosen der Stadt wenig rosig aus: „Es wird erheblicher Anstrengungen bedürfen, die für den Straßenbau erforderlichen Flächen zu erwerben und die Grundstücksverhältnisse im gesamten Bereich neu zu ordnen“, heißt es von der Stadt.

Gegen die Hauptverkehrsstraße spricht, so wendet die Stadtverwaltung ein, dass sie im Widerspruch zu den Zielen des neuen Radverkehrskonzeptes stehe. Darin solle es heißen, dass die Straßenhierarchie weitgehend auflöst werden und auf allen Hauptverkehrsstraßen nur noch Tempo 30 vorgesehen ist.

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