Kempener Tropfen ist ein Exportschlager

Kempener Tropfen ist ein Exportschlager

Demnächst gibt es den Kemp’sche Cuvée auch in einer roten Variante. Außerdem hat der Flüsterer in der Altstadt einen ehrlichen Menschen entdeckt.

Kempen. Bürgermeister Volker Rübo ist wieder im Dienst. Nach dreimonatiger Krankheit startete er in dieser Woche wieder mit der Arbeit. Und bei allen Problemen mit Schule, Schwimmbad und Co. gibt es auch schöne Termine für einen Bürgermeister. Und mit einem solchen gab Rübo am Donnerstag sein Presse-Comeback. Im Kulturforum präsentierte die Stadt gemeinsam mit Hubert Jansen und Winzer Lukas Bicking einen neuen Kempen-Wein. Oder besser gesagt: einen neuen Kemp’schen Cuvée. Nachdem Ex-Karnevalsprinz Hubert Jansen bereits einen weißen Tropfen in Kempen an den Start gebracht hat, gibt es nun auch die rote Variante. Und dieser Cuvée ist keinesfalls ein typisch schwerer Rotwein, sondern eher leicht, fruchtig und sommerlich. „Das dürfte etwas sein, das allen schmeckt“, sagt Jansen, der den Wein — wie schon die weiße Variante — in seinem Büro an der Neustraße 8 vertreiben wird.

Foto: Kurt Lübke

Die Idee zur rötlichen Fortsetzung haben die Kunden selbst gehabt. „Häufig haben Leute beim Kauf des weißen Cuvée nach einer roten Variante gefragt“, sagt Hubert Jansen. Deshalb sei er zügig auf Winzer und Kooperationspartner Bicking (Wallhausen an der Nahe) zugegangen, um das Projekt fortzusetzen. Denn der weiße Kemp’sche Cuvée sei weiterhin eine Erfolgsgeschichte. Bald wird der dritte Jahrgang angeboten. Allein im vergangenen Jahr haben Jansen und Stadt in Kooperation 1100 Flaschen an den Mann gebracht. Übrigens auch ganz zur Freude der Kempener Kinderfeuerwehr. Denn ein Euro von jeder Flasche wurde diesem guten Zweck zugeführt. Macht also 1100 Euro für den Nachwuchs der Blauröcke. Diese Spendenaktion wird es übrigens nun auch beim Rotwein geben.

Altstadt-Geflüster

Erhältlich sind beide Weine bei Hubert Jansen, Neustraße 8. Geöffnet ist dienstags und freitags von 10 bis 13 Uhr sowie bald auch mittwochs von 16 bis 18.30 Uhr. Bald heißt genau ab 2. Juli. Denn dann geht der Rotwein in den Verkauf, nachdem er bei „Kempen Kulinarisch“ am Radwandertagswochenende (30. Juni/1. Juli) Premiere gefeiert hat. „Wer dann probiert hat, wird sicher auf den Geschmack gekommen sein“, ist sich Jansen sicher. Noch ein Hinweis: Die ersten zehn Käufer des Rotweins erhalten in der ersten Juli-Woche noch ein Sonderpräsent. Eine Flasche Wein kostet 7,90 Euro. Erhältlich ist der Rebensaft in Einer-, Zweier- und Dreier-Geschenkkartons.

Am Rande der Pressekonferenz berichtete Hubert Jansen, dass der Kemp’sche Cuvée bereits in ferne Länder exporttiert worden sei. „Ich habe immer wieder Kunden, die den Wein für Freunde oder Verwandte in Australien, China oder den USA kaufen“, so Jansen. Dabei handele es sich um frühere Kempener, die ihr Glück in der weiten Welt gefunden haben. „Und der Kemp’sche Cuvée ist dann ein Stück Heimat.“ Wobei die Trauben für den Kempener Wein natürlich nicht am Niederrhein, sondern an der Nahe wachsen. „Weiß- und Rotwein wird aber nach den Wünschen aus Kempen produziert. Diesen Wein gibt es so nirgendwo anders zu kaufen“, berichtet Winzer Lukas Bicking. „Und er schmeckt einfach wunderbar“, so Bürgermeister Volker Rübo. Nun könne die Stadt bei offiziellen Anlässen nicht nur „ihren“ Weiß-, sondern auch Rotwein anbieten.

Ein Altstadt-Geflüster ohne WM — das ist derzeit schwer möglich. Es geht aber nicht ums deutsche Team, sondern um ein erfolgreiches: um das von Portugal. Die WZ-Redaktion scheint nämlich mit im portugiesischen Viertel der Altstadt angesiedelt zu sein. An der Moosgasse 6 ist der Flüsterer immer hautnah dabei, wenn die Portugiesen mit Ronaldo und Co. zittern. So wie am vergangenen Mittwoch, als der schöne Christiano sein Land zum 1:0 gegen Marokko köpfte. Dabei wurde deutlich, dass das Personal in der italienischen Eisdiele von Dino Tonel, der bei der WM bekanntlich außen vor ist, überwiegend aus Portugal stammt. Beim Rein- und Raustragen der Eisbecher fiel der Blick der Kollegen immer auf den kleinen Fernseher in der Ecke der Eisdiele. Und da das Restaurant „La Piazza“ unweit der Eisdiele bekanntlich von der portugiesischen Familie Santos geführt wird, gibt es dort auch nur ein Thema: Ronaldo und seine vier Turnier-Tore. Passend dazu blickt der Flüsterer seit Tagen auf eine Portugal-Fahne, die im Bereich hinter dem Kino und Eisdiele weht.

Zum Schluss gibt’s noch eine gute Nachricht. „Allen Unkenrufen zum Trotz — es gibt doch noch ehrliche Menschen!“ Darüber freute sich gestern Petra Kamplade, Realschullehrerin im Ruhestand. Beim Geldabheben am frühen Morgen in der noch leeren Sparkassenfiliale an der Kuhstraße ließ sie in der Eile einen Fünfzig-Euro-Schein am Automaten liegen. Und fragte nach Öffnung des Geschäftsbetriebs — ohne jede Hoffnung — nach, ob jemand ihn abgegeben hatte. Jemand hatte! Meike Vandelaar, Mitarbeiterin des Kempener Friseurs Hartmut Höninger, fand den Schein in der noch leeren Kassenhalle beim Geldeinzahlen. Als die Filiale eine halbe Stunde später geöffnet hatte, ging sie noch einmal hin und gab die Banknote am Schalter ab. Wofür Petra Kamplade sich herzlich bedankte.“

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