Kempener Historiker Hans Kaiser über die Geschichte des St.-Peters-Stifts

Vortrag des Historikers Hans Kaiser : Vortrag: Wo die Leprakranken sich früher waschen durften

Vor zahlreichen Besuchern berichtete der Kempener Historiker Hans Kaiser Spannendes aus der Vergangenheit.

Über den Namenspatron des St.-Peter-Stiftes sprach der Kempener Historiker Hans Kaiser eine ganze spannende Stunde lang. Im Café der Senioren-Einrichtung im Kempener Süden blieb kein Platz frei, als der 72-Jährige über die Bedeutung des Heiligen Petrus für die Stadt und das Stift referierte. Kaiser blickte in seiner Spurensuche zu Peter rund 1000 Jahre zurück, als die Bauern den Wald zwei Kilometer südlich des heutigen Stiftes rodeten. „Als Stätte der Seelsorge errichteten sie einen schlichten Holzbau und benannten ihn nach St. Petrus“, berichtete Kaiser aus den Anfängen der St.-Peter-Kapelle, dem ältesten Gotteshaus im Kempener Land. Seit dieser Zeit ist der Name des Jüngers in Kempen gesetzt. Bis heute sind in der Stadt gleich mehrere Straßen nach dem Apostel benannt – ob St. Peter entlang der Kapelle, St.-Peter-Allee oder St. Peterskirchstraße. „Und die Schlüssel Petri finden sich an prominenter Stelle im Kempener Stadtwappen“, so Kaiser.

Im historischen Tiefenblick endete Kaiser seine Ausführungen aber nicht im Jahr 2001, als das St.-Peter-Stift errichtet worden ist. Kaiser blickte vielmehr 600 weitere Jahre zurück, als mit der Gründung der Stiftung Hospital zum Heiligen Geist der Grundstein für das noch junge St.-Peter-Stift gelegt worden ist. „Wenn Sie das Haus Weinforth neben der Heilig-Geist-Kapelle sehen, müssen Sie sich bewusst machen, dass dort die Urahnen Ihres St.-Peter-Stiftes saßen.“

Petrusschlüssel finden sich
im heutigen Stadtwappen

350 Meter entfernt vom St.-Peter-Stift rückte Kaiser in einem Exkurs den Blatendoop in den Fokus. Auch an dieser Straße spielte der Stiftsgedanke, den Schwachen ein Heim zu geben, im finsteren Mittelalter eine Rolle. „Blaten kommt von Melaten, das sind die unheilbar Kranken“, berichtete Kaiser. „Und in Doop steckt Taufe, begießen. Am Blatendoop konnten sich also die Leprakranken waschen.“

Wie vor 14 Tagen im Von-­Broichhausen-Stift, als Kaiser die Entwicklung der Hospital-Stiftung umriss, so konnte man auch diesmal die Stecknadel fallen hören. Viele Besucher nutzten die Gelegenheit und stellten dem Historiker Fragen. Kaiser spannte den Bogen vom Wert der Bücher und dem Segen des heutigen Sozialsystems bis hin zur Namensherkunft der Stadt Kempen aus Campunni und den Rechten der Frauen.

„Zu Johann von Broichhausen finden Sie jede Menge, zu Auguste Tibus so gut wie nichts“, sagte Kaiser mit Blick darauf, dass sich das St.-Peter-Stift an der Auguste-Tibus-Straße befindet und die Straßen in diesem Viertel nach Frauen benannt sind. Red

(RP)
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