Zweite Demo „Kempen ist bunt“ „Es ist auch mein Land, mein Europa, meine Welt“

Kempen · Zur zweiten „Kempen ist bunt“-Demo kamen deutlich weniger Menschen als bei der ersten Veranstaltung.

Geschätzt rund 300 Teilnehmer kamen zur zweiten Demo unter dem Motto „Kempen ist bunt“.

Geschätzt rund 300 Teilnehmer kamen zur zweiten Demo unter dem Motto „Kempen ist bunt“.

Foto: Norbert Prümen

(biro) Die zweite Demonstration des Kunstvereins Kempen in der Kempener Innenstadt hat am Samstagnachmittag weit weniger Interessierte angezogen als die erste Auflage am 27. Januar. Damals kamen rund 2000 Menschen in die Innenstadt, um für Vielfalt, Freiheit und Toleranz und gegen Rechtsextremismus zu demonstrieren. Geschätzt waren es nun rund 300 Menschen. Warum der Zuspruch diesmal geringer war, vermochte auch Oliver Heuken, Vorsitzender des Kunstvereins, nicht zu sagen – das schöne Wetter am Samstag und das verlängerte Wochenende, das durch den Brückentag möglich wurde, könnten allerdings zu beigetragen haben, dass viele andere Pläne hatten, als zu einer Demo zu gehen.

Teils mit Plakaten und Fahnen ausgerüstet taten die Teilnehmer unter dem Motto „Kempen ist bunt – wir legen nach!“ ihre Meinung kund. „Vielfalt statt Einfalt“ war da etwa zu lesen oder „Demokratie braucht keine Alternative“. Neben den im Stadtrat vertretenen Fraktionen hatten sich auch die weiterführenden Schulen, die Kirchen und örtliche Vereine dem Aufruf des Kunstvereins angeschlossen, „Die braunen Stellen schneiden wir ab“, kündigte etwa die Tafel Kempen auf einem Plakat an.

Viel Applaus gab es für junge Leute: So hatte der Kunstverein Kempen einen Preis für Schülerinnen und Schüler ausgelobt, die in einem kurzen Video-Clip zeigen sollten, dass Kunst, Demokratie, Freiheit, Menschlichkeit, Vielfalt und Integration zusammengehören und wichtig sind. Sieger des Wettbewerbs wurde die Liebfrauenschule Mülhausen aus Grefrath, am Martinsdenkmal am Buttermarkt nahmen die Gymnasiasten am Samstag das Preisgeld in Höhe von 350 Euro entgegen.

Viel Applaus erhielten auch zwei Mädchen, die ans Mikro traten und ihre Sicht schilderten. Sie sei erst 13 Jahre alt, dürfe noch nicht wählen, sagte Mona Schlegel, „aber es ist auch mein Land, mein Europa, meine Welt. Mit eurer Stimme entscheidet ihr auch über die Zukunft derjenigen, die noch nicht wählen können“, so die Schülerin, die die Anwesenden dazu aufrief, wählen zu gehen. Dem schloss sich die 16-jährige Sophie Hols an. Sie werde in diesem Jahr erstmals bei der Europawahl ihre Stimme abgeben, sagte die Jugendliche, rief ihre Miterstwähler auf, das Gleiche zu tun, und appellierte an alle Wählerinnen und Wähler: „Informiert euch! Wisst, was euer Kreuz auf dem Zettel für eure Zukunft bedeuten kann!“ Viel Applaus gab es zudem für Gesamtschüler, die klarmachten, dass niemand ausgeschlossen werden oder sich schlecht fühlen sollte, nur weil er anders sei: „Gemeinsam können wir die Welt besser machen.“

Auch Heuken rief die Wähler, insbesondere junge Leute, dazu auf, ihre Stimme zu nutzen: „Macht unmissverständlich klar, dass ihr aus der Geschichte gelernt habt.“ Wegzuschauen und nichts mitzubekommen, sei keine Lösung, sagte Bürgermeister Christoph Dellmans (parteilos), „gehen Sie wählen und machen Sie bitte das Kreuz an der richtigen Stelle“, bat Michael Lorenz von der Lebenshilfe. In kurzen Beiträgen äußerten sich auch Winand Lange für den Stadtsportverband, David Neil Nethen vom Verein Kreis Queersen sowie Vertreter der katholischen, evangelischen und muslimischen Gemeinde in Kempen, die den „Engel der Kulturen“ mitgebracht hatten. Pfarrer Roland Kühne wünschte allen den Frieden mit dem hebräischen Schalom, auch der Ukraine und Russland, auch Israel und Palästina.

(biro)