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Kempen: Workshop "Barocke Klosterarbeiten" Im Kramer-Museum

Kramer-Museum in Kempen : Amulette nach barocken Vorbildern hergestellt

Beim einem Workshop im Kempener Kramer-Museum konnten die ­Teilnehmerinnen eigene Amulette nach barocken Vorbildern herstellen.

Auf einem großen Tisch im Rokokosaal des Kramer-Museums in Kempen lagen Heiligenbildchen, silberfarbene Borten, Pailletten, Glasschmucksteine, aus Bouillondraht geflochtene Rähmchen, Schleifen, Fäden, Nadeln, Scheren. Zur Ausstellung „Barocke Klosterarbeiten“ mit Exponaten von Monika Lennartz bot die Mönchengladbacher Sammlerin und Kunsthandwerkerin jetzt einen Workshop mit dem Thema „Barockes Breverl“ an. Sechs Frauen werkelten jeweils an ihrem kleinen Amulett. „Die Klosterfrauen“, wie Monika Lennartz sie nannte. Das hat einen besonderen Grund: Es waren im Barock die Klosterfrauen, die Heiligenfiguren, Marienstatuen, Primizkronen, Andachtsbilder, Reliquientafeln und eben die Breverl anfertigten. Meist Frauen aus reichem Hause, brachten sie ihre Aussteuer mit wertvollen Stoffen oder Perlen mit ins Kloster.

Ein Breverl ist eine Art spiritueller Schutzbrief mit einer langen Tradition, die – außer in Süddeutschland – in Vergessenheit geraten ist. Der Begriff Breverl kommt aus dem lateinischen „Littera brevis“, der kurze Brief. Dieser kann einen gedruckten Segen enthalten, Pflanzensamen von heiligen Stätten, Weihrauchkörner, Erde vom Ufer Genezareth – alles Dinge, denen der Volksglaube eine besondere heilende und segnende Kraft zumaß. Das auf ein winziges Format gefaltete Briefchen wird in ein kleines, viereckiges kissenartiges Amulett gelegt: das Breverl.

Das Amulett selbst ist aufwendig verziert: mit Borten, Steinen und Ornamenten. Im Zentrum des Kissens ist immer ein Heiligen-, Marien- oder Wallfahrtsbildchen kunstvoll eingefasst aufgebracht.

Frauen erledigten Arbeit
in gemütlicher Ruhe

Für den Workshop hatte Monika Lennartz, um das Erstellen eines Breverls zu erleichtern, das Grundkissen bereits zusammengenäht. Die „Klosterfrauen“ brauchten also „nur“ noch die Verzierungen anzubringen. Eine filigrane Arbeit, die die sechs Frauen in gemütlicher Ruhe, unterbrochen von Tipps von Monika Lennartz und kleinen Unterhaltungen, erledigten. „Das fällt mir leicht“, sagte Wilma Ingendae aus Kempen. Denn sie hatte einen Vorteil: Als Gebildhandstickerin von Beruf brachte sie Erfahrung mit frickeliger Arbeit mit.