Kabarett-Doppelpack in Kempen Willibert Pauels und Stefan Verhasselt bringen Kabarett in die Kirche

Kempen · Eine Kirche ist ein ungewöhnlicher Ort für ein Kabarett. In St. Josef passte es bestens. Stefan Verhasselt und Willibert Pauels traten im voll besetzten Gotteshaus auf.

 Stefan Verhasselt (im Bild) und Willibert Pauels teilten sich eine Bühne und traten nacheinander auf.

Stefan Verhasselt (im Bild) und Willibert Pauels teilten sich eine Bühne und traten nacheinander auf.

Foto: Norbert Prümen

(evs) „Ich wollte gleich mit einem Knalleffekt anfangen“, bekundet Willibert Pauels, als er das Wasserglas von Stefan Verhasselt mit Schwung auf den Kirchenboden von St. Josef befördert. Zur großen Freude des Publikums, dem kurz zuvor von Ina Germes-Dohmen vom ausrichtenden Förderverein der katholischen Gemeinde in Kamperlings noch dringend angeraten worden war, keine Getränke mit in den Altarraum zu nehmen. Kabarett in der Kirche. Ein ungewöhnlicher Ort. Und ein Wagnis. Doch eins, das in diesem Fall bestens gepasst hat.

Mehr als 300 Besucher waren gekommen, um die Premiere des Kabarett-Doppels Willibert Pauels und Stefan Verhasselt zu erleben. Und das, wie die Autokennzeichen vor der Kirche zeigten, nicht nur aus dem näheren Umfeld.

Dabei war sicherlich die Person von Willibert Pauels ein wichtiger Magnet. Denn der katholische Diakon aus Wipperfürth steht als „Ne Bergische Jung“ seit Jahrzehnten auf den großen Bühnen des Kölner Karnevals und ist einem Millionenpublikum bekannt. Er verbeugt sich zunächst vor dem Tabernakel der Kirche und kommentiert: „Kniebeuge vor der Ehrenloge. Da ist der Chef drin.“ Seine Markenzeichen sind die schwarze Kastenbrille, die rote Pappnase und die schwarze Melone mit dem roten Band.

70 Jahre wird er in diesem Jahr, und in Kempen zeigte er, was er ist: ein Vollprofi, der sein Publikum fesselt. Bereits als er sich selbst anmoderiert und zu „Heidewitzka Herr Kapitän“ erneut in die Kirche einzieht, singen und klatschen 300 Menschen begeistert mit. Er plaudert über seine Auslandserfahrungen, sprich im Sauerland. Erzählt einen Witz nach dem anderen und teilt gegen selbst ernannte Moralisten aus, die ihn bis heute immer wieder kritisch beäugen. Auch das Gendern kommt dran. Beispiel: Eine Frau bestellt im Gasthaus eine „Radlerin“. Darauf der Wirt: „Unser Zapfhuhn ist kaputt.“ Roter Faden ist seine Hommage an den Humor: „Fanatiker und Fundamentalisten können nicht über sich selbst lachen.“ Und er zieht den großen philosophischen Bogen zur Religion. Witz und Religion seien wie „Bruder und Schwester“. Umrahmt wird sein Auftritt von Stefan Verhasselt, der ihn nach Kempen gelockt hatte, wo der gebürtige Straelener seit 13 Jahren zu Hause ist. Auch der „Niederrheiner unter den Kabarettisten“ ist einem großen Publikum bekannt. Der langjährige Radiomoderator lernte im Rahmen der Sendung „Kirche in WDR 4“ Willibert Pauels kennen. Seit 2006 steht Stefan Verhasselt mit eigenen Kabarett-Programmen auf der Bühne. Feinsinnig und feinfühlig reiht er seine intelligenten Alltagsbeobachtungen aneinander, und das in typisch toleranter und spitzfindiger niederrheinischer Art. Dieser feine, leichte, menschlich zugewandte Humor ist es, der beide Künstler miteinander verbindet und diesen Premieren-Abend zu etwas Besonderem machte.

(evs)
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