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Kempen: Werbering sagt Weihnachtsmarkt an der Burg ab

Werbering : Keine Weihnacht an der Burg

Der Werbering sagt den Markt im Dezember ab – und plant ein zusätzliches Event im nächsten Herbst.

. Die Entwicklung war absehbar. Spätestens nachdem der Kreis Viersen am Donnerstag im Zuge der neuen Corona-Maßnahmen das Aus für den Weihnachtsmarkt 2020 im Grefrather Freilichtmuseum verkündet hatte, war mit einer ähnlichen Entscheidung in Kempen zu rechnen. Dennoch machte Werbering-Chef Armin Horst bei einem Pressetermin am Freitagabend ganz deutlich, dass diese Entscheidung alles andere als leicht getroffen worden war. 

„Schwersten Herzens haben wir uns dazu entschlossen, den Weihnachtsmarkt in Kempen abzusagen“, verkündete er. Nach eingehenden Beratungen zwischen dem Werbering als Veranstalter, Henning Schmitz vom Event-Ausrichter XDream und Christoph Dellmans als designiertem Bürgermeister habe man dies beschlossen.

1000 Besucher hätten zeitgleich auf dem Markt sein können

Die Vorbereitungen seien schon weit gediehen gewesen, das Sicherheits- und Hygienekonzept mit dem Ordnungsamt abgestimmt, es liege dem Gesundheitsamt des Kreises zur Prüfung vor. „Wir sind sicher, dass wir auf Basis dieser Konzepte einen schönen Weihnachtsmarkt rund um die Burg hätten ausrichten können, ohne in unverantwortlichem Maße die Besucher durch mögliche Infektionen zu gefährden“, sagte Armin Horst.

Der Werbering betonte in diesem Zusammenhang, dass man bei der Erstellung der Konzepte große Unterstützung durch das Ordnungsamt erfahren habe. Rund 1000 Besucher hätte man zeitgleich auf das Gelände lassen können, man hätte mit Zeitfenstern und Online-Tickets arbeiten wollen. Ein kleines Eintrittsgeld von zwei Euro sei angedacht gewesen, auch um die zusätzlichen Kosten aufzufangen.

Nach aktueller Rechtslage wäre die Durchführung des Marktes auch durchaus noch möglich. Das würde aber voraussetzen, dass die Freiheiten, die zuletzt galten, tatsächlich und vollumfänglich im Dezember wieder hergestellt werden. „Die Verfügungen des Bundes und des Landes NRW lassen aber eine verlässliche Planung derzeit nicht zu“, so der Vorsitzende. Es sei nicht abzuschätzen, welche Rahmenbedingungen Ende November gelten. „Insofern besteht die Gefahr, dass hohe Kosten entstehen, ohne dass diesen in hinreichendem Maße Einnahmen gegenüberstehen.“ Eine derart risikobehaftete Investition sei weder dem Ausrichter XDream noch den Händlern zuzumuten.

Schon im Vorfeld hätte viel
investiert werden müssen

Durch die Verlegung an die Burg und die umfangreichen Corona-Schutzmaßnahmen wären schon vor Start des Marktes erhebliche Investitionen erforderlich gewesen. „Das hätte rund 50 000 Euro mehr gekostet, als ein normaler Markt“, sagte Armin Horst. Die Gesamtkosten konnte er nicht beziffern. In jedem Falle wäre es aber notwendig gewesen, das Gelände zu umzäunen und zu bewachen, Ein- und Ausgänge zu schaffen, Strom und Wasser zu verlegen und für eine Beleuchtung zu sorgen. Aber all das hätte man in Kauf genommen.

Christoph Dellmans, der ebenfalls bei dem Termin am Freitag zugegen war – noch als Marketing-Chef der Stadt – nannte die Absage die „einzig richtige Entscheidung“. Dennoch habe man natürlich lange überlegt, denn mit jeder Absage, ob es der Martinszug, Karneval oder der Weihnachtsmarkt sei, brächen dem Einzelhandel massive Gewinne weg.

Diese konnte Dellmans auch beziffern: Ein abgesagter verkaufsoffener Sonntag bedeute für die Händlergemeinschaft in Kempen einen Umsatzverlust von rund 450 000 Euro. In Kombination mit einem Event, beispielsweise dem Handwerkermarkt, und dem Nachverkauf in der Woche danach, läge der Verlust bei etwa 1,45 Millionen Euro. Den Weihnachtsmarkt eingerechnet habe man in Kempen in diesem Jahr fünf solcher Aktionen absagen müssen.

Einzelhandel kann an bis
zu fünf Sonntagen öffnen

Dennoch: Die Stadt hätte unter den gegebenen Umständen nicht garantieren können, dass man den Markt nicht doch noch zwei Tage vorher – oder zwischendurch – hätte absagen müssen. „Das wäre der Niedergang für XDream und die Händler gewesen“, so Dellmans. Schon jetzt sei der Händler-Pool, aus dem der Ausrichter buchen könne, durch die Krise immens zusammengeschrumpft. „Ich glaube, dass der Werbering dennoch zur Weihnachtszeit ein einzigartiges Ambiente schaffen wird“, so Dellmans.

Dass daran bereits gearbeitet wird, konnte Armin Horst bestätigen: „Es werden verschiedene Alternativen geprüft.“ Man stelle es den Geschäften frei, an den vier Adventssonntagen und am ersten Sonntag im Januar wie per Coronaschutzverordnung erlaubt zu öffnen. Es würden Schilder erstellt, auf denen die Händler bekannt geben können, an welchen Sonntagen sie sich beteiligen.

Zudem prüfe man gemeinsam mit der Stadt, ob man zu Nikolaus am 6. Dezember einen Nikolaus durch Kempen fahren lassen könne. Dies sei aber womöglich erst kurzfristig zu entscheiden. Sicher sei aber, dass die Weihnachtsdekoration ab dem 16. November in der Stadt aufgestellt werden soll. Die Überspannungen der Straßen werden aufgehängt, insgesamt 160 Tannenbäume aufgestellt.

„Zusätzlich wollen wir diesmal  auch die kleinen Bäume beleuchten“, so Horst. Die Ketten dazu würden derzeit besorgt. Und auch der Sternenhimmel am Buttermarkt solle nicht fehlen, auch wenn es keinen Markt gibt. Darüber hinaus prüfe die Stadt, ob zusätzlich zum Wurststand an der Engerstraße noch weitere Buden in der Stadt realisierbar wären, sagte Christoph Dellmans.

Prüfen wolle er auch gleich in seiner ersten Woche im Amt – gemeinsam mit dem Krisenstab – ob die Maskenpflicht in der Altstadt nicht auf die Fußgängerzone und den Zeitraum zwischen 6 und 20 Uhr beschränkt werden kann. „Das würde auch das Ordnungsamt entlasten.“

Maskenpflicht in der Altstadt
wird womöglich begrenzt

Den Händlern käme dies entgegen. Die Besucherfrequenz sei seit Einführung der Maskenpflicht merklich gesunken, gaben einige Händler an. Auch Armin Horst äußerte sich besorgt über die Situation: „Die Herausforderungen enden nicht. Die Gastronomie muss am Montag schließen.“ Die Maßnahme an sich wolle er nicht bewerten, sie habe aber in jedem Falle Auswirkungen auch auf die Einzelhändler, obwohl diese weiter öffnen dürfen.

„Kempen hat eine starke Anziehungskraft, bis in die Niederlande und ins Ruhrgebiet hinein. Das liegt an der hohen Verweilqualität. Die Menschen nehmen den Weg nicht auf sich, nur um mal eben in die Geschäfte zu gucken.“

Optimistisch stimme ihn aber, dass den coronabedingten Schließungen, die es vereinzelt gegeben habe, mindestens genauso viele Geschäftseröffnungen in der Altstadt gegenübergestanden hätten. „Zwei sind sogar noch geplant.“

Um Handel und Gastronomie im kommenden Jahr wieder zu stärken, plane der Werbering ein neues, zusätzliches „Herbstfest“ Anfang September. Dieses sei auch bereits mit der Stadt abgestimmt, ebenso wie Frühlings- und Altstadtfest, Handwerker- und Weihnachtsmarkt 2021. „Sollten die Veranstaltungen aufgrund der Pandemie-Lage nicht genehmigungsfähig sein, könnte man sie auch an die Burg verlegen“, sagte Horst. „Das Konzept dazu ist ja nun einmal erarbeitet.“