Kempen: Vergessene Schätze aus Glas

Heinrich Dieckmann hat die Glasmalerei revolutioniert. 2011 gibt es ein Buch und eine Ausstellung über den Künstler.

Kempen. Mit staunenden Augen hat Heinrich Dieckmann als Kind die Marienkirche betrachtet. Dass er ihr Jahre später als Glasmaler Fenster bescheren würde, kam ihm als Steppke noch nicht in den Sinn. Und dass ihm 2011 ein Buch und eine Ausstellung gewidmet werden, hätte er auch zu seinen Zeiten als Glasmaler nur zu träumen gewünscht.

Die Historikerin Monika Joggerst hat sich mit dem Leben des gebürtigen Kempeners bereits 2002 in ihrer Doktorarbeit gewidmet. Die Offenburgerin hatte im Kulturforum Franziskanerkloster ein Volontariat absolviert - genau in der Zeit, in der dort die Ausstellung zu Dieckmanns 100-jährigen Geburtstag organisiert wurde. "So bin ich auf ihn gestoßen - und ich fand sein Werk und seine Persönlichkeit faszinierend", sagt die Dieckmann-Expertin.

Nun wird Joggerst für die "Schriftenreihe über Leben und Werk niederrheinischer Künstler" mit Unterstützung der Sparkassenstiftung einen Band über den Kempener Künstler schreiben. Zugleich wird eine Ausstellung im Kulturforum sein Werk beleuchten.

In den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts hatte sich Dieckmann als bettelarmer Maler durchgeschlagen, musste sich für Farbe und Leinwand Geld leihen. Dann aber bekam er eine Professur in Trier an der Handwerker- und Kunstgewerbeschule, und das Blatt wendete sich. "An den Chorfenstern in St. Marien hat er sich als Erneuerer der christlichen Kunst einen Namen gemacht", sagt Joggerst.

Neu waren die expressionistischen Züge in der sakralen Kunst: Flächige Kompositionen mit zurückgenommener Perspektive zeichnen seine Kirchenfenster aus. Auf dem farbigen Glas zwischen den Bleiruten, die exakt auf den Zeichenlinien verlaufen, hat er mit Schwarzlot Nuancen gesetzt - wie die Glaskünstler im Mittelalter. Er wollte sich auf das ursprüngliche Handwerk beschränken, nahm sich selbst als Künstler zurück.

Seine Strömung, voller Aufbruch und Dynamik, ging in der NS-Zeit unter. Und auch danach blieben die figürliche religiöse Kunst und die Glasmalerei wie auch ihr Mitbegründer, in Vergessenheit. Die Erinnerung an ihn und seine Kunst wird im Oktober 2011 wieder schärfer - dann soll die Ausstellung ihre Eröffnung feiern.

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