Aufführung in Kempen an Dreikönig Texte des Weihnachtsoratoriums neu gedeutet

Kempen · Unter dem Titel „Jauchzet! Frohlocket!“ steht in Kempen eine szenische Musikerzählung nach Bach auf dem Programm.

Bastian Rütten (l.) und Christian Gössel bei den letzten Konzeptabsprachen in der Alten Kirche in Lobberich.

Bastian Rütten (l.) und Christian Gössel bei den letzten Konzeptabsprachen in der Alten Kirche in Lobberich.

Foto: Bastian Rütten

Teile aus allen sechs Kantaten des Weihnachtsoratoriums von Johann Sebastian Bach erklingen in Originalbesetzung am Dreikönigstag, 6. Januar, in der Christ-König-Kirche in Kempen. Doch wird manches anders sein als bei einer „normalen“ Oratoriumsaufführung.

Der Theologe Dr. Bastian Rütten, Pastoralreferent in der Wallfahrtsleitung in Kevelaer und dort zuständig für die Entwicklungen neuer Formen, hat verbindende Texte entworfen, die die Menschen von heute ansprechen sollen. Er ist überzeugt: „Wir müssen die alte Botschaft mit den barocken und für uns Heutige oft nicht sinngebenden Texten für den modernen Menschen verstehbar machen, so hat Bach das zu seiner Zeit auch getan. Die Kirche hat soviel Vertrauen verspielt, dass als Einziges die Musik noch glaubhaft ist. Daran müssen wir anknüpfen. Wir nehmen die Menschen auf eine Reise mit, und ein Sprecher führt diese Reise an – anregend, aber niemals belehrend.“

Als kompetenten Musiker und Verbündeten hat Bastian Rütten den Kempener Kantor Christian Gössel gefunden, der bereits während seines Studiums in Berlin mit renommierten Chören arbeitete, etwa der Singakademie Berlin oder dem Bach-Chor der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche. Ebenso begeistert von diesem Konzept, hat der Kirchenmusiker mit seinem Kammerchor Nota Bene seit dem Sommer die ausgewählten Chöre und Choräle des Weihnachtsoratoriums einstudiert. Bei den Chorälen werden die rund 30 Sängerinnen und Sänger vom Unterstufenchor des Kempener Luise-von-Duesberg-Gymnasiums unterstützt. So wird auch die Jugend eingebunden – ein wichtiger Faktor angesichts der mangelhaften Musikpflege an den meisten Schulen.

Es spielt das Rheinische Oratorienorchester

„Die Musik Bachs wird nicht angetastet“, versichert Christian Gössel. Dazu wurde das kirchenkonzerterfahrene Rheinische Oratorienorchester mit seiner Konzertmeisterin Gabi Zibell verpflichtet, dazu vier namhafte Solisten. Die Sopranistin Isabelle Heiss ist freischaffende Sängerin und Gesangspädagogin, sie arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Musikpädagogik an der Universität der Künste in Berlin. Sie ist Solistin bei namhaften Instrumentalensembles und verkörperte Rollen in diversen Bühnenproduktionen.

Erstklassige Musiker
werden zu hören sein

Wie zu Bachs Zeiten üblich, wählte Gössel für die Altpartie einen Countertenor. Tobias Hechler studierte an der Hochschule für Künste Bremen und an der Musikhochschule Hannover. Im Konzertfach gestaltet er vornehmlich barocke Partien – auf der Bühne war er beispielsweise als Oberon in Brittens „Sommernachtstraum“ oder als Ruggiero in Händels „Alcina“ zu erleben. Der aus Dresden stammende Leonard Reso erhielt seine ersten musikalischen Impulse als Kruzianer, später studierte er an der Robert-Schumann-Musikhochschule Düsseldorf und erwarb seinen Master bei Martin Wölfel. Der Tenor widmet sich dem Lied und dem Oratorium, sein Repertoire erstreckt sich von der Renaissance bis zu zeitgenössischer Musik. Reso ist Mitglied des WDR-Rundfunkchores und gehört zu den Kölner Vokalsolisten.

Aus Nettetal stammt der Bass Peter Rembold, der seit 2016 Mitglied des Opernchores am Theater Koblenz ist. Er studierte an der Kölner Musikhochschule bei Mario Hoff und Johannes Martin Kränzle. Schon in dieser Zeit übernahm er Partien in Opernproduktionen der Hochschule, später als Mitglied des Opernstudios am Musiktheater Gelsenkirchen. Ein weiterer Schwerpunkt Rembolds sind das Oratorienfach und das Kunstlied.

Der Sprecher bei der „szenischen Musikerzählung nach Johann Sebastian Bach“ ist der Schauspieler Boris Valentin Jacoby. Nach seinem Studium an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Stuttgart holte ihn kein Geringerer als Claus Peymann ans Burgtheater Wien. 1999 folgte der Schauspieler Peymann nach Berlin. Dort arbeitete er mit George Tabori, Robert Wilson und Leander Haussmann. Seit 2017 ist Jacoby freischaffend tätig – als Schauspieler, als Synchronsprecher und im Hörspielbereich. Nach Rücksprache mit Bastian Rütten hat er gerne diese besondere Aufgabe im „Weihnachtsoratorium“ angenommen.

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