Angebot in Kempen Senioren-Initiative will auch Jüngere gewinnen

Kempen · Ziel ist es, mit Veranstaltungen und Interessensgruppen der Vereinsamung im Alter zu begegnen.

Der Vorstand der Senioren-Initiative mit Peter Rupprecht (v.l.), Werner Holtermann, Renate Schmitz und Willi Stenhorst in Kempen.

Der Vorstand der Senioren-Initiative mit Peter Rupprecht (v.l.), Werner Holtermann, Renate Schmitz und Willi Stenhorst in Kempen.

Foto: Birgitta Ronge

Die Senioren-Initiative Kempen blickt optimistisch auf das begonnene und das kommende Jahr, wenn der Verein das 50-jährige Bestehen feiert. Die Mitgliederzahlen, die in den Pandemie-Zeiten eingebrochen waren, haben sich inzwischen stabilisiert. Im Jahr 2019 zählte der rührige Verein noch über 2000 Mitglieder, in den folgenden Jahren sank die Zahl der Mitglieder immer weiter: 2020 hatte der Verein 1932 Mitglieder, 2021 waren es 1816. Im Jahr 2022 zählte der Verein 1739 Mitglieder.

Im vergangenen Jahr waren es 1717, nur 22 weniger als im Vorjahr also, was der Vorsitzende Werner Holtermann bei der Mitgliederversammlung im Kolpinghaus am Dienstag als durchaus positiv bewertete. 135 Neuzugänge zählte der Verein im vergangenen Jahr, aber auch 157 Abgänge: 84 Mitglieder starben, 73 kündigten. „Die Gründe für die Kündigung lassen sich leider Gottes nicht vollständig eruieren“, so Holtermann.

Zum Teil gebe es natürlich Austritte, weil Menschen wegziehen. Mitunter gebe es aber auch Austritte, weil bisherige Mitglieder in eines der Kempener Seniorenheime kämen, die Kinder dann für sie die Mitgliedschaft kündigten. Das müsse nicht sein, so Holtermann: Für sie sei die Mitgliedschaft in der Senioren-Initiative dann kostenfrei, „das wissen viele nicht.“

Das Interesse an den vielfältigen Angeboten der Senioren-Initiative in Kempen ist jedenfalls weiterhin groß: In den ersten beiden Monaten des Jahres 2024 zählte der Verein bereits 50 Neuanmeldungen. Mit vielen Veranstaltungen, Ausflügen, Reisen und Interessensgruppen will der Verein möglichst viele Menschen in Kempen ansprechen. Gruppen gibt es beispielsweise für Bingo oder Boule, Schach, Skat, Doppelkopf, es gibt Gymnastik, Theater und Tanz, einen Chor und die „Wiesentrommler“. In Gruppen beschäftigen sich Interessierte mit der Geschichte der Region, handarbeiten gemeinsam, malen, bauen ihre Französisch-Kenntnisse aus oder unternehmen Radtouren. Daneben sind Tagesausflüge und Mehrtagesreisen beliebt, insbesondere die Reisen verzeichneten im vergangenen Jahr eine deutlich höhere Teilnehmerzahl.

Mit ihren Veranstaltungen und Angeboten will die Senioren-Initiative auch Jüngere ansprechen. Eine Altersgrenze gibt es nicht, man muss nicht 65 oder älter sein, um bei einer Radtour mitzufahren oder überhaupt ins Haus Wiesengrund an der Wiesenstraße zu kommen. „Wir kämpfen mit dem Problem, dass manche sagen: ,Ach ja, Haus Wiesengrund, das Altenheim‘“, berichtete Holtermann bei der Versammlung und betonte: „Nein, das sind wir nicht!“ Schmunzelnd erzählte er auch vom Anruf einer Dame, die sich für eine Reise interessierte und fragte: „Bin ich nicht zu jung dafür? Ich bin erst 77.“

Insbesondere mit neuen Angeboten will die Senioren-Initiative auch Jüngere gewinnen und überhaupt ein breites Publikum in Kempen ansprechen. Das gelingt schon durch die Filmnachmittage, ebenso wie durch die Vorträge, die auch für 2024 wieder geplant sind.

Auch Kulturveranstaltungen werden angeboten

Bei der Kulturreihe „samstags um halb fünf“ hängt der Zuspruch offenbar stark von Jahreszeit und Programm ab, „regionale Künstler haben ein großes Anziehungspotenzial“, stellte Holtermann in seiner Bilanz fest. Im Dezember konkurriere man mit vielen weiteren Veranstaltungen im Advent. Dies will die Initiative bei künftigen Planungen berücksichtigen.

Ein starkes Standbein der Senioren-Initiative ist außerdem der Fahrdienst. Diesen nehmen Mitglieder besonders häufig für Fahrten zu Ärzten und Therapieeinrichtungen in Anspruch, seltener für Marktfahrten. Das meldete Werner Holtermann den Mitgliedern bereits im vergangenen Jahr, und daran hat sich 2023 nicht viel geändert. In Pandemie-Zeiten hätten viele Ältere vermutlich andere Möglichkeiten des Einkaufs gefunden und nutzten diese nun immer noch weiter, so der Vorsitzende, „die Kunden zurückzugewinnen, ist nicht so einfach.“ Wirtschaftlich zu betreiben sei der Fahrdienst nicht, betonte auch Finanzwart Willi Stenhorst am Dienstag. Doch davon abweichen wolle man nicht, „der Fahrdienst ist ein wesentlicher Teil der Senioren-Initiative.“