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Kempen: Schlechte Karten für den Karneval

Debatte : Schlechte Karten für den Karneval

Bei den Kempener Vereinen hält man Veranstaltungen mit weniger Gästen und Hygienekonzept für wenig realistisch oder sinnvoll.

. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat in dieser Woche verlauten lassen, er könne sich „Karneval in diesem Winter, mitten in der Pandemie schlicht nicht vorstellen.“ Sein NRW-Kollege Karl-Josef Laumann (auch CDU) sprang ihm bei – viele große Karnevalsverbände und -vereine sind mit einer Pauschalabsage aber nicht einverstanden. Grund genug einmal nachzufragen, wie die Kempener Karnevalsvereine in die Session blicken.

„Wenn ich das wüsste, wir stehen zwischen den Stühlen“, sagt Peter Wolters. Eine definitive Antwort kann der Präsident des Kempener Elferrates noch nicht geben auf die Antwort, ob es in der kommenden Session in Kempen Karnevalsveranstaltungen geben kann. „Wir als Prinzenpaar sind aber ja auch nur Gast bei den Veranstaltungen, besuchen Kitas und Seniorenheime.“ Für realistisch halte er es aber nicht, dass viel stattfinden kann. „Vielleicht im kleinsten Rahmen und draußen“, sagt Wolters. „Es tut mir ja sehr leid, wie auch um den Martinszug. Das ist auch ein traditionsbehaftetes Fest. Aber man muss auch vernünftig sein und an die Gemeinschaft denken.“

Ähnlich sieht es Heinz Börsch, Präsident des Kempener Karnevalsvereins: „Ich gehe nicht davon aus, dass das dieses Jahr etwas gibt.“ Auch, weil sich Veranstaltungen mit stark reduzierten Besucherzahlen „kaum rechnen können“, so Börsch. „Und dann müsste man auch sehen, ob überhaupt Leute die Karten kaufen und hingehen würden.“ Auch der KKV ist mit seinem Prinzenpaar nur Gast in den Sälen. „Das Hoppeditz-Erwachen im November ist für uns der erste Termin. Aber dafür müssen wir nicht viel vorbereiten.“

Anders sieht es beim Straßenkarneval aus. „Möglich wäre, dass wir Altweiber etwas auf dem Buttermarkt machen. Open air und mit begrenzten Besucherzahlen“, so Börsch. Das ginge auch recht kurzfristig und mit geringem finanziellen Risiko. „Aber auch da ist die Frage, ob es zur Stimmung passt, mit Hygienekonzept zu feiern – und ob überhaupt jemand kommen würde.“

Was Zeltveranstaltungen angeht, sagt er ganz klar: „Ich gehe davon aus, dass das nicht stattfinden wird.“ Es sei auch uninteressant, beispielsweise nur jeden zweiten Stuhl zu besetzen. „Das kann man sich nicht vorstellen. Dann muss man einfach auch den Mut haben zu sagen: Das fällt dann mal aus. Während des Golfkrieges 1991 war dann halt auch mal ein Jahr kein Karneval.“

Ganz so gelassen ist man bei der Karnevalsgesellschaft Weiß & Blau Kamperlings nicht. „Es ist schwierig, wir hängen in den Seilen“, sagt Andreas Beckers von der KG. Kommenden Monat wolle man eine Entscheidung treffen.

Auch Beckers hält Sitzungen mit wenigen Teilnehmern für unrealistisch. „Wenn man nur 100 statt 400 Menschen in den Saal lassen kann, bekommt man mit den Einnahmen keine Sitzung bezahlt“, sagt er. Wenn, dann werde wohl nur etwas „im ganz kleinen Rahmen“ stattfinden können, seine „favorisierte Version“, so Beckers, sei aber, abzusagen.

Die Prinzengarde will ebenfalls Anfang September bei einer Vorstandssitzung die Lage besprechen. „Die Gesundheitsminister sagen, Karneval kann nicht wie sonst stattfinden, und dem kann ich mich anschließen“, sagt Präsident Peter van der Bloemen. Es sei aus seiner Sicht aber „definitiv zu früh“, die Session jetzt schon ad acta zu legen. „Als Prinzengarde müssen wir keine Künstler engagieren, sondern machen alles aus eigener Kraft.“ Daher könne man auch kurzfristiger über Absagen entscheiden. „Unsere Mitglieder möchten aber natürlich schon wissen, ob sie im Oktober in die Proben einsteigen können“, so van der Bloemen. Ein wenig Klarheit braucht es da also schon.

Die hat man aber auch bei der Stadt Kempen noch nicht: „Wir haben noch keine Anträge von den Vereinen“, so Ordnungsdezernent Jörg Geulmann. Weder für Sitzungs- noch Straßenkarneval – für beides gebe es aber entsprechende Hygienekonzepte. Wenn das Gesundheitsamt „einen Haken daran“ mache und das Sicherheitskonzept stimme, dann schaue man sich das als Stadt im Rahmen der geltenden Verordnung an. Man stehe den Vereinen, wie auch im Fall der Martinszüge, jederzeit als Ansprechpartner zur Verfügung, aber: „Es ist alles schon sehr schwer vorstellbar“, so Geulmann. „Die Auflagen sind hoch.“