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Kempen: Schaufeln für das schnelle Netz im Kreis Viersen

Breitband-Ausbau : Schaufeln für das schnelle Netz

Die ländlichen Gebiete des Kreises Viersen sollen nun Glasfaser-Anschlüsse bekommen. Den ersten Spatenstich gab es am Freitag in Unterweiden. Investiert werden 46 Millionen Euro.

So viel hohen Besuch dürfte es rund um das Gerätehaus der Freiwilligen Feuerwehr Unterweiden noch nicht gegeben haben. NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart, Regierungspräsidentin Birgitta Radermacher, Landrat Andreas Coenen, Bürgermeister Volker Rübo sowie zahlreiche Gäste aus Politik und Verwaltung bevölkerten am Freitagnachmittag das Gelände zwischen Kempen und Krefeld – gegenüber der inzwischen geschlossenen Gaststätte Dickerboom. Der Anlass war ein digitaler. Denn in Unterweiden, am Ende der Datenautobahn, starteten der Kreis Viersen und das Unternehmen Deutsche Glasfaser die Vernetzung der unterversorgten Bereiche.

3824 Adressen im Kreis Viersen sollen in den nächsten zwei Jahren den Anschluss ans schnelle Internet bekommen. Davon befinden sich 841 auf Kempener Stadtgebiet. Für diesen Breitbandausbau bekommt der Kreis Viersen eine Fördersumme von 43 Millionen Euro von Bund und Land. Mit diesem Geld und einen weiteren Eigenanteil von drei Millionen Euro wird der Kreis Viersen dafür sorgen, dass die Haushalte, die derzeit über einen Internetanschluss unter 30 MBit pro Sekunde verfügen, künftig mit Glasfaser-Tempo surfen können. Diese werden als „weiße Flecken“ bezeichnet.

„Diese weiße Flecken können wir nun endlich beseitigen“, so Landrat Andreas Coenen. Die digitale Infrastruktur sei ein wichtiger Standortvorteil. Die Lebens- und Arbeitsverhältnisse im ländlichen Raum würden nun deutlich verbessert. Coenen lobte das Engagement der Mitarbeiter im Kreishaus und dankte der Bezirksregierung für die schnelle Bearbeitung. Denn im sechsten Umlauf – „Call“ genannt – des Förderprogramms sei der Kreis Viersen nun bundesweit die erste Kommune, die das Geld ausgeben darf.

Minister lobte das schnelle behördliche Tempo im Kreis

Dass dies keine Selbstverständlichkeit ist, erwähnte Minister Pinkwart. Von der Antragstellung im August 2018 bis zum Spatenstich im Februar 2020 – „das kann sich sehen lassen“. Pinkwart ergänzte, dass sein Heimatkreis (Rhein-Sieg) 2016 begonnen habe und immer noch nicht fertig sei.

Bürgermeister Volker Rübo hob die Bedeutung des schnellen Anschlusses für die ländlichen Bereiche hervor. „Es ist gut, dass nun etwas passiert. Andernfalls würden diese Gebiete im Zeitalter der Digitalisierung nahezu notleidend werden“, so der Bürgermeister.

Breitbandkoordinator Sebastian Cüsters erklärte im Gespräch mit der WZ, dass die Deutsche Glasfaser Erd- und Anschlussarbeiten nun in drei Blöcken im Kreis Viersen durchgeführt werden. Los geht es nun in Kempen, Schwalmtal und Niederkrüchten. Ebenfalls im ersten Block liegen die unterversorgten Gebiete in Grefrath. Die Stadt Willich ist beispielsweise in der zweiten Runde dabei, Tönisvorst in der dritten. Ende 2021 oder Anfang 2022 sollen alle weißen Flecken im Kreis Viersen beseitigt sein. „Genaue Ablaufpläne werden wir jetzt nach und nach auf der Internseite des Kreises Viersen veröffentlichen“, so Cüsters.

Nach den weißen soll es um die grauen Flecken gehen. Das machte Landrat Coenen bereits am Freitag deutlich. Damit sind jene Haushalte gemeint, die zwar über einem Internet-Tempo von 30 MBit pro Sekunde liegen, aber dennoch hinter den eigentlichen Ansprüchen hinterherhinken. „In diesem Zusammenhang blicken wir schon auf die nächsten Förderprogramme“, so Coenen. Minister Pinkwart erwähnte zudem, dass die Landesregierung bis 2025 alle Adressen mit Gigabit versorgen will.

Umgesetzt wird das mit Steuergeld finanzierte Projekt nun vom Ausschreibungsgewinner, der Deutschen Glasfaser. Das Unternehmen aus Borken mit niederländischer Führung hat bereits in einigen Kommunen privatwirtschaftliche Projekte umgesetzt – so in Grefrath. Insgesamt seien in diesen Projekten schon 33 000 Haushalte im Kreis Viersen Kunden der Deutschen Glasfaser geworden, so Geschäftsführer Peter Kamphuis. Die Nachfrage im nun beginnenden Projekt mit 3824 Adressen sei riesig. „40 Prozent haben sich bereits für einen Anschluss entschieden“, sagte Kamphuis. Erfahrungsgemäß erreiche man in diesen Fördermaßnahmen eine 80-Prozent-Quote.

Auch andere Teile von Kempen könnten in Zukunft profitieren

Der Geschäftsführer und Bürgermeister Rübo machten für Kempen deutlich, dass die berechtigte Hoffnung besteht, dass auch andere Bereiche in Zukunft mit viel schnellerem Internet versorgt werden können. Durch den nun folgenden technischen Eingriff in der Stadt sei es im Nachgang einfacher, auch andere Gebiete, die noch über Vectoring-Anschlüsse (Kupfer) der Telekom angebunden sind, mit Glasfaser zu versorgen. Konkrete Pläne hierfür gebe es aber noch nicht.