Kempen: Rücksicht hat Vorfahrt

Kempen: Rücksicht hat Vorfahrt

Neue Schilder sollen zu einem friedlicheren Miteinander von Radlern und Passanten in der Fußgängerzone führen.

Kempen. Rüpelhafte Radfahrer, die im Slalom um Fußgänger herumkurven? Oder rücksichslose Fußgänger, die den Radlern den Weg versperren? Was den Verkehr in der Fußgängerzone angeht, scheiden sich schon seit Jahren die Geister.

"Alle müssen Rücksicht nehmen", betont Ordnungsdezernent Hans Ferber, nicht ohne zu erwähnen, dass diese Straßen eigentlich den Fußgängern gehören und Radfahrer nur geduldet sind.

"Deshalb zeigen die elf neuen Schilder, die in der Altstadt aufgestellt worden sind, auch ein Rad schiebendes Männchen neben zwei Fußgängern- und nicht Passanten, die vor einem Fahrrad zur Seite springen."

Die insgeasamt 2500 Euro teuren blau-weißen Hinweistafeln befinden sich, entweder einzeln oder kombiniert mit den bekannten Fußgängerzonen-Schildern, überall dort, wo man in die Fußgängerzone hineinfahren kann. Sie gehören zur Aktion "Rücksicht hat Vorfahrt", mit der Polizei und Stadt versuchen, Radler und Fußgänger zu einem friedlichen Miteinander zu bewegen.

Als Ergänzung zu Bannern und Aufklebern mit demselben Motiv sollen die Schilder nun permanent an die gegenseitige Rücksichtnahme erinnern.

"Aber wir sind nicht nur präventiv aktiv, sondern verwarnen auch Radler, die deutlich schneller als mit Schrittgeschwindigkeit unterwegs sind", sagt Helmut Anderski, Leiter der Kempener Polizeiwache. 15 Euro kostet das; 20, wenn jemand gefährdet wird. Auch der kommunale Ordnungsdienst soll unterstützend herangezogen werden.

Allerdings darf nicht vergessen werden, dass die Wahrnehmung von Gefahr beim Einkaufsbummel in der Fußgängerzone vor allem auf subjektiver Empfindung beruht. "Laut Statistik ist hier noch kein Kleinkind angefahren worden", beruhigte Umweltreferent Heinz Puster beim Ortstermin.

"Und nur 2,6 Prozent der Fahrradunfälle im Kempener Stadtgebiet finden in der Fußgängerzone statt." Trotzdem wolle man in Zukunft auch darauf achten, dass die Wege nicht allzu sehr von Geschäftsauslagen und Cafétischen verkleinert werden.

Problematisch sei die Stoßzeit gegen Mittag, wenn viele Schüler sich ihren Weg durch die Altstadt bahnen. "Schwarze Schafe gibt es aber in jedem Alter. Gerade erwachsene Radfahrer bewegen sich manchmal wie die Platzhirsche durch die Fußgängerzone", hat Ferber beobachtet. "Wenn bei denen die Hinweisschilder nicht fruchten, holen wir sie runter vom Rad."

Mehr von Westdeutsche Zeitung