1. NRW
  2. Kreis Viersen
  3. Kempen und Grefrath

Kempen: Reaktionen auf Umzugs- und Neubaupläne für Schulen

Kempen: Reaktionen auf Pläne für Schulen : Für und Wider der Schulplanungen

Die Leiter von Gesamtschule und LvD erkennen vor allem die Vorteile von Neubau und „Umzugskarussell“. Das Thomaeum sieht für sich eher Nachteile. Auch bei den Sportvereinen ist die Stimmung gemischt.

Die neuen Pläne der Stadtverwaltung im Projekt Schulcampus sorgen für ordentlich Aufsehen. Wie berichtet, will Bürgermeister Volker Rübo (CDU) dem Stadtrat am Dienstag die favorisierte Idee vorlegen, einen Neubau für die Gesamtschule auf dem Gelände des Ludwig-Jahn-Sportplatzes zu realisieren. Ebenso favorisiert wird der Bau einer Holzkonstruktion für die Gesamt-

schule auf dem Grundstück des Erweiterungsbaus der leerstehenden Hauptschule. Außerdem gehört zum „großen Wurf“ langfristig der Umzug des Luise-von-Duesberg-Gymnasiums (LvD) in bisherige Gebäude der Gesamtschule – nach einer Sanierung versteht sich.

Die komplexe Strategie der Stadt wurde hier nun verkürzt dargestellt. Im Kern gehören diese Aspekte zum Plan. Genauso wie der Neubau eines Kunstrasenplatzes samt Laufbahn im Sportzentrum, Berliner Allee, weil ja der Jahn-Platz aufgegeben werden müsste. Die Politik erfährt die Details am Dienstag. Im Vorfeld sprach die WZ mit denen, die es wirklich angeht. Mit den Vertretern von Schulen und Sportvereinen. Ein Stimmungsbild.

Neubau-Idee in der Gesamtschule positiv aufgenommen

„Ich empfinde eine begründete Zuversicht“, sagt Uwe Hötter, Leiter der Gesamtschule. Seitens der Stadt habe es das klare Signal gegeben, dass dies nun der gangbare Weg sein wird. „Und da ist vor allem der Neubau für die Gesamtschule gut. Wir werden als neue Schule wahrgenommen.“ Im Rahmen eines Elternabends habe er die „Schulfamilie“ über den aktuellen Stand informiert. Und die Reaktionen seien positiv. „Allerdings müssen nun auch Taten folgen“, sagt Hötter. Zu oft seien die geweckten Erwartungen in den vergangenen Jahren nicht erfüllt worden. „Vor allem mit Blick auf die notwendige Lösung im Altbau der Martin-Schule für unsere Oberstufe werde ich eine klare Umsetzung einfordern“, sagt der Direktor.

Umzug für das LvD: Immenser Einschnitt mit einigen Vorteilen

„Ich war überrascht.“ Das war die erste Reaktion von LvD-Leiter Benedikt Waerder, als er Anfang Dezember von Bürgermeister Rübo in die neuesten Ideen eingeweiht wurde. „Nach der Überraschung konnte ich dem Ganzen aber sehr schnell viel Positives abgewinnen“, so Waerder. Ohne Frage wäre ein Umzug für das LvD „ein immenser Einschnitt“. Schließlich bedeute ein Gebäude auch immer ein Stück Identität. Nichtsdestotrotz bringe die neueste Lösung einige Vorteile mit sich. „Vorneweg möchte ich da erwähnen, dass die Belästigung durch eine Sanierung im Bestand nicht da sein wird“, sagt der Schulleiter. Ebenso habe die zeitliche Einteilung Vorteile. Sechs bis zehn Jahre seien eine andere Hausnummer als 13 bis 15 Jahre, so Waerder.

Wie sein Kollege Hötter sieht auch Waerder die Stadt endlich in der Pflicht. „In der Vergangenheit sind wir einfach zu oft enttäuscht worden.“ Daher warte er nun erstmal ab, ob und wie sich die Pläne konkretisieren. Das Kollegium des LvD sei bereits von Waerder über den Stand der Dinge informiert worden. „Auch dort bin ich nicht von Wut und Empörung überrannt worden.“

Thomaeum fürchtet Nachteile
für den Sportunterricht

Für ihr Thomaeum kann Schulleiterin Agnes Regh keine positiven Aspekte durch die Sanierungs- und Neubaumaßnahmen erkennen. Sie habe der Stadtverwaltung einen Alternativvorschlag unterbreitet, der aber laut Stadt nicht realisierbar sei. Wenn es keine anderen Bauplätze für einen Neubau für die Gesamtschule gebe, könne sie das nur akzeptieren, so Regh.

Nachteile für das Thomauem ergeben sich zum Beispiel für den Sportunterricht, der dann nicht mehr auf dem benachbarten Jahn-Platz stattfinden könnte, der mit Naturrasen und schönem Baumbestand ein Schmuckstück sei, sondern auf dem knapp einen Kilometer entfernten Platz an der Berliner Allee. Auch verkehrstechnische Bedenken führt die Schulleiterin ins Feld, wenn die drei weiterführenden Schulen enger zusammenrücken. „Aber ich nehme an, dass der Träger dies im Blick hat“, sagt Agnes Regh. Für den Hol- und Bringverkehr, aber auch die älteren Oberstufenschüler, die selbst mit Autos kommen würden, müsse es Pläne geben.

Die Gebäude des Thomaeums sieht die Schulleiterin stabil im Bau. Es spreche daher nichts dagegen, dass diese als letzte saniert würden. Beim Blick auf den „großen Wurf“ dürften trotzdem nicht die aktuellen Notwendigkeiten aus den Augen verloren werden, sagt Regh. Für das Thomaeum seien das besonders die Themen Elektrik und Digitalisierung.

SV Thomasstadt sieht Chance für den zweiten Kunstrasenplatz

„Wir stehen diesen Ideen sehr offen gegenüber“, sagt Michael Beenen, 2. Vorsitzender des SV Thomasstadt Kempen. Als Fußballer blute einem zunächst mal das Herz, weil der Ludwig-Jahn-Platz so eine lange Tradition hat. „Dass es sich dabei aber um ein exponiertes Grundstück handelt, ist uns schon lange bewusst“, so Beenen. Im Werben um einen zweiten Kunstrasen an der Berliner Allee habe der Vorstand sogar schon mal die Vision vorgeschlagen, aus dem Jahn-Platz etwas anderes machen zu können. „Wenn es nun so kommt, ist das für uns in Ordnung.“

Allerdings müsse die Stadt auch tatsächlich dafür sorgen, dass die Folgen geregelt werden. „Das Projekt auf der Berliner Allee ist für uns und auch für die Leichtathleten der anderen Vereine dringend notwendig“, sagt Michael Beenen. Ebenso müsse bedacht werden, dass die Fußballer derzeit mit Rasen (Ludwig-Jahn) sowie Kunstrasen und Asche (beide Berliner Allee) über drei Plätze verfügen. Künftig wären es dann zwei. „Klar erhält man mit einem Kunstrasen eine Fläche, die häufiger bespielt werden kann als ein Naturrasen“, sagt Beenen. Dennoch stoße der SV Thomasstadt schon jetzt an Kapazitätsgrenzen. Daher sei für die Zukunft ein zusätzliches Kleinspielfeld wünschenswert.

Gehörigen Portion Skepsis
bei der Vereinigten Turnerschaft

Detlev Schürmann, Vorsitzender der Vereinigten Turnerschaft (VT), begegnet den jüngsten Plänen mit einer gehörigen Portion Skepsis. „Diese ist nicht zuletzt den jüngsten Erfahrungen mit der Stadt Kempen und ihren Projekten geschuldet“, sagt Schürmann und zielt in erster Linie auf die gesperrte Jahn-Halle ab, die erst nach Ostern wieder geöffnet werden soll. „Bei so einem Großprojekt im Zusammenhang mit Schulcampus und einem neuen Sportplatz muss gewährleistet sein, dass der Ablauf reibungslos ist“, sagt Schürmann. Aus Sicht der Stadt und der Schulen sei der Ludwig-Jahn-Platz sicher interessant und „keine schlechte Lösung“. Schürmann: „Aus Sicht unseres Vereins muss der Ersatz – ich nenne ihn mal Sportcampus – aber als ersten angegangen und auch fertiggestellt werden. Damit der Übergang für die Sportvereine gewährleistet ist.“

Die Sitzung des Stadtrates mit dem Tagesordnungspunkt Schulcampus beginnt an diesem Dienstag, 21. Januar, um 18 Uhr im Rathaus am Buttermarkt. Die achtseitige Vorlage mit den neuesten Projektideen kann man vorab im Internet einsehen:

kempen.de