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Kempen: Offener Brief an Bürgermeister zu neuem Ferienspaß-Konzept

Offener Brief : „Aus Sicht der Eltern brauchen wir die Flexibilität von heute“

Ein WZ-Leser schreibt einen offenen Brief an Bürgermeister Christoph Dellmans zum Thema: Neues Konzept für den Ferienspaß.

„Sehr geehrter Herr Dellmans,

mit diesem Schreiben nehme ich Bezug auf das Konzept ‚Verbindliche Ferienbetreuungsangebote für Kempener Kinder’. Ich möchte Ihnen dieses aus der Sicht von Eltern mit fast zwei Vollzeitjobs und zwei Kindern darlegen.

Auf der Homepage unsere Stadt ist stolz zu lesen, dass der Ferienspaß seit 1981 ein verlässliches Konzept ist. Mit Erschrecken musste ich das neue Konzept lesen. Die Ist-Situation wird in der Vergangenheitsform beschreiben. Die nächsten Schritte sind geplant. Scheinbar möchte man schnell Nägel mit Köpfen machen. Es wird auf eine Umfrage der aktuellen Bedarfe der Eltern verwiesen. Diese ist mir unbekannt, obwohl wir im Februar 2020 Kinder in zwei Kempener Kitas hatten.

In dem Konzept wird ein erhöhter Betreuungsbedarf prognostiziert. Im Soll-Konzept wird die Betreuung im Sommer hingegen reduziert. Aus sechs Wochen werden drei Wochen. Aus einer Altersgrenze von 13 Jahren werden zwölf Jahre. Die Zeiten ab 14 Uhr werden nun als Randzeitenbetreuung dargestellt. Man spricht von einem Wechselmodell für die Betreuung. Urlaubstage der Eltern richten sich in der Realität nach den unterschiedlichen Schließzeiten der Kitas der Geschwister, nach Werksferien und Monatsabschlüssen in Unternehmen. Urlaubsreisen in den Ferien sind sehr teuer. Mit sinkender Flexibilität irgendwann unbezahlbar.

Bei fehlenden Betreuungsangeboten gibt es in der Regel einen Verlierer: Frauen mit Kindern. In diesem Monat hat das Bundeskabinett einen Gesetzentwurf beschlossen welcher – richtigerwiese – die Mindestanzahl von Frauen in Vorständen festschreibt. Es ist schade, dass die Regionalpolitik genau in die andere Richtung steuert. In den vergangenen Jahren hat sich viel Unmut unter den Eltern in Kempen ergeben. Die Kita-Neubauten sind überfällig. Die Schulen in Kempen wurden seit meiner Schulzeit nicht mehr saniert. Das neue Konzept zur Ferienbetreuung passt gut in diese Reihe.

Aus Sicht der Eltern brauchen wir die Flexibilität von heute. Für die Kinder ist es schön, die Sommerferienbetreuung durchgängig an einem neutralen Ort im Stadtgebiet von Kempen zu haben. Und es ist gut, über zusätzliche Betreuung in St. Hubert und Tönisberg nachzudenken. Und es ist ebenfalls gut, die OGS-Angebote in Herbst- und Osterferien für alle Grundschüler zu öffnen.

Vor 40 Jahren, als der Ferienspaß ins Leben gerufen wurde war diese Institution ihrer Zeit weit voraus. Daher appeliere ich an Sie als Bürgermeister um den Erhalt des Angebots im bekanten Umfang.“