Altstadt-Geflüster : Kempens Handball-Pionierinnen erinnern sich

Vor rund 50 Jahren wagten sich die ersten Kempenerinnen an den Handball-Sport. Darüber wurde nun im Restaurant Ela gesprochen. Dies und mehr im Altstadt-Geflüster.

Dass Kempen eine Hochburg des Damen-Handballs ist, kann man an dieser Stelle mal mit Fug und Recht behaupten. Ein Beleg dafür ist Anna Loerper. Die aus Kempen stammende 246-fache Nationalspielerin sorgt derzeit immer noch in der Bundesliga bei der SG Bietigheim für Furore. Und auch in Kempen selbst standen die Damen mal ganz kurz vor dem (Halb)-Profi-Dasein. Es war 2010, als der Aufstieg der Vereinigten Turnerschaft (VT) in die 2. Bundesliga nur aus finanziellen Gründen gestoppt wurde. Wie das mit den Frauen und dem Handball in der Thomasstadt alles mal angefangen hat, wissen aber bestimmt nur die wenigsten. Wer aber zufällig am Mittwochabend im Restaurant Ela gewesen ist, dürfte die eine oder andere Anekdote zu diesem Thema mitbekommen haben. An der Ellenstraße trafen sich nämlich die Gründerinnen der VT-Damen-Handballabteilung, die 1971 in ihre erste Saison gegangen war.

2021 soll gefeiert werden

„Nach langer Zeit haben wir uns endlich mal wieder gesehen“, berichtet Maren Stedry, die zu den Handball-Pionierinnen gehört. Aus gutem Grund: Denn 2021 wollen die Frauen das 50-jährige Bestehen in ihrem Kreise feiern. Das Treffen in dieser Woche war unter anderem ein Anstoß – Pardon: Anwurf –, um in die Planungen einzusteigen. „Begonnen hat vor 48 Jahren alles in der Kneipe, Am Werthchen“, sagt Stedry. Eine Gruppe von Frauen, deren Männer allesamt Handballer waren, sagte sich: „Was die können, können wir auch.“ Stedry erinnert sich, dass aus einer Bierlaune heraus noch in der Kneipe die ersten Bälle geworfen wurden. „Aber danach haben wir das dann ernsthaft verfolgt.“ Eine große Hilfe war am Anfang die Kempener Handball-Legende Heinz Wick, nach dem heute ein großes Jugendturnier der VT benannt ist. Wick übernahm das Traineramt und zog im „Vereinsspiegel“ 1971 eine erste Bilanz: „Es ist eine Freude zu sehen, mit welchem Fleiß und welcher Begeisterung alle bei der Sache sind. Gilt es doch, die Handballregeln zu studieren, die Kondition zu erstellen, den Handball zu meistern und zum Schluss eine Gemeinschaft erwachsen zu lassen.“ 24 Mädchen und Damen seien zum Start dabei gewesen. Nach Wick fungierte übrigens Wolfram Holler als Trainer.

Im „Ela“ soll’s laut gewesen sein

Los ging es damals sowohl auf dem Kleinfeld draußen als auch in der Halle, erinnert sich Maren Stedry. Schnell wuchs die Begeisterung und das Können – so stellten sich erste Aufstiege ein. „Es war einfach eine tolle Zeit, an die wir uns gerne erinnern“, sagt Stedry. Und so stand der Abend im Restaurant Ela auch unter dem Motto eines Rückblicks. Mit dabei war sogar ein Ball und auch ein Trikot aus der Anfangszeit. „Es wurde viel gelacht und zum Teil geschrien“, berichtet ein Augen- und Ohrenzeuge, der nicht genannt werden möchte. Die Frauen der ersten Stunde blicken aber nicht nur zurück. Sie interessieren sich auch sehr für den Kempener Damen-Handball der Gegenwart. Insbesondere in die Spielerinnen der A-Jugend, die in der vergangenen Saison um die Westdeutsche Meisterschaft gekämpft hat, setzt die VT große Hoffnungen. Maren Stedry: „Wir werden es beobachten.“

Thomasstraße: Ampel ist da

Neu im Stadtbild ist seit Anfang dieser Woche eine Baustellenampel. Wie berichtet, laufen die vorbereitenden Arbeiten für den Abriss des Burg-Cafés an der Thomasstraße. Weil diese Baustelle ihren Platz braucht, ist ab der Kurve zur Burgstraße nur eine Fahrspur befahrbar. Und da keiner um die Ecke gucken kann, musste die Ampel her. Wie lange das sein muss, ist nach Angaben der Stadt offen. Insgesamt sind für den Abriss der Immobilie und den anschließenden Neubau eines Wohn- und Geschäftshauses zwölf Monate eingeplant.

Keine Tafel am Rathaus

An das Fest zum 725-jährigen Bestehen der Stadt vor zwei Wochen erinnern wir uns alle noch gerne. Für eine andauernde und sichtbare Erinnerung reicht die Freude über die gelungene Geburtstagsparty aber dann doch nicht. Das wurde im Haupt- und Finanzausschuss am Dienstag deutlich. Auf der Tagesordnung stand ein Antrag des fraktionslosen Ratsherrn Jeyaratnam Caniceus. Dieser wünschte sich eine Erinnerungstafel zum 725-jährigen Bestehen am Rathaus. Diese Tafel befand sich in Zusammenarbeit mit dem Historiker Hans Kaiser sogar schon in der Entwurfsphase. Umgesetzt wird das Projekt aber nicht. Der Hauptausschuss schloss sich der Verwaltungsmeinung an, dass das 725-Jährige nicht in diesem Maße gewürdigt werden sollte. Aus Sicht der Verwaltung war das 700-Jährige und wird das 750-Jährige wesentlich bedeutender sein. Wer weiß, vielleicht hat die Tafel dann in 25 Jahren eine Chance. Und das ist sicher auch das Rathaus am Buttermarkt saniert. Ganz bestimmt.

Konzert am Sonntag

„Musik ohne Grenzen“ bietet ein Benefizkonzert, zu dem das Multi-kulturelle Forum am morgigen Sonntag um 15.30 Uhr als Höhepunkt der Interkulturellen Woche in die Christ-König-Kirche am Concordienplatz einlädt. Angekündigt wird ein besonderes Hörerlebnis: Eine Verbindung aus indischer und westlicher Musik. Dabei werden zwei Virtuosen mit internationaler Erfahrung mitwirken: Die indische Musikerin Echampati Gayathri, Inhaberin mehrerer Ehrendoktorwürden und zahlreicher medialer Auszeichnungen, an der Veena, einem altindischen Zupfinstrument; und der Musikpädagoge Shan Devan aus Sri Lanka, durch zahlreiche Radio- und Fernsehauftritte bekannt, an der Tabla, einem Duo nordindischer Kesseltrommeln. Als Huldigung an den Veranstaltungsort wird zu Beginn das Lied vom St. Martin erklingen, am Schluss wird die Europa-Hymne stehen. Der Eintritt ist frei. Spenden gehen an das Kempener „Haus der Sonne“, das armen Menschen in Kamerun hilft, und an das Straßenkinder-Haus „Arbol“ in Equador. Die Kirche ist ab 15 Uhr zum Einlass geöffnet.

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