Altstadt-Geflüster : Ein Stück Kneipen-Geschichte nur noch ein Trümmerhaufen

Der Abriss des Lokals „Zur Alten Wache“ ist schon weit fortgeschritten. Außerdem geht’s im Geflüster um den neuen Leutnant.

Über Abrissbagger und andere Baustellen-Geräte hat der Flüsterer bereits in der vergangenen Woche berichtet. Seit einigen Tagen kracht und staubt es an einer weiteren Ecke unweit der Kempener Altstadt. Konkret geht es um die Gebäude an der Kerkener Straße 7 und 9. Vor allem letztere Adresse war in Kempen über Jahrzehnte gastronomisch bekannt. Die Heimat der Kneipe „Zur Alten Wache“ von „Rolli“ Wilmen und später des Lokals „Zum Bergwirt“ von Markus Berg ist abgerissen worden. Die Maschinen brauchten nur wenige Tage, um die Gemäuer einzureißen, mit denen so viele Kempener sicher die eine oder andere Geschichte verbinden. Der Grund für den Abriss ist ebenso bekannt wie simpel: Der Bauträger Milike hat das Gelände gekauft und will dort einen Neubau mit Wohnungen errichten. Acht Wohnungen sollen entstehen, dazu 23 Stellplätze in einer Tiefgarage und oberirdisch.

Die traurige Prinzengarde

Was die freut, die dort wohnen werden bzw. mit den Wohnungen Geld verdienen, stimmt einige Kempener auch traurig. Allen voran die Mitglieder der Prinzengarde, die dort früher ihr Vereinslokal hatten. „Traurig“ postete die Garde bei Facebook ein Abriss-Bild und alte Fotos von Feiern aus den vergangenen Jahrzehnten.

Bauer Funken wird Ehrenleutnant

In den Reihen der Prinzengarde herrscht aber nicht nur Trauer, sondern auch große Freude. Denn am Freitagabend konnte der Vorsitzende Peter van der Bloemen einen neuen Ehrenleutnant präsentieren. Im Rahmen des traditionellen Sommer-Treffs der Ehrenleutnants-Riege auf dem Hof von „Jüppi“ Trienekens lüftete van der Bloemen das Geheimnis: Georg Funken, in Kempen und darüber hinaus besser bekannt als „Bauer Funken“, wird der nächste Ehrenleutnant. Der 66-Jährige ist Nachfolger von Landwirt Peter Josef Coenen und wird am 18. Januar im Kolpinghaus beim Uniform- und Regimentsappell der Prinzengarde in Amt und Würden eingeführt. „Seine Verbundenheit mit Kempen sowie sein Herz und seine Unterstützung für den Karneval waren für uns ausschlaggebend, Georg Funken zum Ehrenleutnant zu ernennen. Wir schätzen seinen Humor und seine sympathische Art“, sagt Peter van der Bloemen.

Firma mit 250 Mitarbeitern

Georg Funken wuchs auf dem Dröneshof in der Scheifeshütte zwischen Kempen und St. Hubert auf. Nach seiner Ausbildung in der Landwirtschaft lernte er bei dem Verpächter des elterlichen Bauernhofes einen Amerikaner kennen, der ihn in die USA einlud. Er machte sich auf den Weg über den großen Teich. Dort gefiel es ihm so gut, dass er daran dachte, dort ansässig zu werden. Als er allerdings sein Visum zum zweiten Mal verlängern wollte, stand sein Vater plötzlich auf der Matte, um ihn wieder an den Niederrhein zu holen. 1973 kehrte Funken nach Kempen zurück und setzte ab 1980 seine Ideen im Betrieb seines Vaters um. Georg Funken wagte sich an den Anbau von damaligen Exoten wie Brokkoli, Fenchel, Staudensellerie, Zuckermais und bunten Salaten. Ab 1985 folgte die Produktion von küchenfertigen Salaten und Co. 1990 verlegte Funken seine Produktionsstätte vom Dröneshof zum Industriering Ost in die ehemalige Sauerkrautfabrik Kuhlendahl. Das Familienunternehmen beschäftigt heute 250 Mitarbeiter aus 27 Nationen. Seine Frau Ulrike sowie die drei Kinder Johanna (35), Eva (33) und Sebastian (31) sind nach Ausbildung und Studium in verschiedenen Bereichen des Kempener Unternehmens in leitender Funktion tätig.

Aktiv in der Garde-Laufgruppe

Seine Freizeit nutzt Georg Funken gerne zur Bewegung. Er gehört der Laufgruppe der Kempener Prinzengarde an und absolvierte 2017 in Venlo seinen ersten Zehn-Kilometer-Lauf. „Ich feiere auch sehr gerne Karneval, allerdings ist es mir zeitlich leider nicht möglich in einem Verein aktiv zu sein. Umso mehr freue ich mich über die Auszeichnung der Prinzengarde. Ich kenne viele Ehrenleutnants und war auch schon mal beim Uniformappell. Das ist eine tolle Veranstaltung“, sagt Georg Funken.

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