Kunst in Kempen Neue Ausstellung in der Ateliergalerie dreivier

Kempen · In ihrer Ateliergalerie dreivier zeigt Ingrid Filipczyk bis zum 26. Oktober Arbeiten, die besondere „Durchsichten“ in den Mittelpunkt stellen. Fenster haben es der Künstlerin angetan.

 Ingrid Filipczyk führt ihre Ateliergalerie dreivier an der Moosgasse in der Kempener Innenstadt.

Ingrid Filipczyk führt ihre Ateliergalerie dreivier an der Moosgasse in der Kempener Innenstadt.

Foto: Norbert Prümen

(b-r) In dem kleinen Vorraum zur Ateliergalerie dreivier in Kempen erwartet den Gast ein aufmerksam blickendes einzelnes Auge. Es ist das von Ingrid Filipczyk, eine Irisfotografie, die die Iris bis in die kleinsten Details zeigt und sie wie einen Wolkenhimmel wirken lässt. Das Foto gehört zu der Serie der fotografischen Tagebücher. „Das Auge ist das Fenster zur Seele“, zitiert Ingrid Filipczyk Leonardo da Vinci.

Ingrid Filipczyk ist
fasziniert von Fenstern

Die Kempener Künstlerin ist fasziniert von Fenstern. Ein Fenster kann aber auch so viel: Es liegt auf der Schnittstelle zwischen der öffentlichen und der privaten Welt, es gestattet den Blick von drinnen nach draußen und umgekehrt. Es kann durch den begrenzten Ausschnitt den Blick fokussieren. Gemälde wirken durch ihre Rahmen wie Fenster mit einer gezielten und gewollten Aussicht. Neu zeigt Ingrid Filipczyk nun in ihrer Ateliergalerie dreivier in Kempen die Ausstellung „Durchsichten“ mit Fenstermotiven von 2006 bis 2024.

Es sind auch einige klassische Fensterbilder, die Filipczyk in Fotografien zeigt: US-amerikanische Wolkenkratzer mit ihren unendlich scheinenden Reihen von rechteckigen Fenstern, in denen sich die Außenwelt spiegelt. Aber in der Hauptsache zeigt die Künstlerin den Variantenreichtum, den das Spiel mit dem Ausschnitt, der Durchsicht bietet.

Die achtteilige „Interferenz“ genannte Serie von 2006 beispielsweise: Zwei Acrylglasplatten werden bemalt. Eine erhält ein rotes und ein grünes Rechteck, die beiden übrigen entstehenden Vierecke werden weiß bemalt. Auch die zweite Platte bekommt zwei Rechtecke in den Komplementärfarben rot und grün, der Rest allerdings bleibt transparent. Nun überlagert die Künstlerin die gegeneinander gedrehten Scheiben fast schwebend: Eine neue Durchsicht entsteht. Die Anordnung der Flächen erfolgt – wie so oft in Filipczyks Arbeiten – nach dem goldenen Schnitt, ein Proportionsverhältnis, das in der Kunst und der Natur vorkommt und eine gute Harmonie mit sich bringt.

„Soweit zu minimalisieren, bis kaum noch etwas da ist und trotzdem eine Aussage gemacht werden kann“, das begeistert die Künstlerin. Die „Folgen“ legen beredtes Zeugnis davon ab. In sieben Blättern breitet sich ein größer werdendes Viereck, ausgeschnitten aus festem Karton und hinterlegt mit transparentem Papier, auf jedem Folgeblatt größer aus, bis das siebte nur noch aus Transparentpapier besteht. Die Arbeiten entwickeln einen höchst meditativen Charakter. Sie sind von großer mathematischer und technischer Präzision und überzeugender Ästhetik.

Die Ausstellung „Durchsichten“ in der Ateliergalerie dreivier an der Moosgasse 9 in Kempen ist bis zum 26. Oktober donnerstags und freitags von 15 bis 18 Uhr, samstags von 11 bis 14 Uhr geöffnet.

(b-r)