Ehrenamtlicher Einsatz für die German Doctors Mit der rollenden Klinik durch Indiens Dörfer

Kempen · Dr. Winand Lange aus Kempen-St. Hubert bereitet sich aktuell auf den vierten ehrenamtlichen Einsatz in Indien vor.

 Prof. Dr. Winand Lange aus St. Hubert fliegt im Januar wieder nach Indien und wird dort für die ärztliche Hilfsorganisation German Doctors im Einsatz sein. Sie bilden Medizinisches Personal aus und leisten Hilfe.

Prof. Dr. Winand Lange aus St. Hubert fliegt im Januar wieder nach Indien und wird dort für die ärztliche Hilfsorganisation German Doctors im Einsatz sein. Sie bilden Medizinisches Personal aus und leisten Hilfe.

Foto: Norbert Prümen

Im Januar packt Prof. Dr. Winand Lange wieder seine Koffer. Er packt Mückenspray in größerer Menge ein, eine spezielle Tropenbekleidung mit eingewebtem Mückenschutz – und natürlich die weißen Polohemden mit dem grünen Logo der German Doctors. Der Mediziner aus Kempen-St. Hubert engagiert sich ehrenamtlich bei German Doctors, einer Organisation von Ärzten, die weltweit medizinische Hilfe bieten und Gesundheitskräfte vor Ort ausbilden.

Für Lange ist es der vierte Einsatz. 2021 war er in Chittagong in Bangladesch. Ein Jahr später ging es nach Kilifi in Kenia, Anfang dieses Jahres war er im Sundarbans-Delta in Indien. Nun geht es im Januar erneut nach Indien, und zwar für sechs Wochen. Diesmal ist Jhargram, rund vier Autostunden westlich von Kalkutta gelegen, das Ziel. „Es handelt sich dort um ein ganz neues Projekt, bei dem derzeit die ersten deutschen Ärzte vor Ort sind. Eine Partnerorganisation in Jhargram hat entsprechende Vorarbeit geleistet, um den Menschen die erste Scheu vor dem Gesundheitsangebot zu nehmen“, sagt Lange.

Eigentlich wollte der 66-Jährige im Mai 2024 im Rahmen von German Doctors auf die Philippinen fliegen, aber „ich hatte bei meiner Bewerbung angegeben, dass ich flexibel bin“, berichtet Lange. Als nun Ende August Termine für das neue Projekt in Jhargram vergeben wurden, sprach man Lange an. Normalerweise haben die ehrenamtlich agierenden Ärzte eine Vorlaufzeit von einem Dreivierteljahr, um entsprechend planen zu können. Für das neue Projekt wurde nun schneller gesucht.

Lange musste nicht lange überlegen. Er entschied sich für Indien, zumal es sich wieder um ein Projekt handelt, bei dem gleichzeitig auch Gesundheitshelfer mit ausgebildet werden. „Das ist Hilfe zur Selbsthilfe, die ich sehr schätze. Die German Doctors geben Kenntnisse an die Menschen vor Ort und versetzen sie in die Lage, in einem bestimmten Rahmen selber tätig zu werden, wozu neben einfachen medizinischen Kenntnissen auch Hygiene und Ernährung gehören. Die Gesundheitsversorgung wird angehoben, und im Idealfall brauchen sie uns nicht mehr“, sagt der Hämatologe und Onkologe.

In Jhargram werden Lange und ein weiterer Mediziner an fünf Tagen der Woche mit der „Rolling Clinic“, der rollenden Klinik, unterwegs sein, in der alles untergebracht ist, was für die Behandlungen vonnöten ist. „Uns stehen rund 80 Medikamente zur Verfügung. Allesamt Medikamente, die im Land zu haben sind. Es bringt nicht viel, wenn wir mit Mitteln behandeln, die die Menschen danach nicht erhalten können. Es sind oftmals Medikamente, die auf Dauer gegeben werden müssen, wie beispielsweise bei Bluthochdruck, Diabetes oder Asthma“, sagt Lange.

Die Behandlung findet
an zwei Orten statt

Im VW-Bus ist ein achtköpfiges Team unterwegs, bestehend aus zwei Ärzten, einem Apotheker, einem Übersetzer, einem Fahrer und Helfern. An jedem Arbeitstag geht es zu zwei Standorten. Das Team fährt Dörfer im ländlichen Bereich an, behandelt in Räumen, die in den Orten zur Verfügung stehen. „Wir bauen einen Tisch und Stühle auf, trennen zwei Behandlungsbereiche mit einer Wäscheleine und Vorhang ab, dann geht es los“, sagt Lange.

Am 5. Januar fliegt der St. Huberter von Düsseldorf aus los. Über Mumbai geht es nach Kalkutta, wo sich eine vierstündige Autofahrt anschließt. Der St. Huberter wird die ersten drei Wochen mit einem Kollegen aus Berlin unterwegs sein, der zuvor schon drei Wochen da ist und ihn einarbeitet. Danach arbeitet Lange mit einer neu dazukommenden Ärztin zusammen, die er wiederum einarbeitet, bevor er am 10. Februar wieder nach Hause fliegt.

„Im Berufsleben hätte ich solche sechswöchigen Einsätze nicht machen können. Jetzt kann ich es. Ich gehe immer wieder gerne in den ehrenamtlichen Einsatz für die German Doctors. Wobei meine Familie hinter mir steht, sonst ginge das gar nicht“, sagt Lange. In Zoom-Meetings liefen schon die ersten Vorbereitungen, durch die German Doctors fühlt sich Lange gut vorbereitet. Jetzt ist er gespannt auf das, was ihn in den abgelegenen Orten erwartet.

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