Kempen: Kommentar zur Zeit nach dem Dezernenten Michael Klee

Meinung : Die CDU steht unter Druck

Die Suche nach einem Nachfolger für Michael Klee wird schwierig. Eine längere Vakanz könnte für die CDU an der Wahlurne zu einem großen Problem werden. Ein Kommentar von WZ-Redaktionsleiter Tobias Klingen.

24 Mal Nein, 17 Mal Ja, eine Enthaltung – das ist das nackte Ergebnis nach einer monatelangen Diskussion um den Dezernenten Michael Klee. Diese Diskussion ist sehr hart und in Teilen unwürdig geführt worden. Unwürdig war vor allem die schroffe Attacke des CDU-Fraktionschefs Jochen Herbst in der Ratssitzung am 24. September. Umso wohltuender war die Sitzung am Dienstag. Jochen Herbst hatte ein sachliches Manuskript vorbereitet, das wohl auch mit CDU-Kollegen abgestimmt war. SPD, Grüne und Freie Wähler warben intensiv für Klee. Wobei Grünen-Fraktionschef Joachim Straeten eine allzu rosa-rote Klee-Welt beschrieb. Aber gut.

Gut auch deshalb, weil der FDP-Antrag, die Rednerliste zu schließen, um eine unwürdige Diskussion um eine Person zu verhindern, gekommen ist. Dieser Antrag war keineswegs schäbig und undemokratisch, wie es vonseiten der SPD hieß. Er war legitim, weil die FDP sich in den vergangenen Monaten tatsächlich mit öffentlichen Aussagen zum Thema zurückgehalten hatte.

Nun wird Michael Klee Kempen verlassen. Vor allem deshalb, weil die größte Ratsfraktion in Klee nicht mehr die geeignete Führungskraft sieht. Genau das könnte für die CDU im September 2020 zu einem veritablen Problem an der Wahlurne werden. Denn es besteht durchaus die Möglichkeit, dass die Stadt lange brauchen wird, um die Klee-Position wieder zu besetzen. Für die freien Stellen in Verwaltungen stehen die Bewerber keineswegs Schlange. Zudem ist der Arbeitsplatz Rathaus am Buttermarkt wegen der großen Strukturprobleme mit zusätzlichen Minuspunkten belegt. Hinzu kommt für die Bewerberinnen und Bewerber die offene Flanke, wer denn „mein Chef“ wird, und was dieser mit der Verwaltung so vorhat.

Kurzum: Die Nachfolgesuche wird schwierig und eine längere Vakanz könnte der CDU auf die Füße fallen.

tobias.klingen@wz.de

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