Kempen: Kommentar zum Weggang des Dezernenten Marcus Beyer

Kommentar : Unruhig und instabil

Es dürfte schwierig werden, die Lücke um Technischen Dezernat der Stadt Kempen schnell und adäquat zu schließen.

Wenn eine Fußball-Mannschaft in der Nachspielzeit der ersten Hälfte ein Tor kassiert, sprechen TV-Kommentatoren gerne vom „äußerst ungünstigen Zeitpunkt“. Diese Reporter-Floskel lässt sich sehr gut auf die personelle Lage in der Kempener Verwaltungsspitze übertragen. Denn genau in der Phase, in der mit dem Ersten Beigeordneten Hans Ferber eine tragende Säule das Rathaus verlässt, geht mit Marcus Beyer die nächste. Die Aufgaben eines Technischen Dezernenten lassen sich schlecht auf einen anderen Beigeordneten übertragen. Dazu fehlt eben die technische Expertise. Zudem haben die Herren Geulmann und Klee sowie Bürgermeister Rübo in ihren Bereichen sicher keine Langeweile. Ebenso seien die zahlreichen Vakanzen auf anderen (Amtsleiter)-Posten in Kempen erwähnt.

Um die zukunftsweisenden Projekte für Kempen nicht zu gefährden, muss die Beyer-Lücke schnellstmöglich und adäquat geschlossen werden. Eine schwierige Aufgabe. Schließlich verdient man als Ingenieur in der freien Wirtschaft bei weitem mehr als in der Verwaltung. Nicht nur deshalb laufen der Stadt Kempen die guten Arbeitskräfte nicht mal eben so zu. Auch die Außendarstellung von Verwaltung und Politik in den vergangenen Monaten – zum Beispiel die in weiten Teilen unfaire Debatte um Michael Klee – dürfte keine Werbung für einen Arbeitsplatz im Rathaus gewesen sein. Und dann gibt es ja im Herbst 2020 eine Kommunalwahl. Der eigentlich schon laufende Wahlkampf sorgt bei der Kandidatenauswahl keineswegs für Ruhe und Stabilität.

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