Kempen: Kommentar zu den Planungsproblemen in Sachen Schule

Meinung : Zeit für Prioritäten

Die Gesamtschule braucht mehr Platz und muss den nächsten Schlag hinnehmen. Ein Kommentar von WZ-Redaktionsleiter Tobias Klingen.

Nun bastelt die Stadt in Sachen Gesamtschule an einer Interims-Lösung für die Interims-Lösung. Dieser Satz reicht schon aus, um die planerischen Bemühungen der Verwaltung zu beschreiben. Schulleiter Hötter hat völlig Recht damit, dass diese Vorgänge nicht zu vermitteln sind. Dass der Planungsprozess laut Bürgermeister Rübo „nicht gut gelaufen“ ist, ist eine Untertreibung. Die Stadtspitze hat das Thema Raumbedarf, das spätestens seit Einführung der Gesamtschule 2014 auf der Agenda steht, aufgeschoben – und zwar bis 2017. Und dann hat man sich auf ein Gutachten verlassen, das inzwischen ins Reich der Fabeln verwiesen wurde. Im Rathaus gab es zum Thema Schulsanierung über Jahre keine klare Richtungsentscheidung. Dies liegt in der Verantwortung des Bürgermeisters und der zuständigen Dezernenten. Sie müssen die Richtung vorgeben, an der sich die verantwortlichen Mitarbeiter orientieren können.

Auch die Vertreter der Ratsfraktionen haben bei der Zukunftsplanung der viel zitierten „Schulstadt Kempen“ bislang keine Meisterleistung abgeliefert. Zunächst gar nicht und dann zu zaghaft hat die Politik Lösungen eingefordert. Die Politiker haben sich auf die Verwaltung verlassen. Stattdessen hätten sie eher auf die vereinzelten Hinweise aus den Schulen hören sollen.

„Hätte, hätte, Fahrradkette“ – nun stecken die Beteiligten im Schlamassel, aus dem sie nur gemeinsam herauskommen können. Wahlkampfträchtige Aussagen der Politik und beschwichtigendes Lamentieren der Verwaltung helfen nun keinem weiter. Zumal die Liste der Probleme nicht im Schulsektor endet. So geht sie beispielsweise in den personellen und baulichen Bereichen der Kitas weiter. Daher muss die Stadtspitze um Bürgermeister Rübo sofort eine Prioritätenliste für die kommenden Monate aufstellen. Einige Projekte können so umgesetzt werden, andere eben nicht. Diese Liste muss von der Politik getragen und deren Umsetzung kontrolliert werden. Es bleibt keine Zeit, um auf die neuen Mehrheitsverhältnisse nach Herbst 2020 und einen neuen Bürgermeister zu warten.

tobias.klingen@wz.de

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