Kempen: Keiner will die Interims-Kita in St.Hubert bauen

Probleme in Kempen : Interims-Kita rückt in weite Ferne

Für das Projekt in St. Hubert hat keine einzige Baufirma ein Angebot abgegeben. Das Verfahren der Ausschreibung musste erfolglos beendet werden.

Die ungewöhnliche Geschichte zur Errichtung einer sogenannten Interims-Kita in St. Hubert ist um ein weiteres Kapitel reicher. Inzwischen scheint es mehr als fraglich zu sein, ob die vorübergehende Einrichtung mit fünf Kita-Gruppen überhaupt noch gebaut wird. Auf Anfrage erhielt die WZ ein Schreiben von Dezernent Michael Klee an die Eltern, das am Montag auf den Postweg gegangen ist. Darin steht, dass auf eine Ausschreibung der Stadt keine Baufirma ein entsprechendes Angebot gemacht hat. „Obwohl mehrere Firmen im Vorfeld Interesse an einem entsprechendem Auftrag geäußert haben, sind keine Angebote von den Firmen eingegangen, so dass das Ausschreibungsverfahren erfolglos beendet werden musste“, heißt es in dem Brief von Klee. Diese Entwicklung sei so nicht vorhersehbar gewesen.

Verzögerungen wurden
schon im März eingeräumt

Bereits im März musste die Verwaltungsspitze Verzögerungen bei den Planungen für die Interims-Kita eingestehen. Auf Nachfrage wurde den Medien damals mitgteteilt, dass die Kita, die in Modulbauweise entstehen soll, nicht zum geplanten Termin (1. August) an den Start gehen kann. Stattdessen wurde eine Eröffnung im Oktober oder November ins Auge gefasst. Konkrete Gründe wurden damals nicht genannt. Und kurz vor diesem Eingeständnis der Verzögerungen hatte Bürgermeister Volker Rübo die Probleme mit der Interims-Kita in der März-Ratssitzung nicht thematisiert. Obwohl er zu diesem Thema eine Sondersitzung ankündigte – ohne einen konkreten Grund zu nennen.

Mitte April hieß es dann aus dem Rathaus, dass die Vorbereitungen auf Hochtouren laufen. Ende September sollten die Fertigbauteile für den neuen Kindergarten montiert sein, danach Restarbeiten im Innenausbau und die Gestaltung der Außenanlage folgen. Alles weitere hinge von den Angeboten der Firmen ab, so Stadtsprecher Christoph Dellmans damals auf Anfrage der WZ.

Nun gibt es also keine Angebote. Um diesem Missstand gegenzusteuern, hat die Verwaltung nach eigenen Angaben direkt Kontakt mit Anbietern aufgenommen. So steht es im Brief an die Eltern. Mit dem Ziel, eine möglichst zeitnahe Errichtung und Anmietung für den Übergangsbau zu erreichen. Von dem einst erwähnten Eröffnungsdatum im Oktober oder November ist aber nun keine Rede mehr. „Derzeit lässt sich aber nicht mit ausreichender Sicherheit ein Datum für die Fertigstellung und die Aufnahme des Kita-Betriebes bestimmen“, schreibt Klee. Die Bauverwaltung arbeite mit Hochdruck an einer schnellen Realisierung. Um einen schnellen Start nach Fertigstellung des Baus zu ermöglichen, sei das erforderliche Personal bereits zum 1. August eingestellt worden.

Unter anderem die Verzögerungen bei der Interims-Kita hatten im Frühjahr dazu geführt, dass die Stadt Kempen nicht allen Eltern einen Betrreuungsplatz für ihre Kinder anbieten konnte. Ohne die Übergangslösung fehlen der Stadt etwa 50 bis 60 Plätze. Unter anderem durch zulässige Überbelegungen in anderen Kitas gelang es dann aber doch, den Rechtsanspruch im Ü3-Bereich zu erfüllen. Für Eltern von Kindern unter drei Jahren kann die Stadt Alternativen in der Tagespflege anbieten. Dieses Angebot erneuert Klee nun auch im aktuellen Brief. Im Jugendamt berät Katharina Terhoeven zu diesem Thema. Sie ist unter Tel. 02152/9173064 zu erreichen.

Der Entschluss zur Interims-Kita war getroffen worden, um die Zeit bis zum Sommer 2020/21 überbrücken zu können. Dann will die Stadt zwei neue Kindertagesstätten in Kempen am Schmeddersweg und in St. Hubert an der Bendenstraße eröffnen. Wie die Planungen für diese Projekte laufen, ist bislang offen. Auf weitere Details zum aktuellen Sachstand in Sachen Interims-Kita will Dezernent Klee am heutigen Dienstag in der Sitzung des Jugendhilfeausschusses eingehen. Die Sitzung beginnt um 18 Uhr im Rathaus am Buttermarkt.

kempen.de

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