Kempen: Jüdischer Friedhof - Gräber mit Gefühl saniert

Kempen: Jüdischer Friedhof - Gräber mit Gefühl saniert

Die teils desolaten Ruhestätten wurden restauriert und das Gelände verschönert.

Kempen. Der jüdische Friedhof kann sich nun der Zukunft stellen: Nachdem der Kempener Steinmetz Manfred Messing die Grabmale am Grünkesweg monatelang saniert hatte, präsentierte er am Donnerstag seine Arbeit.

"Wenn ich an den ersten Termin hier zurückdenke, kommt mir der desolate Zustand wieder in Erinnerung", erzählt Wilfried Johnen, Geschäftsführer des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden von Nordrhein.

"Einige Grabsteine hätten sicher die nächsten Jahre wegen Frost- und Wasserschäden nicht überstanden - kaum zu glauben, dass das Ganze erst ein Jahr her ist."

Alles hat nun seine Ordnung: Grabmäler wurden behutsam und im Sinne des Judentums gereinigt und gesichert. "Viele Platten waren stark mit Moosen bewachsen, das musste erst weg", berichtet Messing. "Wir haben aber keine ästhetischen Veränderungen vorgenommen, sondern es dabei belassen, wenn der Zahn der Zeit schon genagt hatte."

Durch Abklopfen erfuhren der Steinmetz und seine Mitarbeiter, ob der Stein in Ordnung war oder sich Hohlräume darin befanden. "Wir haben die Inschriften nicht nachgeschliffen- das ist nicht im Sinne der jüdischen Kultur."

Auch die Standsicherheit der massigen Objekte war ein Thema: "Früher war es zu gefährlich, Leute hier durch zu führen, da es stets eine Umfall-Gefahr gab", erzählt Messing. Das ist nicht mehr der Fall.

"Uns war es ein Anliegen, dass wir hier ein Stück dessen erhalten, was Kempener Geschichte ist", sagt Bürgermeister Karl Hensel. Ihm sei es wichtig, das Vergangene auch den kommenden Generationen zu vermitteln - "gerade jetzt, wo wir uns in einem gesellschaftlichen Umbruchprozess befinden".

Neben den Grabstätten wurde auch der Rest des Geländes verbessert. Der Eingangsbereich ist mit einem kleinen Platz, Stufen und einer Pflegezufahrt umgestaltet worden. Zudem wird der Friedhof nun von Stabgitterzäunen gesäumt.

Am Eingang erklärt eine Tafel den geschichtlichen Hintergrund. Die Kosten der Grabsteinkonservierung betragen 25000 Euro. 60 Prozent davon kommen vom Land NRW. Für die Umgestaltung des Eingangs zahlte die Stadt 40000 Euro.

Ulrich Stevens, Hauptkonservator vom Amt für Denkmalpflege Rheinland, vergleicht seine Eindrücke mit einem Foto von 2005. "Die Sanierung ist gut gelungen - man kann sagen, dass die Spuren der Geschichte nicht beseitigt worden sind."

Bis die Kempener sich dort umsehen können, dauert es noch: Am Tag des offenen Friedhofs, 23. August, an dem auch das 200-jährige Bestehen der Ruhestätte gefeiert wird, öffnen sich die Pforten. Manfred Messing wird dann über den Friedhof führen, Vertreter vom Landesverband der Jüdischen Gemeinden sind für Gespräche bereit und die Stadt wird in einer Ausstellung über die Sanierung informieren.