Kinder-Betreuung : Kempen: Hin und Her im Kita-Land

Die geplante Interims-Kita ist vom Tisch. Bei den Neubauvorhaben sind kaum Fortschritte erkennbar. Zudem gibt es wie in anderen Kommunen Personalprobleme. Eine Bestandsaufnahme in Kempen.

Das neue Kindergarten-Jahr ist sieben Wochen alt. Aber Ruhe kommt in Sachen Kita-Planung nicht auf. Mittlerweile steht fest: Die Interims-Kita in St. Hubert wird es nicht geben. Das bestätigte der zuständige Dezernent und kommissarische Jugendamtsleiter Michael Klee auf WZ-Nachfrage. Auf eine erste Ausschreibung hatte sich kein Unternehmen gemeldet, das die Übergangslösung bauen würde. In einer zweiten Ausschreibung habe es ein Angebot gegeben, dass so teuer gewesen sei, dass es unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten für die maximal zwei Jahre geplante Übergangseinrichtung einfach nicht akzeptabel gewesen sei.

Zunächst sollte das Provisorium auf der Grünfläche an der Stendener Straße in der Nachbarschaft zu Forum und Grundschule zum 1. August an den Start gehen, dann hieß es im November. Dort sollten zwischen 50 und 60 Kindergartenplätze entstehen. Daraus wird nun nichts.

„Es ist aber kein Kind unversorgt“, betont Michael Klee. Man habe die Eltern, deren Kinder diese Interims-Kita besuchen sollten, zum Gespräch eingeladen. Einige hätten auf einen Betreuungsplatz verzichtet, andere seien auf eine Großtagespflege umgeschwenkt.

In den bestehenden Kitas gibt es Überbelegungen, um alle Kinder betreuen zu können. Zudem wurde eine Notgruppe eingerichtet, die als Außenstelle der Kita Hoppetosse im Jugendheim Campus am Spülwall untergebracht ist.

Personalverschiebungen
wurden laut Klee notwendig

Auch in Sachen Personal ist die Dynamik groß. Jede Woche kann schon wieder anders aussehen als die vorherige, schildert Klee. Für die Interims-Kita waren bereits vier Erzieherinnen eingestellt worden. Es bestand also die Hoffnung, dass sich durch diese zusätzlichen Kräfte die Personalsituation in den städtischen Kitas entspannen würde. Krankheitsbedingte Ausfälle machten aber einen Strich durch die Rechnung. Besonders in der Kindertagesstätte Schlösschen in Tönisberg zeigten sich Eltern gegenüber der WZ sehr verärgert über die unbesetzten Stellen in ihrer Einrichtung.

„In den Kitas Bärenstark, Tabaluga und Schlösschen mussten wir reagieren“, erklärt Klee. Die Stadt Kempen bemüht sich um einen Betreuungsschlüssel nach dem sogenannten zweiten Wert nach dem Kinderbildungsgesetz (Kibiz). In diesen drei Kitas näherte man sich nach Ausfällen aber dem ersten Kibiz-Wert, also dem Mindeststandard, an. Daher mussten Kräfte aus anderen städtischen Kitas dort aushelfen. Außerdem hat die Stadt sogenannte Springerkräfte für solche Situationen, sagt Klee: „Wir möchten alle Kitas annähernd auf dem gleichen Wert halten.“ Den ersten Wert unterschreite man in keiner Kita.

In der Kita Schlösschen kam erschwerend hinzu, dass die gerade erst neue Leiterin schon wieder gekündigt hat, wie Klee bestätigt. Da man aber bereits eine neue Einrichtungsleitung für die Interims-Kita eingestellt habe, könne diese nun bereits in der nächsten Woche die frei gewordene Stelle übernehmen.

Unterdessen gehen die Planungen für die zwei neuen Kitas weiter, die die Stadt am liebsten zum 1. August 2020 in Betrieb nehmen möchte. Die neuen Einrichtungen sollen in Kempen am Schmeddersweg und in St. Hubert an der Bendenstraße mit jeweils sechs bis sieben Gruppen gebaut werden. Eine der beide neuen Kitas soll von einem freien Träger geführt werden.

Nach Fertigstellung des Gebäudes soll ein anerkannter freier Träger der Jugendhilfe für 20 Jahre mit der Option zur zweimaligen Verlängerung um jeweils fünf Jahre übernehmen. Zurzeit läuft ein Interessensbekundungsverfahren. Bis zum 31. Oktober haben Träger Zeit  ihr Bewerbungsformular einzureichen. Dann werden mit den besten Bewerbern Details besprochen. Eine Sichtungskommission mit Vertretern aus Verwaltung, Politik und Elternschaft kommt zum Einsatz. Am Ende beraten und entscheiden Jugendhilfeausschuss, Haupt- und Finanzausschuss und Rat. Bis Ende des Jahres, so Klee, will man das Verfahren finalisiert haben. Bisherige freie Träger in der Stadt Kempen sind die evangelische Kirche, der katholische Träger Horizonte und zwei Elterninitiativen.

Bleibt die Frage, ob die bauliche Realisierung der beiden Kitas auch noch bis August 2020 gestemmt werden kann. Ein Investor soll dies für die Stadt übernehmen. Besonders für die Kita am Schmedderweg gibt es aber zuvor noch etwas zu tun. Im September 2018 hatte die Politik eine Änderung des Flächennutzungsplanes für das Plangebiet zwischen Berliner Allee, Mühlenweg und Ziegelheider Straße  in die Wege geleitet, um dort gegebenenfalls Neubauten für Kita und Altenheim vorzeitig genehmigen zu können. Das Verfahren läuft wohl noch bis Mitte nächsten Jahres. Also dann, wenn die neue Kita eigentlich schon fast eröffnet werden soll.

kempen.de

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