Geschichte der Region im Blick Heimatpreis geht an Kempener Geschichts- und Museumsverein

Kempen · Der Kempener Geschichts- und Museumsverein wird mit dem Heimatpreis 2023 ausgezeichnet.

 2022 übergab Ina Germes-Dohmen (r.) für den Kempener Geschichts- und Museumsverein das „Bildnis eines Jägers“ von Fritz Wingen an Kempens Kulturamtsleiterin Elisabeth Friese.

2022 übergab Ina Germes-Dohmen (r.) für den Kempener Geschichts- und Museumsverein das „Bildnis eines Jägers“ von Fritz Wingen an Kempens Kulturamtsleiterin Elisabeth Friese.

Foto: Norbert Prümen

Ein rühriger Verein um eine rührige Vorsitzende wird Anfang des Jahres den Heimatpreis der Stadt Kempen entgegennehmen. Sobald die Pokale da sind, will die Stadt sie offiziell vergeben. Das teilte Bürgermeister Christoph Dellmans (parteilos) in der jüngsten Sitzung des Stadtrats mit, nachdem dieser die Preisträger benannt hatte. Den ersten Preis nimmt der Kempener Geschichts- und Museumsverein (KGMV) entgegen, er ist mit 2500 Euro dotiert. Der Verein hat durchaus schon Pläne, was er mit dem Geld anfangen will, doch das wolle man erst im März bekannt geben, sagt die Vorsitzende Ina Germes-Dohmen, „ich glaube, dass es sehr passend ist.“

Seit über 130 Jahren engagiert sich der Verein dafür, dass Menschen in und um Kempen mehr über die Geschichte der Region erfahren. 1889 wurde er als Kunst- und Altertumsverein gegründet, wechselte in der Folge mehrfach den Namen. Seit 1980 heißt er Kempener Geschichts- und Museumsverein. Schon in der ersten Satzung sah man es als Zweck des Vereins, Vorträge und Führungen anzubieten, um die Geschichte und Kultur der Heimat den Menschen näher zu bringen. Dem sieht sich der Verein auch heute noch verpflichtet, in Vorträgen und Studienfahrten erfahren Interessierte Wissenswertes über Kunst und Geschichte.

Für den Verein ebenso wichtig: der Schutz und die Pflege von Denkmälern, die Unterstützung von Museen und Stadtarchiv. So darf man sich bei der Stadt immer wieder über Zuschüsse und Schenkungen freuen, zuletzt beispielsweise über das „Bildnis des Jägers“ des Malers Fritz Wingen, der in Kempen ein Atelier in der Heilig-Geist-Kapelle hatte. Als Staatsfeind verurteilt, wurde er zunächst im Zuchthaus inhaftiert, dann in ein Konzentrationslager überstellt. 1944 starb er im KZ.

Seit 20 Jahren organisiert der Verein auch die Gedenkstunde „gegen das Vergessen“ am Mahnmal an der Umstraße in Kempen. Die Veranstaltung ist überparteilich, nicht kirchlich, richtet sich an alle Bürgerinnen und Bürger. Viele kamen in diesem Jahr am 9. November zur Umstraße, als die Vorsitzende Germes-Dohmen mit Blick auf die Ereignisse im Nahen Osten deutliche Worte fand und sagte: „Eine angegriffene Nation darf sich wehren, auch wenn das neues Leid nach sich zieht.“ Dies habe beim Ukraine-Krieg gegolten, das gelte auch jetzt. „Israel hat das gleiche Recht, sich zu verteidigen. Seine Existenz darf nicht in Frage gestellt werden.“

385 Mitglieder zählt der KGMV aktuell. Unter ihnen sind nicht nur Kempenerinnen und Kempener, sondern auch viele Menschen aus dem Umland. Immer wieder gelingt es dem Verein, spannende Vorträge zu organisieren, seit Corona-Zeiten teilweise auch über die Online-Plattform Zoom, was sehr gut angenommen werde, wie Germes-Dohmen berichtet. Teils werden zu Fahrten auch vertiefende Vorträge angeboten. Jeder kann teilnehmen, ob Mitglied oder nicht, deshalb lohnt es sich immer wieder, einen Blick in das Veranstaltungsprogramm des Vereins zu werfen, auch wenn man (noch) nicht dem Verein angehört.

Die Kempener Historikerin Ina Germes-Dohmen ist seit 2018 Vorsitzende des Vereins, der mit Ehrenamtlern ein beachtliches Programm von hoher Qualität stemmt, „wir machen ein Bildungsangebot von Bürgern für Bürger“, sagt Germes-Dohmen. Die Teilnahme ist auch für Nicht-Mitglieder finanzierbar, was dem Verein wichtig ist. Dafür will sich der KGMV auch weiterhin engagieren, neugierig machen auf Geschichte, Hintergründe vermitteln. Termine werden so gelegt, dass auch Berufstätige Vorträge hören oder an Tagesfahrten teilnehmen können, man soll nicht erst das Rentenalter erreicht haben müssen, um dabei sein zu können.

Auch 2024 hat der KGMV
viel auf dem Programm

Für 2024 hat sich der KGMV wieder viel vorgenommen. Die Veranstaltungen für das erste Halbjahr stehen bereits fest, für das zweite Halbjahr wird noch geplant. Der „Antikythera-Mechanismus“ steht am 28. Januar im Mittelpunkt eines Vortrags, am 11. Februar geht es um Goyas Radierungen „Die Schrecken des Krieges“. Beliebt sind auch die Tagesfahrten: Am 24. Februar besuchen die Teilnehmer Kevelaer, doch nicht als Pilger, sondern um mehr über die Geschichte des Wallfahrtsortes zu erfahren. Am 2. März lernen Interessierte bei einer Führung mit Pfarrer Wolfgang Acht mehr über die Mariendarstellungen in der Kempener Propsteikirche, am 23. März besichtigen die Teilnehmer die Ausstellung „Paris 1874: Revolution in der Kunst – Vom Salon zum Impressionismus“ im Wallraf-Richartz-Museum in Köln. Die Varusschlacht steht am 27. April mit einem Besuch von Museum und Park Kalkriese im Mittelpunkt, im Mai gibt es einen Vortrag zur Abtei Brauweiler (12. Mai) und eine Fahrt (25. Mai) nach Brauweiler. Die Kirchen in Roermond sind am 8. Juni Ziel – die Stadt hat mehr zu bieten als ein Outlet-Center. Für Ende Juni ist eine Viertagesfahrt nach Würzburg mit Nachtwächterführung und Schifffahrt geplant, das umfangreiche Programm will der Verein bei seiner Jahreshauptversammlung im Januar vorstellen. Mehr zum Programm finden Interessierte im Internet unter www.kgmv.org.