1. NRW
  2. Kreis Viersen
  3. Kempen und Grefrath

Kempen/Grefrath: Shopping-Erlebnis mit dem nötigen Abstand

Wiedereröffnung : Shopping-Erlebnis mit dem nötigen Abstand

Die meisten Geschäfte sind wieder geöffnet. Das wurde am Montag gerne angenommen. Die Kunden halten sich auch an die Regeln.

Es ist eine Mischung unterschiedlicher Gefühle, die einem da beim Gang durch die Kempener Altstadt begegnet. Die Straßen sind voller als noch vor einer Woche. Vielen ist Erleichterung anzusehen. Die geöffneten Ladenlokale, Menschen beim Shoppen – alles fühlt sich gleich wieder ein bisschen wie Normalität an. Doch Unsicherheit gibt es ebenfalls. Die meisten sind sehr darauf bedacht, Abstand zu halten. Viele tragen die empfohlenen Mundschutzmasken.

Eigentlich müsse man ja nicht unbedingt Kleidung kaufen, gibt eine Dame zu, während sie an einem Kleiderständer schaut. In einigen Gesprächen schwingt schon ein wenig Sorge mit, dass dieser Einkaufsspaß nun die Corona-Ansteckungsraten wieder nach oben treiben könnte – und eine erneute Schließung notwendig werden könnte. Aber die Geschäfte in der Altstadt haben Sicherheitsmaßnahmen ergriffen. Hinweisschilder auf die maximale Anzahl erlaubter Kunden und Abstandsgebote finden sich an vielen Fenstern und Türen.

Lust auf
farbenfrohe Mode

Erleichterung und gute Laune überwiegen am Montag in den Mode-Geschäften. „Bitte halten Sie Abstand“ steht auf dem Schild vor dem Modegeschäft Tredy. Aber hinweisen müsse sie drauf eigentlich nicht, sagt Verkäuferin Ellen Witt: „Alle sind sehr fröhlich, aber achten auch genau darauf, Abstand zu halten“, stellte sie fest. „Und wir sind sehr froh, dass wir wieder für unsere Kunden da sein können.“ Bei „Charisma – women‘s wear“ an der Judenstraße hat Inhaberin Susanne Bornkopp am Mittag ebenfalls schon einige gut gelaunte Kundinnen bedient. Viele hätten mit dem Kleiderkauf auf die Ladenöffnung gewartet. Daher freuen sie sich nun, etwas Farbenfrohes passend zum Sommerwetter zu finden. Wie in den meisten Geschäften sorgt eine Plexiglasscheibe an der Kasse für Schutz.

Rote Luftballons flattern vor dem Modehaus Kaenders im Wind, wo nun endlich die ersten Kunden durch die Modewelten für Damen und Herren stöbern können. Der großen Eröffnung zum Frühlingsfest hatte Corona bekanntlich einen Riegel vorgeschoben. Nun läuft das Geschäft im neuen Modehaus an der Ecke Juden-/Engerstraße an. Inhaber Markus Kaenders ist erleichtert, dass es losgehen kann. Die Stimmung im Team ist super. Die Kunden werden am Eingang herzlich empfangen. Desinfektionsmittel und Einwegmundschutz stehen dort bereit.

Am Buttermarkt hatte Kornelia Rehm ihr Bastelstudio ebenfalls am Montag wieder geöffnet und gleich am ersten Tag schon einige Kunden empfangen können. Viele hätten auch angerufen, um zu erfahren, ob sie vorbeischauen können

Auch in den Deko-Läden geht das Verkaufsgeschäft wieder los. „Glücklichmacher“ sind ab Dienstag im gleichnamigen Geschäft an der Judenstraße wieder zu haben.

Barbara Sukatsch von der „Kempener Rose“ an der Judenstraße hat am Montag schon geöffnet und beschlossen, dass nur eine Person in ihren kleinen Laden darf – oder zwei Personen aus einem Haushalt. Ist einer drin, wird ein Hinweisschild an einer Kette in die Tür gehängt und die Kunden haben Zeit in Ruhe durch das Angebot zu schauen. „Ich bin ganz auf Garten eingestellt“, sagt Barbara Sukatsch. Kräuter und andere Pflanzen sind zurzeit gefragt.

Viele Kunden, so stellen verschiedene Händler fest, gehen davon aus, dass sie ihren Sommerurlaub zu Hause verbringen und wollen sich selbst oder ihrem Garten daher gerne etwas gönnen – oder auch dem Hund. Beim Geschäft „Rudelglück“ an der Ellenstraße hoffen Nicole und Christian Schrörs, dass sich die Stadt wieder füllt und neue Kunden den Weg in ihren Laden finden. Sie hatten erst im Januar eröffnet, bis zur Schließung aber bereits Stammkunden besonders für Hundefutter gewonnen. „Die konnten wir halten, indem wir einige Stunden öffnen konnten und auch geliefert haben“, so Christian Schrörs.

Neue Waren
für den Neustart

Viele Kempener Händler haben Online-Shops eingerichtet und während der Schließung Bestellungen nach Hause geliefert. Charisma-Chefin Susanne Bornkopp zieht ein positives Fazit: „Es hat Spaß gemacht, man hat viel Unterstützung erfahren.“ „Ich habe so wahnsinnig nette Menschen kennengelernt“, sagt auch Barbara Sukatsch. Sie will den Lieferdienst der Kempener Rose auf jeden Fall beibehalten.

Auch Silke Zander vom Kindermodengeschäft Radieschen will den Lieferservice beibehalten, nicht mehr täglich, aber zweimal die Woche Lieferungen nach Hause bringen. T-Shirts und Sommermützen waren zuletzt sehr gefragt. Montagmorgen war es im Radieschen noch ruhig. Für die Nachfrage in den nächsten Tagen ist Silke Zander gut aufgestellt. Viele Geschäftsinhaber berichten davon, dass sie für den Neustart noch einmal Ware bestellt haben.

Trotz vieler positiver Erfahrungen mit Online-Bestellungen und Lieferservice haben die Händler mit einem Umsatzeinbruch durch die Schließung zu kämpfen. Daher hoffe alle darauf, dass die Nachfrage nun noch einmal steigt.

Möbelkäufer wollen gerne
sofort etwas mitnehmen

Auch Möbelhäuser durften am Montag ihre Türen öffnen. Dazu gehörte auch Möbel Wehnen in Grefrath. „Es waren schon einige hier“, sagte Thorsten Passargus, Hausleiter der Möbel SB-Aktionshalle am frühen Montagnachmittag. Man habe einen gewissen Nachholbedarf gespürt. „Besonders groß war das Interesse, sofort etwas mitnehmen zu können“, so Passargus. So waren die Kunden am Montag unterwegs, um Ersatz für Polstergarnitur, Matratze oder Bett zu finden. Auch kamen Kunden, die umgezogen waren und nun keine Möbel für die neue Wohnung hatten. „Die saßen auf heißen Kohlen“, berichtet Thorsten Passargus. 30 Kunden dürfen gleichzeitig in den Laden. Mit Spritzschutz an der Kasse, Desinfektionsmitteln und Mundschutz für Mitarbeiter und Kunden hat man bei Wehnen alle nötigen Sicherheitsvorkehrungen getroffen.

Trotz Angeboten von Online- und Telefonbestellung sowie individuellen Beratungsterminen hat die Schließung für Wehnen zu einem erheblichen Umsatzeinbruch geführt. Das Team hofft, dass sich ein gewisser Nachholeffekt in den nächsten Wochen und Monaten einstellt. Auch mit Blick auf den Sommer, den viele wohl eher zu Hause verbringen werden, statt in die Ferne zu reisen. Gleichzeitig sei die Hersteller-Industrie zurzeit allerdings zaghaft unterwegs. Daher rechnet Thorsten Passargus bei Möbeln in diesem Jahr eher mit längeren Lieferzeiten.