Ausflugsziel am Deutschen Mühlentag Frisch sanierte Mühle in Tönisberg zieht Besucher an

Kempen · Zum ersten Mal nach der Sanierung konnte die Kastenbockwindmühle in Tönisberg besichtigt werden.

Die Mühle wurde „technisch so saniert, dass wir theoretisch Mehl mahlen könnten“, sagt Christiana Dahmen vom Hochbauamt der Stadt, hier mit Bürgermeister Christoph Dellmans (l.) und Helmut Thissen.

Die Mühle wurde „technisch so saniert, dass wir theoretisch Mehl mahlen könnten“, sagt Christiana Dahmen vom Hochbauamt der Stadt, hier mit Bürgermeister Christoph Dellmans (l.) und Helmut Thissen.

Foto: Norbert Prümen

(evs) Die Sanierung der 222 Jahre alten Kastenbockwindmühle, ein Wahrzeichen von Tönisberg und eines der wichtigsten Denkmäler der Stadt Kempen, stieß am Pfingstmontag auf großes Interesse. Zum Deutschen Mühlentag, vergleichbar einem Tag der offenen Tür, hatte der Heimatverein Tönisberg eingeladen. Und damit der Öffentlichkeit erstmals die Möglichkeit geboten, die frisch restaurierte Mühle in Augenschein zu nehmen.

Alt und Jung pilgerte per Auto, Fahrrad oder zu Fuß auf den grünen Hügel von Tönisberg, um das alte Schätzchen in neuem Glanz zu bewundern. „Ist richtig gut geworden“, findet etwa Frank Schubert mit anerkennendem Blick. Der Vorsitzende des Heimatvereins St. Hubert ist ein gebürtiger Tönisberger. Ihm ist die Mühle sehr vertraut. „Hier haben wir als Kinder gespielt und sind rumgeklettert“, erinnert er sich. Christiana Dahmen, Leiterin des Hochbauamts der Stadt Kempen, ist sichtbar stolz und glücklich, lobt die gute Arbeit von Mühlenbauer Möller aus Rahden bei Minden. Sie verweist auf den komplett erneuerten Bock aus schwerem Eichenholz, der so marode war, dass die Standsicherheit gefährdet war. Damit er erneuert werden konnte, musste im Herbst des vergangenen Jahres der gesamten Kasten per Kran abgehoben werden.

Der Bock stützt den Hausbaum, einen dicken senkrecht stehenden Eichenstamm, der in den Kasten hineinragt und noch gut erhalten war. Über eine neue stabile Eichentreppe mit 24 Stufen geht es hoch hinein in den Mühlenkasten, der Hightech vergangener Zeiten enthüllt. Hier musste ein wesentliches Bauteil komplett erneuert werden: der über vier Meter lange massive Hammerbalken, auf dem die gesamte Konstruktion ruht. Viele erklimmen auch noch eine weitere steile Stiege und stehen nun ganz nah bei den großen hölzernen Mühlrädern, dem aufrecht stehenden Kammrad mit dem erneuerten Wellbalken und den beiden liegenden Mühlrädern, die die Mahlsteine in Bewegung setzen.

Dahmen zieht mit aller Kraft an einem schweren Seil, das die Bremse aus Pappelholz am Kammrad lenkt. Man meint eine leichte Bewegung zu spüren. Tatsächlich ruht die gesamte 30 Tonnen schwere Konstruktion nur auf einem einzigen Punkt zwischen Hausbaum und Hammerbalken auf. Eine technische Meisterleistung.

Besonderer Clou ist, dass die Mühle an dieser Stelle wieder drehbar gemacht worden ist. Die Treppe kann vom Boden gelöst werden. Mittels des ebenfalls erneuerten Sterts kann der gesamte Mühlkasten samt Treppe nun wieder in den Wind gedreht werden. „Sie ist technisch so saniert, dass wir theoretisch Mehl mahlen könnten“, erläutert Dahmen.

Es fehlen nur noch die Flügel, für deren Sanierung aktuell Ausschreibungen laufen und die im Herbst angebracht werden sollen. Auch das Außengelände soll noch hergerichtet werden. 250 000 Euro hat die Stadt Kempen an Eigenmitteln eingebracht, um dieses wertvolle Baudenkmal zu erhalten.

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