20 Jahre Freiwilligenagentur Kempen „Viele Menschen wollen etwas zurückgeben“

Kempen · Die Freiwilligenagentur Kempen bringt seit 20 Jahren gemeinnützige Einrichtungen und Ehrenamtliche zusammen.

 Hedwig Stirken und Helen Klein sind die Ansprechpartnerinnen der Freiwilligenagentur Kempen. Aushänge mit verschiedenen Angeboten für Ehrenamtler sind im Foyer des Rathauses installiert.

Hedwig Stirken und Helen Klein sind die Ansprechpartnerinnen der Freiwilligenagentur Kempen. Aushänge mit verschiedenen Angeboten für Ehrenamtler sind im Foyer des Rathauses installiert.

Foto: Lübke, Kurt (kul)

Seit dem 1. November 2003 gibt es die Freiwilligenagentur Kempen. Sie ist aus dem städtischen Leben nicht mehr wegzudenken, Mittelpunkt eines großen sozialen Netzwerks. Sie vermittelt Kontakte zwischen gemeinnützigen Einrichtungen und Menschen, die sich für andere einbringen wollen. Untrennbar verbunden ist die Freiwilligenagentur mit dem Namen Hedwig Stirken. Die Sozialpädagogin baute gemeinsam mit Ines Lempa die Einrichtung vor 20 Jahren auf.

Die Anregung kam, so glaubt sie sich zu erinnern, von dem damaligen Ersten Beigeordneten der Stadt, Hans Ferber. Als Kooperationspartner holte sich die Stadt Kempen den örtlichen Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) und damit die beiden Gründerinnen ins Boot. „Wir haben bei Null angefangen. Für mich war das absolutes Neuland“, erinnert sich Hedwig Stirken. Die heute 71-Jährige hatte relativ spät noch Sozialpädagogik studiert und eine Anstellung beim SkF Kempen erhalten.

Während die Stadt die finanzielle Seite der Freiwilligenagentur stemmt, obliegt die praktische und personelle Durchführung dem SkF. Eine sehr erfolgreiche Kooperation, wie Hedwig Stirken betont. „Das ist für uns optimal, wir können alle städtischen Strukturen nutzen.“ Aushänge mit Angeboten für Ehrenamtler sind im Foyer des Rathauses installiert. Dann gibt es die beiden Büroräume im Erdgeschoss, die sich Hedwig Stirken seit August 2022 mit Helen Klein teilt. Zuvor war dort mehr als zehn Jahre lang Claudia Stocks an ihrer Seite.

Die beiden Frauen haben nur befristete Teilzeitstellen. „Das ist in dieser Zeit nicht zu schaffen“, sagt Hedwig Stirken und öffnet den Aktenschrank, in dem die Ordner aneinandergereiht sind. Ehrenamtlicher Einsatz gehört für sie selbst also auch dazu. Allein rund 70 gemeinnützige Einrichtungen aus Kempen sind bei der Freiwilligenagentur gelistet. Dazu gehören Schulen, Kitas, Senioreneinrichtungen, Sportvereine, Sozialverbände wie die Malteser, das Deutsche Rote Kreuz oder die Lebenshilfe, der Kinderschutzbund und die Kempener Tafel.

 Die Aufgabenpalette
der Freiwilligen ist riesig

Die Zahl der Freiwilligen, die in 20 Jahren vermittelt wurden, lässt sich nicht genau ermitteln. „Unmengen“, sagt Hedwig Stirken. Ehrenamtler besuchen Senioren, betreuen Geflüchtete, geben Deutschunterricht, helfen bei den Hausaufgaben, lesen Kindern vor, unterstützen in Büchereien oder helfen bei der Kartenkontrolle im Kulturforum. Die Aufgabenpalette ist riesig. Voraussetzung ist die Gemeinnützigkeit der Einrichtung – und dass der Einsatz der Ehrenamtler keine reguläre Stelle ersetzt.

Hedwig Stirken lernt die interessierten Freiwilligen zunächst im Gespräch kennen. „Wichtig ist, dass es Spaß macht und den eigenen Neigungen entspricht“, betont sie. Die Freiwilligen sind oftmals Rentner, die sich noch sinnvoll betätigen wollen. Es seien aber auch Berufstätige und Schüler dabei.

Über nachlassendes Interesse kann sie nicht klagen. Das Engagement in der Kempener Bevölkerung sei schon erstaunlich, findet sie. „Viele Menschen wollen etwas von dem Glück zurückgeben, das sie im Leben gehabt haben“, berichtet Hedwig Stirken. Auch feste Gruppen von Freiwilligen haben sich gebildet. Da gibt es die „Beldscheskieker“, die alte Fotos von Kempen aus dem städtischen Bildarchiv auswerten, sortieren und digitalisieren. Im Tierbesuchsdienst kommen Freiwillige zusammen, die mit ihren Haustieren Senioren in Heimen besuchen. Zwölf Jahre lang gab es ein Patenprojekt, bei dem Grundschulkinder und ihre Paten einmal im Monat einen tollen Ausflug machten.

Zu einem Selbstläufer hat sich das Projekt „Wundertüten“ entwickelt, bei dem Freiwillige drei- bis viermal im Jahr 220 Senioren in Kempener Einrichtungen mit Tüten beschenken, die sie mit Fotos, Gedichten, Bastelarbeiten und Selbstgestricktem befüllen. Die Idee war während der Corona-Pandemie entstanden, als die Bewohner in den Senioreneinrichtungen keinen Besuch empfangen durften.

Wenn man so will, ist die Freiwilligenagentur selbst eine Art „Wundertüte“, die auf vielfältige Weise die Menschen in Kempen beschenkt.

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