Erstes Konzert auf Patersorgel nach Bauarbeiten Andrea Vannucchi lässt die König-Orgel wieder erklingen

Kempen · Anderthalb Jahre lang mussten sich Orgelmusikfreunde wegen Umbauarbeiten gedulden.

 Die Reihe der Orgelkonzerte in der Paterskirche wurde fortgesetzt mit einem Konzert von Organist Andrea Vannucchi aus Florenz.

Die Reihe der Orgelkonzerte in der Paterskirche wurde fortgesetzt mit einem Konzert von Organist Andrea Vannucchi aus Florenz.

Foto: Norbert Prümen

(oeh) Sehr gut besucht war das Orgelkonzert, zu dem Ute Gremmel-Geuchen den Konzertorganisten Andrea Vannucchi aus Florenz in die Paterskirche eingeladen hatte – nach der langen Durststrecke wegen Umbauarbeiten im ersten Obergeschoss des Franziskanerklosters in Kempen. Eine wohlüberlegte Wahl – gilt der italienische Gast doch als Kenner historischer Orgeln und als Spezialist der historisch informierten Aufführungspraxis. Vannucchi lehrt am Musikkonservatorium in Perugia und ist als Konzertorganist weit gereist.

Ausschließlich Werke italienischer Tonsetzer hatte Vannucchi nach Kempen mitgebracht. Zwei Kompositionen von Girolamo Frescobaldi (1583-1643), der als der erste bedeutende Komponist der Instrumentalmusik gilt, rahmten eine Tonschöpfung unserer Tage ein – das Trio super „Ut queant laxis“, das Antonio Galanti (geboren 1964), ein Freund des Interpreten, eigens für die König-Orgel geschrieben hat. Das Publikum erlebte also eine Welturaufführung und ein völlig anderes Klangspektrum als ansonsten gewohnt. Schnarrende Register auf einem Manual, dezent auf einem anderen Manual begleitet, markierten das Thema – das kurz gefasste Opus endete mit einer markanten Steigerung.

Reiche Farbschattierungen wählte der Künstler, dessen Spiel auf einer Leinwand zu verfolgen war, in drei anmutigen Stücken des Barockkomponisten Bernardo Pasquini (1637-1710). Geradezu frühlingshaft wirkten die kecken Kuckucksrufe in der abschließenden Toccata. Die Kompositionen Antonio Vivaldis bearbeiteten sowohl Johann Sebastian Bach als auch dessen Cousin Johann Gottfried Walther häufig. Hier erklang – in reich gestaffelter und sehr klarer Wiedergabe – die Transkription Walthers von Vivaldis Violinkonzert e-Moll RV275. Giambattista Martini (1706-1784) war nicht nur Komponist, sondern auch ein hoch geachteter Musikgelehrter. Von ihm ließ sich Wolfgang Amadeus Mozart auf seiner ersten Italienreise im Kontrapunkt unterweisen. Martinis „Preludio ed Assai moderato“ aus der Sonate e-Moll, etwa in derselben Zeit wie die König-Orgel entstanden, gefiel mit farbigen Akzenten der Klassik.

Aber auch Romantisches und sogar Opernhaftes ist auf dieser vielseitigen Orgel gültig zu interpretieren. Das bewies Vannucchi mit einem Preludio des Genuesers Giovanni Battista Polleri (1855-1923) und mit der Sonata Finale aus der „Messe Solenne“ F-Dur, bei der Vincenzo Antonio Petrali (1832-1889) mittels prächtiger Fanfaren und mancher leicht trivialer Klänge – meist in machtvollem Tutti – erst gar nicht versucht, seine Hinwendung zur Oper zu verbergen. Es gab herzlichen Applaus für diese qualitätvollen und souverän interpretierten Einblicke in die italienische Orgelmusik.

(oeh)