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Kempen: Ehepaar Dodier berät in der Online-Seelsorge

Kempen: Ehepaar Dodier berät in der Online-Seelsorge : Schreiben tut der Seele gut

Die Telefonseelsorge ist bekannt. Doch längst gibt es Hilfe auch per E-Mail. Die WZ sprach mit den Experten Bernard und Uschi Dodier.

Manche Menschen reden sich Kummer und Sorgen von der Seele, andere schreiben lieber. Die Telefonseelsorge und andere Organisationen, die Hilfe für Menschen in Not anbieten, haben deshalb ihr Angebot den unterschiedlichen Bedürfnissen angepasst. So besteht seit 1995 die Möglichkeit, sich auch per Mail und Chat Hilfe zu suchen.

Im Gegensatz zum Telefonseelsorgegespräch, das direkt geführt wird, bekommt der Ratsuchende bei der Online-Mailseelsorge seine erste Antwort innerhalb von 48 Stunden. Der weitere Kontakt wird dann besprochen, üblicherweise einmal pro Woche. Dabei wird unterschieden zwischen informellen, stabilisierenden (in einer Krisensituatuion) und begleitenden Kontakten, die auch über mehrere Wochen gehen können.

Eine eigene Gesellschaft
zum Thema gegründet

In Zeiten von Internet, Mobiltelefonen und E-Mails haben sich die Gepflogenheiten geändert, so Bernard Dodier, ehemaliger Leiter der Telefonseelsorge Krefeld, Mönchengladbach und Viersen und Notfallseelsorger. Deshalb gründete er 2005 mit anderen Kollegen die Deutschsprachige Gesellschaft für psychosoziale Online-Beratung (DGOB). Mitglieder sind unter anderem Verbände wie die Caritas, der Weiße Ring, die Aidsberatung. „Es wurde wichtig, allgemein gültige Standards zu entwickeln, nach denen auch ausgebildet wird“ sagt der 72-Jährige im WZ-Gespräch.

1995 haben Bernard Dodier und Birgit Knatz das Institut für Online-Beratung gegründet – unter dem Titel „Schreiben tut der Seele gut“. „Damals haben wir in der Telefonseelsorge überlegt, wie wir online Menschen erreichen können“ erinnert sich Dodier, der seit einigen Jahren in Kempen lebt. Die Hilfsangebote via Mail und auch per Chat kamen gut an.

So begann die Ausbildung der Telefonseelsorge-Mitarbeiter zum Online-Berater. Mitarbeiter von anderen Organisationen kamen hinzu. Heute steht ein breites Feld der Online-Beratungsangebote zur Verfügung. Viele Telefonseelsorgestellen bilden mittlerweile ihre ehrenamtlichen Mitarbeiter ganzheitlich aus.

Bernard Dodier wird mit seiner Frau deshalb von den Telefonseelsorgestellen für eine Ausbildung angefragt. Zur Zeit sind die Mitarbeiter von Halle (Saale), Leipzig und Magdeburg auf dem Weg, Online-Berater zu werden. Aber auch städtische Einrichtungen nehmen Kontakt auf und möchten ihre Mitarbeiter fortbilden.

Ausbildung in der Online-Beratung suchen mittlerweile auch Kurkliniken, um zu Patienten auch nach der Kur noch Kontakt zu halten und nach dem Fortschritt der Genesung und der Umsetzung der erarbeiteten Ziele zu fragen, so können sie dem Patienten weiter Unterstützung anbieten.

Die Ausbildung zum Online-Berater umfasst unterschiedliche Module, Grundlagen zur Beantwortung einer Mail an sich, technische Kenntnisse, Sicherheit, Grundlagen der Chatberatung.

Die Neutralität spielt
eine wichtige Rolle

Wichtig ist in der Mail-Beratung der Beziehungsaufbau zum Mailer. Oftmals wird gefragt, ob das überhaupt geht, so wie in der Face-to-Face-Beratung. „Es ist eine andere Ebene auf der sich beide begegnen – Mailer und Online-Berater. Sie ist anonym und lässt mehr Raum auch für schambesetzte oder tabuisierte Themen. Das Niederschreiben, seine Gedanken in Worte zu fassen, kann schon eine große Entlastung sein“ so Uschi Dodier, die in der Ergotherapie eines Krankenhauses arbeitet.

Die Neutralität spielt eine wichtige Rolle beim E-Mail-Kontakt und auch beim Chat. Man sieht sein Gegenüber nicht, hört es nicht. „Somit fällt beispielsweise weg, die Stimmung eines Menschen an seiner Stimmmelodie, seiner Gestik, Mimik oder sein Geschlecht zu erkennen.“

In der Ausbildung wird sehr viel praktisch gearbeitet und geübt. Abschluss bei der Ausbildung über das Institut ist ein Zertifikat nach den Richtlinien der deutschsprachigen Gesellschaft für Online-Beratung