Kempen: Die Tafel gibt nicht auf

Kempen: Die Tafel gibt nicht auf

Kreishaus: Die Martinushilfe hat immer noch keine neue Bleibe. Initiator Dieter Sandmann will aber kämpfen.

Kempen. Es ist kalt - draußen wie drinnen. Dieter Sandmann trägt Jacke, wie einige seiner Mitarbeiter. Und das hat zwei Gründe: Zum einen sollen die Lebensmittel gekühlt werden und haltbar bleiben, zum anderen die Nebenkosten so gering wie möglich gehalten werden. Denn die Kempener Tafel braucht ihr Geld für andere Dinge.

"Wir versorgen etwa 250 Familien mit Lebensmitteln und Kleidung", sagt Sandmann von der Martinus-Hilfe, die die Kempener Tafel betreibt. Er war 2002 Initiator der Einrichtung. Jeder, der eine Bescheinigung der Arge vorweisen kann, darf einmal pro Woche zur Ausgabe im alten Kreishaus kommen und erhält für 2,50 bis fünf Euro Lebensmittel wie Gemüse, Obst und Backwaren.

Dazu hat er die Gelegenheit, für kleines Geld, Geschirr, Kleidung, Spiele oder Dekoration zu erwerben. "Mit dem Verkauf von gespendeten Sachen finanzieren wir uns auch", sagt Sandmann. Der 72-Jährige kalkuliert mit 1000Euro Nebenkosten monatlich. Dazu zählen die Kosten für drei Autos, Strom, Wasser, Heizung. Die Räume an der Orsaystraße3 sind mietfrei.

Doch wie lange kann die Tafel noch an dieser Stelle bleiben, wenn das alte Kreishaus dem geplanten Klosterhof weichen muss? "Wenn wir dann keine neuen Räume haben, machen wir entweder ein großes bayerisches Fest im Zelt ", scherzt Sandmann und wird dann ernst: "Oder wir müssen auf die Straße gehen und protestieren." Aber aufgeben gehört nicht zum Wortschatz den Kempeners. Und so plant er mit seiner Mannschaft weiter.

Dazu gehört die Aktion Weihnachtspakete für Kinder. "Neben warmen Sachen und Süßigkeiten können auch Dinge für die Schule oder Spiele darin sein." Er bittet darum, die Pakete nur lose zu verpacken. Denn bevor sie weiter verschenkt werden, wird noch ein Blick auf den Inhalt geworfen und passend dazu ein Kind ausgesucht.

Ein weiterer großer Wunsch Sandmanns ist, einigen Kindern und ihren Eltern Urlaub zu ermöglichen. "Wir haben Familien, die dringend einmal aus ihren vier Wänden müssen, wo die Kinder in den Ferien immer zuhause sind." Er träumt für seine Schützlinge von Tagen an der See, in Süddeutschland oder im Sauerland.

Mehr von Westdeutsche Zeitung