Kempen: Der Kampf um 100 Jahre alte Linden

Hülser Straße : Kempen: Der Kampf um 100 Jahre alte Linden

Weil an der Hülser Straße ein Kreisverkehr für ein Gewerbegebiet gebaut werden soll, will die Stadt Kempen mehrere Linden fällen. Im Internet wurde eine Petition gegen dieses Vorhaben gestartet. Der Ausschuss für Umwelt, Planung und Klimaschutz entscheidet am 23. September über den Ausbau-Beschluss.

„Rettet die geschützte Lindenallee Hülser Straße!“ Unter dieser Überschrift läuft seit Kurzem eine Petition im Internet. Der St. Huberter Naturschützer Georg Lüdecke sucht Unterstützer, um die drohende Fällung von zwölf Bäumen zu verhindern. Laut Lüdecke sind diese Linden älter als 100 Jahre. In Zeiten des Klimawandels sei es unverantwortlich, dass die Stadt Kempen „eine solche Missachtung der Belange der Natur“ in Kauf nehmen wolle.

Aus Sicht der Stadt ist die Rodung an der Hülser Straße im Rahmen der Aufstellung eines neuen Bebauungsplans notwendig. Wie mehrfach berichtet, will die Stadt den Bereich südlich der Hülser Straße als Gewerbegebiet ausweisen. Auf einem Feld in der Achse Hülser Straße/B 509 (Außenring) will sich der Baustoff-Markt Mobau-Pegels ansiedeln. Der Beschluss des Bebauungsplans befindet sich auf der Zielgeraden. Durch die bisherigen Instanzen ist der Vorschlag der Stadt durchgegangen. An der bisherigen Einfahrt zur Heinrich-Horten-Straße mit Wasserturm, Straßenverkehrsamt und Rettungswache soll ein Kreisverkehr entstehen. So könnte das gegenüberliegende Gewerbegebiet mit dem Baumarkt erschlossen werden. Um den Kreisverkehr bauen zu können, müssten aber die Linden weichen.

Aus Sicht der Naturschützer gibt es Alternativen, um den Baumbestand erhalten zu können. Eine Option könnte sein, mit den Straßen.NRW in Gespräche einzutreten. Mit dem Ziel, an der Kreuzung der Hülser Straße zum Außenring einen Kreisverkehr entstehen zu lassen. Auch von dort könnte das neue Gewerbegebiet direkt erschlossen werden, heißt es in der Petition. Zudem schlägt Lüdecke in seinem Schreiben vor, „dass in dem baumlosen Bereich hinter dem Seldergraben eine provisorische Baustraße in das neue Gewerbegebiet installiert und später wieder zurückgebaut wird“. Mit dieser vorübergehenden Erschließung würde man die Pläne von Mobau-Pegels auch nicht verzögern, meinen die Naturschützer.

Naturschützer verweisen auf die bestehenden Probleme in Kempen

Eine weitere Variante ist aus Sicht der Umweltschützer ein „ovaler Kreisverkehr“. Laienhaft ausgedrückt, würde sich dieser über die Hülser Straße etwas länger erstrecken. Somit wäre kein Eingriff in die Natur am Fahrbahnrand – also eine Fällung der Linden – nötig.

Die Unterstützter der Petition sind der Meinung, dass es nicht gerechtfertigt ist, die zwölf Linden zu fällen: „Wenn man bedenkt, dass aufgrund der Trockenheit in 2018 mittlerweile alleine bei uns in Kempen über 500 Bäume gefällt werden mussten, und das mit steigender Tendenz, ist jeder einzelne Baum, der erhalten werden kann, besonders wertvoll. Es ist nicht nachvollziehbar, das jetzt wertvolle, gesunde, uralte Bäume dem Moloch Verkehr geopfert werden sollen, obwohl eine deutlich bessere Lösung sich geradezu anbietet.“

Nun ist davon auszugehen, dass Lüdecke und seine Mitstreiter in der nächsten Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Planung und Klimaschutz (UPK) im Rathaus sein werden. Denn am 23. September steht das Gewerbegebiet auf der Tagesordnung des Fachausschusses. In dieser Sitzung will die Verwaltung den Bau des Kreisverkehrs von der Politik beschließen lassen. Geht es nach der Stadt Kempen, könnte noch dieses Jahr mit der Erschließung des Gebietes begonnen werden. Eine Fertigstellung ist für September 2020 vorgesehen.

Mit Blick auf den Kreisverkehr bleibt die Verwaltung bei der Meinung, den Plan an der Einmündung Heinrich-Horten-Straße zu realisieren. Dies sei aus Kosten- und Flächennutzungsgründen die beste Lösung. Die von den Umweltschützern vorgeschlagene Lösung der Errichtung eines „ovalen Kreisverkehrs“ lehnt die Verwaltung ab. Bei so einer Lösung könnten unter anderem Probleme wegen des Verkehrsflusses entstehen, heißt es in der Sitzungsvorlage des Planungsamtes.

Verlegung an die B 509 hält
die Stadt nicht für realistisch

Eine Verlegung des Kreisverkehrs zur Kreuzung B 509 hält die Stadt nicht für realistisch. Die direkte Anbindung einer Einfahrtstraße zu einem Gewerbegebiet an die Bundesstraße könnte den Durchgangsverkehr behindern. Zudem liege diese Straße eben in der Zuständigkeit des Landesbetriebs Straßen.NRW. Dann läge das Planverfahren bei dieser Behörde. Ohne es zu schreiben, geht die Stadt in diesem Fall von einem langwierigen Verfahren aus.

Unterschiedliche Angaben gibt es mit Blick auf die Anzahl der zur Disposition stehenden Linden. Während die Umweltschützer von zwölf mehr als 100 Jahre alte Linden sprechen, hat die Verwaltung andere Zahlen. In der Vorlage für den Ausschuss heißt es, dass „acht alte Linden südlich der Hülser Straße und neun jüngere Linden nördlich der Hülser Straße“ gefällt werden müssten. Nach Angaben der Verwaltung ergibt sich durch diese Zahl an gefällten Bäumen eine entsprechende Ausgleichspflanzung, der die Stadt Kempen nachkommen werde.

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