Gesprächsrunde in Kempen Demokratie auch im Kleinen verteidigen

Kempen · Die Kempener Initiative „Demokratie gerade jetzt!“ hatte zur Gesprächsrunde geladen.

Klaus-Peter Hufer (v.l.), Detlef Horster, Ingrid Schmale und Ruud Stefelmanns bei der Gesprächsrunde, links Moderatorin Birgitta Ronge.

Klaus-Peter Hufer (v.l.), Detlef Horster, Ingrid Schmale und Ruud Stefelmanns bei der Gesprächsrunde, links Moderatorin Birgitta Ronge.

Foto: Norbert Prümen

Fast jeder der etwa 120 Anwesenden im Gemeindezentrum der evangelischen Thomaskirche in Kempen hat seine persönlichen Erfahrungen gemacht mit Diskriminierung. Fast jeder bemerkt den gesellschaftlichen Rechtsruck. Und fast jeder war kürzlich bei der Demonstration gegen Rechtsextremismus auf dem Buttermarkt dabei. Die Podiumsdiskussion zum Thema „Rechtsextremismus“ – organisiert von der Kempener Initiative „Demokratie gerade jetzt!“ – bot Gelegenheit zum Austausch über ein Phänomen, das die deutsche Gesellschaft in jüngster Zeit besonders beschäftigt. Die Moderation hatte Journalistin Birgitta Ronge.

Sinnbild für das Erstarken rechtsextremer Tendenzen ist der zunehmende Zuspruch der in Teilen rechtsextremen AfD, nicht nur in den ostdeutschen Bundesländern, sondern auch in Westdeutschland. Als Experte erklärte der Kempener Politikwissenschaftler Klaus-Peter Hufer unter anderem die Vorstellungen von AfD und rechtsextremen Gesinnungsgenossen. Hufer, pensionierter Fachbereichsleiter der Kreisvolkshochschule Viersen und ausgewiesener Kenner des Rechtsextremismus im deutschsprachigen Raum, betonte, dass nur ein kleiner Teil der Deutschen tatsächlich rechtsextrem sei. Es gebe aber eine Vielzahl von Menschen, die für die rechtsextreme Propaganda empfänglich seien. Diese Menschen müsse man in ihrem demokratischen Verständnis stärken, forderte Hufer.

Amnesty International setzt sich auch in Kempen aktiv mit ein

Es könne nicht sein, dass eine Minderheit durch antidemokratische Tendenzen wie Fremdenhass, Antisemitismus und Ausgrenzung die Menschenrechte mit Füßen treten könne. Für die Achtung der Menschenrechte setzen sich in Kempen unter anderem auch die Mitglieder der Ortsgruppe von Amnesty International ein. Von deren Arbeit berichtete die Vorsitzende Ingrid Schmale.

Der aus Kempen stammende Sozialphilosoph Detlef Horster erläutere den Begriff der „Remigration“, der in jüngster Zeit von den Rechtsextremisten verstärkt in die Diskussion gebracht worden ist. Der Kempener Gesundheitswissenschaftler Ruud Stefelmanns berichtete über seine Arbeit mit Patienten. Er habe vor allem seit der Pandemie zunehmende Zukunftsängste bei den Menschen festgestellt.

Für das Kempener Bündnis „Demokratie gerade  jetzt!“, das 2020 gegründet wurde, bleibt es wichtig, Flagge zu zeigen und Verschwörungsideologen, Rechtsextremisten, Populisten oder Antisemiten mutig entgegenzutreten. Dem Bündnis gehören Kempener Bürgerinnen und Bürger an. Sie eint das Engagement für den Erhalt der Demokratie. Jeder Einzelne sei aufgefordert, dem gesellschaftlichen Rechtsruck mit demokratischen Mitteln Einhalt zu gebieten, lautet ihre Losung.

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