Kempen: Das Lächeln vom Hindukusch

Kempen: Das Lächeln vom Hindukusch

Krischma Baweri stammt aus Afghanistan. Über ihre Zukunft hat die 14-Jährige schon genaue Vorstellungen.

Kempen. "Ich möchte Journalistin werden." Selbstbewusst und offen schaut Krischma Baweri dem Redakteur in die Augen. Die Schülerin des Thomaeum hat schon genaue Vorstellungen über ihren Werdegang.

Beim Blick in die Zukunft kommt die Vergangenheit der 14-Jährigen ins Spiel: Krischma ist Afghanin. Als Baby kam sie mit ihrer Familie aus dem kriegszerrütteten Land nach Deutschland. Der Vater war als Polizei-Offizier in Kabul politischer Flüchtling. Mittlerweile ist die Familie eingebürgert, Krischma hat einen deutschen Pass und lebt seit fünf Jahren mit der fünfköpfigen Familie im Hagelkreuz-Viertel.

Krischma besucht die achte Klasse des Gymnasiums, spricht perfekt Deutsch und ist an allem interessiert, das mit Sprache und Medien zu tun hat. "Mein Vorbild ist Katja Burkard", schwärmt sie von der RTL-Moderatorin, die durchs Mittagsmagazin "Punkt12" führt.

Zu Hause wird sowohl Deutsch als auch die Muttersprache Persisch gesprochen. "Ich habe Krischma über ihre Mutter kennen gelernt, die bei mir Deutschkurse besucht hat", sagt Anita Schreieck. Die Vorsitzende des Arbeitskreises Asyl ist begeistert von der gelungenen Integration der Familie in Kempen.

Auch in punkto Religion und kulturelle Wurzeln gehen die Baweris den Mittelweg jenseits festgefahrener Konventionen. "Meine Eltern halten den Ramadan ein, bei uns Kindern wird das nicht so eng gesehen", sagt die Muslima. Ihr 21-jähriger Bruder besuche seit kurzem die Kempener Moschee Hayat- aber auch das aus freien Stücken.

Bei der Frage nach einem deutschen Freund ziert sie sich ein wenig. "Das würden die Eltern wohl nicht so gerne sehen." Aber "im Ernstfall" würden sie ihr wohl auch dann keine Steine in den Weg legen, wenn Amors Pfeil aus dem Köcher eines teutonischen Bogenschützen gezogen würde.

Kontakt zu Afghanen hat Krischma in Kempen keinen. Diese Bevölkerungsgruppe ist spärlich gesät: Nach Auskunft der Stadt gab es im Dezember 2007 acht Afghanen in Kempen. "Allerdings tauscht man sich in Internet oder am Telefon aus", sagt Krischma. Die Familie der Mutter lebt überwiegend in Deuschland, und zwar in Neuss.

Die Familie des Vaters hingegen ist in Kabul geblieben. "Die möchte ich auch gerne einmal kennen lernen." Der Vater durfte nach fast 14Jahren in seine Heimat reisen. Krischma würde das auch reizen. "Aber meine Heimat ist Deutschland, hier möchte ich leben."

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