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Kempen: CDU-Landwirte kritisieren geplanten Standort der Anlage

Diskussion in Kempen und im Kreis Viersen : Solarthermie: CDU kritisiert Standort

Die geplante Solarthermie-Anlage der Stadtwerke Kempen stößt auch auf massive Kritik der Landwirte in der CDU. Das Gelände am Krefelder Weg soll als Ackerfläche erhalten bleiben. Mit dem Standort würde ein Präzedenzfall geschaffen.

(rei) Als „Schlag ins Gesicht“ aller aktiven Landwirte in Kempen und im Kreis Viersen kommentiert der CDU-Kreisagrarausschuss Viersen den Plan der Stadtwerke Kempen, auf einer rund 13 Hektar großen Fläche am Krefelder Weg eine große Solarthermie-Anlage zu errichten. Das Gelände wird bislang als Ackerfläche genutzt. Das Stadtwerke-Vorhaben in dieser Größenordnung gilt als bundesdeutsches Pilotprojekt. Derzeit läuft das Verfahren der frühzeitigen Bürgerbeteiligung für die Änderung des Flächennutzungsplans und die Aufstellung eines Bebauungsplans.

Es gibt bereits kritische Stimmen aus der Landwirtschaft in Kempen. Vor allem der Verlust des Geländes als wertvolle Ackerfläche wird bemängelt. Auch die CDU-Landwirte führen dies in einer Stellungnahme, die jetzt veröffentlicht wurde, ins Feld. „Die Ackerflächen rund um Kempen gehören mit zu den besten in Deutschland. Und auch in Europa sind Flächen dieser Qualität nicht leicht zu finden“, heißt es. Die vorgesehene Parzelle sei „ein Filetstück der Kempener Platte“.

CDU-Landwirte bezweifeln
Aussage der Stadtwerke

Eine spätere landwirtschaftliche Nutzung, wie sie die Stadtwerke Kempen in Aussicht stellen, wenn die Solarthermie-Anlage eines Tages abgebaut werden sollte, bezweifelt die Interessenvertretung der Landwirte in der CDU Kreis Viersen. Es sei davon auszugehen, dass die Fläche dann vollständig an Humus und Nährstoffen verarmt sei.

Durch Energieerzeugung auf Ackerland könne ein erheblich höherer Pachtpreis erzielt werden, als durch die Produktion von Nahrungsmitteln möglich wäre. „Allein diese Tatsache sollte der Gesellschaft ein Denkanstoß sein, welchen Stellenwert sie der landwirtschaftlichen Produktion beimisst. Die Corona-Krise führt uns momentan vor Augen, wie wichtig die regionale Produktion von landwirtschaftlichen Erzeugnissen ist“, so der Ausschussvorsitzende Thomas Gartz, sein Stellvertreter Andreas Dahmen und Claudia Achten, Geschäftsführerin des CDU-Gremiums.

Sie rechnen vor: Beim Anbau von 13 Hektar Weizen können 20 Prozent der Bürger in Kempen ein Jahr lang mit Brot und Brötchen versorgt werden. Demgegenüber würde eine Solarthermie-Anlage auf dieser Fläche – „optimistisch gerechnet“ – 13 Prozent der benötigten Fernwärmeenergie für Kempen ausmachen. Die Stromproduktion könne auch auf anderen Standorten stattfinden, so die CDU-Politiker.

CDU-Landwirte sprechen
von einem „Dammbruch“

Als alternative Standorte nennen sie zum Beispiel den Lärmschutzwall entlang des Kempener Außenringes. Auch den Königshüttesee bringen sie ins Gespräch. Auf dem ehemaligen Baggersee könnte eine schwimmende Anlage installiert werden. Die Landwirte aus dem Kreis Viersen und aus Kempen seien grundsätzlich für Anlagen zur Stromgewinnung aus erneuerbaren Energien. Immerhin erzeugten viele landwirtschaftliche Betriebe über Photovoltaikanlagen auf landwirtschaftlichen Gebäuden ihren eigenen Strom. Aber die CDU-Landwirte lehnen es ab, dass Standorte für solche Anlagen „in direkter Konkurrenz zur Produktion von Lebensmitteln“ stünden.

Es sei ein „falsches Signal“, wenn die geplante Energieerzeugung über die Nahrungsmittelproduktion gesetzt werde. „Die regionale Produktion von Lebensmitteln auf so hochwertigem Boden sollte da doch als Priorität angesehen werden.“ Vor allem auch deshalb, weil auch künftig mit geplanten Baugebieten wertvolle Ackerflächen verloren gingen. Die CDU-Landwirte sprechen sich für alternative Standorte aus, „wo eine effizientere Doppelnutzung von bereits verlorenen Flächen gegeben wäre“.

Mit der Errichtung der Solarthermie-Anlage am Krefelder Weg in Kempen würde „ein Präzedenzfall in NRW“ geschaffen. Die CDU-Landwirte sprechen von einem „Dammbruch“: „Wenn man eine Solarthermie-Anlage auf einem Acker solcher Qualität zulässt, ist das ein Freibrief für weitere Anlagen dieser Art auf jedem beliebigen Stück Ackerland“, heißt es in der Stellungnahme. Kritisiert wird auch, dass ein großer Teil des Stadtrates, der die Entscheidung mit trifft, gleichzeitig dem Aufsichtsrat der Stadtwerke angehört.