Kempen: Camper als Häuslebauer

Kempen: Camper als Häuslebauer

Familie Hintz zieht im Neubaugebiet ihr Haus hoch. Der Campingwagen ist ihr treuer Begleiter.

Kempen. Alexander Hintz (33) winkt schon von Weitem ab, als sich zwei Spaziergänger dem Baugebiet "An der Kreuzkapelle" nähern. "Ich weiß doch, was jetzt kommt", sagt er und wischt sich die Schweißperlen von der Stirn.

An einer Hand blutet er, in der anderen hält er eine Wasserwaage. "Jetzt kommt wieder die Frage, ob das hier ein Campingplatz wird, den wir errichten."

Die Frage lässt Familie Hintz schmunzeln. Denn so abwegig ist sie gar nicht. Aber Alexander Hintz versichert, dass er lediglich ein anderthalbgeschossiges Einfamilienhaus errichtet.

In dem Gebiet westlich der St. Töniser Straße steht ansonsten noch rein gar nichts- auf weiter Flur nur der Wohnwagen. Groß, schon leicht betagt und bunt besprüht: mit Smileys, Wölkchen und dem Namen Maxim in riesigen Buchstaben.

"In dem Wohnwagen haben wir unsere Arbeitssachen untergebracht, und wir können uns dort ausruhen", sagt der 33-Jährige, der in einer Papierfabrik in Hüls arbeitet und zurzeit Urlaub hat. Das Haus, das einmal 145 Quadratmeter Wohnfläche haben soll, baut er komplett in Eigenleistung.

Mit seinen Verwandten ist er jeden Tag auf der Baustelle - meist mehr als zwölf Stunden. Und da ist es wirklich ein bisschen wie Camping neben der Baustelle. "Stimmt, heiß wie im Süden und genauso staubig ist es hier ja. Und gegessen wird hier natürlich auch."

Übernachten wird Hintz aber nur im Notfall in dem Campingwagen. "Denn wir wohnen ja hier in Kempen um die Ecke in einer Mietswohnung". Doch wenn später teure Ware angeliefert wird, bleibt Hintz eventuell an der Baustelle, um den Rohbau zu bewachen.

"Wir müssen einfach alles selber machen, anders könnten wir das gar nicht finanzieren. Da muss man dann auch ein bisschen erfinderisch sein", sagt er und klopft gegen die Außenwand des Wohnwagens.

In Urlaub gefahren ist er damit nie. "Den hab’ ich mir für die Baustelle extra gebraucht gekauft. Ich find’ das gemütlicher als einen normalen Bauwagen", sagt er. Vor allem seine Kinder Maxim (3), Niklas (9) und Karina (11) haben daran richtig Spaß. "Und jetzt in den Ferien wollen sie am liebsten jede freie Minute im Campingwagen spielen."

Fertig sein soll das Haus Ostern 2011. "Danach sind wir sicher erst mal urlaubsreif. Keine Ahnung, wohin wir fahren. Aber eins steht fest: ohne Campingwagen", sagt Hintz.