Kempen: Belegschaft will mehr Geld

Kempen: Belegschaft will mehr Geld

Warnstreik: Bei Griesson-deBeukelaer wurden am Dienstag drei Stunden die Bänder angehalten. Die Gewerkschaft hatte zur Arbeitsniederlegung aufgerufen.

Kempen. "160 Mitarbeiter sind in den Streik getreten, die Bänder standen still. Das war ein deutliches Zeichen." Ina Korte ist die Genugtuung ins Gesicht geschrieben. Soeben hat die Gewerkschafts-Sekretärin das Megafon aus der Hand gelegt. Damit hat sie zu dieser frühen Stunde- es ist kurz nach 8Uhr, die Kinder sind gerade in der Schule- die komplette Nachtschicht und einige Mitarbeiter von der Frühschicht bei Griesson-deBeukelaer auf den Arbeitskampf für mehr Lohn eingeschworen.

Bereits ab 10\.30Uhr sitzen Gewerkschaft NGG (Nahrung-Genuss-Gaststätten Region Krefeld-Neuss) und Arbeitgeber in Krefeld zur nächsten Verhandlungsrunde am Tisch: die NGG will sieben Prozent, die Gegenseite ist gerade mal bei 2,1Prozent. Es wird der erwartete Verhandlungs-Marathon.

"Die letzte Tarifrunde hat uns 2008 ein Minus von 0,2Prozent in der Tasche gebracht", sagt Detlev Büschges, der Betriebsrats-Vorsitzende bei Griesson-deBeukelaer.

Mit den meisten hier auf dem Parkplatz vor dem Werk an der Arnoldstraße62 ist er sich einig, dass die Süßwaren-Industrie sich über mangelnde Auftragslage nicht beschweren kann und ein größeres Stück des Kuchens an die Arbeiter und Angestellten abgeben könnte. Korte: "Die Personalkosten sind im Verhältnis zu den Umsätzen deutlich niedriger. Daher kann eine Lohnerhöhung locker verkraftet werden."

Obwohl die Streikenden aufgebracht sind und die Polizei die Demo am Rande eskortiert, bleibt es friedlich. Werksleiter Norbert Krebbers gesellt sich kurz zu den Streikenden, Lkw können während der dreistündigen Arbeitsniederlegung ungehindert das Werkstor passieren.

"Schön ist das für uns nicht", reagiert Firmen-Chef Peter Gries zunächst reserviert und ab 8\.16Uhr erleichtert, als die Belegschaft die Arbeit wieder aufnimmt und wieder Betriebsamkeit in den Backstraßen herrscht. Pro Stunde werden in Kempen rund dreieinhalb Tonnen Kekse hergestellt.

Über den betriebswirtschaftlichen Schaden durch den Streik wollte Gries keinen Kommentar abgeben. Von satten Gewinnen im Süßwarenbereich könne allerdings keine Rede sein: "2008 sind alle Rohstoffe teurer geworden." Besonders im Hochpreisbereich spüre Griesson-deBeukelaer die Krise deutlich.

Mehr von Westdeutsche Zeitung