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Kempen: AOK hat Gesundheitsreport für den Kreis Viersen vorgestellt

Gesundheitsbericht : Mehr Check-Ups dürfen es sein

Die AOK hat ihren Gesundheitsreport für den Kreis Viersen vorgestellt.

„Der Kreis Viersen ist auf einem richtig guten Weg, was die medizinische Versorgung angeht.“ Das ist das Fazit von AOK-Regionaldirektor Heinz Frohn mit Blick auf den AOK-Gesundheitsreport 2020. Darin hat die AOK Rheinland/Hamburg die Daten ihrer Versicherten aus dem Jahr 2018 sowie externe Daten, unter anderem von den Statistikämtern, ausgewertet und nun die Ergebnisse für den Kreis Viersen vorgestellt.

Es gibt aber auch Verbesserungspotenzial. So ist der Kreis Viersen wiederholt im unteren Bereich zu finden, was die Teilnahme von Frauen und Männer an Check-Ups ab einem Alter von 35 Jahren angeht. Da müsse man sich einmal ansehen, ob es in Städten wie Leverkusen und Köln, die ganz oben stehen, bessere Informations-Kampagnen gebe, so Frohn.

Hoher Anteil von
Kindern bei der Vorsorge

Lob für die Krankenhäuser im Kreis gibt es von der AOK sowohl für den hohen Anteil an ambulanten Operationen des Grauen Stars als auch den niedrigen Anteil an im Krankenhaus entwickelter Sepsis (0,7 Prozent). Weiterhin positiv zu bewerten sei die Teilnahme von Kindern an den U10-Vorsorgeuntersuchungen und der Anteil von Sechsjährigen ohne Zahnfüllung, der sich mit 62,8 Prozent im Regionenvergleich sehen lassen kann. Heinz Frohn hebt besonders den Arbeitskreis Zahngesundheit hervor, der in Kitas und Schulen aktiv ist. Mit 5,6 Prozent ist der Anteil der Kinder mit ADHS im Regionenvergleich hoch. „Das muss aber kein schlechter Wert sein. Er kann auch darauf hindeuten, dass die Kinder mit ADHS hier gut versorgt werden“, so Frohn.

Einen Schwerpunkt hat die AOK in diesem Jahr auf das Thema Notfallversorgung gelegt. Die Zahlen im Kreis Viersen sind dabei aber eher unauffällig. 45 Prozent der Notfälle, die im Krankenhaus behandelt wurden, hätten auch vom kassenärztlichen Bereitschaftsdienst erbracht werden können. 38 Prozent sind eindeutig krankenhausspezifische Notfälle. Die restlichen 16 Prozent sind fachspezifische Notfälle, bei denen das nicht so eindeutig zu sagen ist. Das ist im Vergleich zu anderen Städten und Kreisen in der Region ein guter Wert.

Nachbesserungen sieht Heinz Frohn bei Notfällen im Bereich der Pflege. Er höre immer wieder, dass es bei der Versorgung durch Fachärzte in Pflegeheimen schwierig ist, weil diese keine Hausbesuche machen würden. Finanziell habe man dies bereits für die Fachärzte verbessert. „Daran dürfte es nicht scheitern“, so Frohn. Aber vielen Ärzten fehle schlicht die Zeit für Hausbesuche. Dann bleibe den Pflegeheim-Mitarbeitern oft nichts anderes übrig, als diese Fälle als Notfälle behandeln zu lassen. Gleichzeitig geht mit zunehmendem Alter der Patienten die Kurve bei den stationären Notfällen steil nach oben. Das sei nicht schön, wenn die älteren Menschen dann ins Krankenhaus eingeliefert werden müssten, wenn ihnen auch bei einem Hausbesuch geholfen werden könnte.

Höherer Bedarf an
Plätzen für die Kurzzeitpflege

Auch ist die Zahl der Menschen, die ohne Einweisung zum stationären Notfall würden, im Kreis Viersen im Vergleich hoch. Er habe Verständnis, dass sich die Bürger als erstes an die Stelle wenden, von der sie annehmen, dass ihnen da am schnellsten geholfen wird, so der AOK-Regionaldirektor. Aber die Krankenhäuser müssten auch die Kapazitäten vorhalten können. „Darüber müssen wir noch einmal mit den Krankenhäusern sprechen, wie sie diese Situation bewerten“, so Frohn.

Im Bereich der Pflege sieht die AOK den Kreis Viersen bei der ambulanten Pflege gut aufgestellt. Der Anteil der stationären Pflege ist in der Region Rheinland/Hamburg unterdurchschnittlich. Allerdings sieht Heinz Frohn einen höheren Bedarf an Kurzzeitpflegeplätzen, um damit pflegende Angehörige zu entlasten. „Dazu sind wir bereits im Gespräch mit dem Kreis Viersen“, so Heinz Frohn.

In Sachen Corona kann die AOK bereits berichten, dass zwischen Januar und Ende Mai 146 Versicherte im Kreis Viersen registriert hat, die wegen Covid-19 arbeitsunfähig waren. Je Fall lag die Arbeitsunfähigkeitsdauer im Schnitt bei 14 Tagen. Die genauen Auswirkungen der Pandemie auf die Versicherten werden sich aber wohl erst im nächsten oder übernächsten Gesundheitsreport mit den Zahlen aus 2020 aufschlüsseln lassen.