Keine Übernachtungen mehr in katholischen Horizonte-Kitas

Keine Übernachtungen mehr in katholischen Horizonte-Kitas

Träger hat Aus für Ritual in Kempen und Tönisvorst beschlossen.

Kempen/Tönisvorst. In sechs katholischen Kindertagesstätten in Kempen, St. Hubert, St. Tönis und Vorst wird es keine Übernachtungen mehr geben. Das teilte die Trägerin der Einrichtungen, die Horizonte GmbH aus Viersen, gestern mit. Eine erste Anfrage zum Thema hatte die WZ am 30. April gestellt. Betroffen von der Regelung sind die Kitas Hermann-Josef, Christ-König (beide Kempen), St. Raphael (St. Hubert), St. Antonius, Familienzentrum Marienheim (beide St. Tönis) und St. Godehard (Vorst).

Bei der Entscheidung spiele der Erlass des Landes, die Übernachtungen aus Brandschutzgründen nicht mehr zuzulassen, nur eine „untergeordnete Rolle“, so die Trägergemeinschaft. Vielmehr habe sich Horizonte gemeinsam mit den jeweiligen Kita-Leitungen bereits vor einiger Zeit aus „elementarpädagogischer Sicht“ gegen die Übernachtungs-Tradition zum Ende des letzten Kita-Jahrs eines Kindes entschieden. Parallel dazu sei nun der Landes-Erlass mit Blick auf geforderte Nutzungsänderungen dazu gekommen.

Aus Sicht der Horizonte GmbH ist die Übernachtung in der Kita „nicht für alle Kinder ein großes Abenteuer“. Vielmehr sei der „Druck, eine solche Nacht zu überstehen, hoch“. Angst und Heimweh seien in der Vergangenheit bei solchen Aktionen keine Seltenheit gewesen.

Das Unternehmen, das die Kita-Trägerschaften in der Gemeinschaft der Gemeinden (GdG) Kempen-Tönisvorst 2016 übernommen hat, führt aber auch personelle und finanzielle Gründe für den Schlaf-Verzicht ins Feld. In einer Pressemitteilung ist die Rede von einem „massiven personellen Aufwand“.

„Die Einhaltung des Arbeitszeitgesetzes erfolgt bei einer Übernachtung grundsätzlich nicht. Die tägliche Höchstarbeitszeit von zehn Stunden sowie die erforderlichen Ruhezeiten werden nicht eingehalten“, so Horizonte. „Würde der Träger es gesetzeskonform durchführen wollen, müsste die Kita für diesen Tag geschlossen und ein Schichtdienst eingerichtet werden. Hinzu kommen Zeitzuschläge für den Nachtdienst.“ Für die geleisteten Überstunden müsste der Arbeitgeber zeitnah einen Freizeitausgleich gewähren. Dann würden im Alltag weniger Erzieherinnen und Erzieher zur Verfügung stehen — „zum Leidwesen der anderen Kinder und Familien“.

Wie bereits berichtet, hat die katholische Kirchengemeinde in Grefrath für ihre Kitas eine Nutzungsänderung beantragt, um das Übernachtungs-Ritual vor dem Wechsel auf die Schule fortsetzen zu können. Die Stadt Willich will die Aktionen ebenfalls weiter zulassen. Dies hat Bürgermeister Josef Heyes mit einer entsprechenden Anordnung auf den Weg gebracht. In den Rathäusern in Kempen und Tönisvorst wird für die städtischen Kitas noch nach einer Lösung gesucht. tkl

Mehr von Westdeutsche Zeitung