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Kein neuer Auftrag für Grefrath in Sicht

Kein neuer Auftrag für Grefrath in Sicht

Die Produktion von Teilen für den Opel-Astra bleibt in Lüneburg — das hat die Leitung des Konzerns in den USA beschlossen.

Grefrath. Herber Rückschlag für den Grefrather Standort von Johnson Controls: Die Komponenten für den Opel-Astra werden weiterhin in Lüneburg produziert und nicht an den Niederrhein verlagert. Diese Entscheidung des Managements der US-amerikanischen Firmenzentrale wurde am Dienstag Mittag bei einer Betriebsversammlung im seit 2009 leer stehenden Entwicklungszentrum am Bronkhorster Weg bekanntgegeben.

Versichert wurde, dass eine Entscheidung zur Schließung des Standortes bisher nicht getroffen wurde. Und dass es bis zum 30. September 2014 keine betriebsbedingten Kündigungen geben wird.

„Das ist ein Schlag ins Gesicht der Belegschaft. Dabei sind die Zahlen in Grefrath eigentlich besser“, sagte Jörg Esser von der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) im Gespräch mit der WZ.

Bei Johnson Controls in Grefrath werden zurzeit vor allem Instrumententafeln für die aktuelle C-Klasse von Mercedes Benz hergestellt. Doch im Herbst 2014 ist es damit vorbei. Für die neue C-Klasse, die wieder in Bremen vom Band läuft, wird die Instrumententafel in Lüneburg produziert.

Um Ersatz für Grefrath kümmert sich eine Arbeitsgruppe, die bis Ende April Vorschläge machen soll. Und die hatte Ende Februar vorgeschlagen, die Produktion der Astra-Teile zu verlagern. Das hat die Konzernleitung in den USA abgelehnt — und zwar ohne die Angabe von Gründen.

Insider sehen darin eine strategische Entscheidung mit Blick auf die Überkapazitäten in Europa. Bis zu einem Drittel der Autofabriken müssten eigentlich geschlossen werden, haben Experten in den vergangenen Monaten immer wieder betont. Und dies gilt natürlich auch für die Zuliefer-Betriebe. Johnson Controls produziert in Deutschland an zehn Standorten — noch jedenfalls. Und in Lüneburg arbeiten 1000 Beschäftigte — fast dreimal so viele wie in Grefrath.

„Das ist ein Rückschritt. Denn wir haben bei den Mitarbeitern in Grefrath eine hervorragende Kompetenz vor Ort“, kommentierte Esser die Entscheidung der Konzernführung. Die Gewerkschaft will nun juristisch prüfen lassen, ob sich Ansprüche aus dem Standortsicherungsvertrag ableiten lassen, wenn es keinen Nachfolge-Auftrag für die C-Klasse gibt.

Denn seit Juli 2009 arbeiten die Beschäftigten in Grefrath 40 statt 38 Stunden pro Woche — ohne finanziellen Ausgleich. Und es wird auf einen Teil der in der Branche üblichen Lohnsteigerungen verzichtet. Auf acht Millionen Euro summieren sich diese Maßnahmen nach Angaben der IG BCE. Doch derzeit deutet nichts darauf hin, dass sich diese finanziellen Opfer auszahlen werden.