Kammerkonzert mit Tobias Feldmann und Muriel Ravivi in Kempen

Kammerkonzert : Violine und Viola – das geht doch!

Tobias Feldmann und Muriel Ravivi zeigten in der Paterskirche eine seltene Kombination.

Gewiss ist Mozarts KV 423 nicht das größte und tiefste Werk des genialen Komponisten. Aber wenn es so gut gespielt wird wie vom Duo Tobias Feldmann und Muriel Razavi, dann hat es ja doch seinen Reiz.

Der Geiger Feldmann und die Bratscherin Razavi beeindruckten in der Paterskirche ihr Publikum mit einem abwechslungsreichen Programm, vom 1685 geborenen Johann Sebastian Bach bis zum 1890 geborenen Bohuslav Martinu. Bei genauer Betrachtung ist die Besetzung Geige plus Viola ja nicht gerade optimal: es fehlen sowohl eine kräftige Bassstimme wie ein Akkordinstrument. Aber mit einer geschickt zusammengestellten Kombination von Originalkompositionen und Bearbeitungen gelang zweifellos ein ansprechendes Konzert.

Zwei Werke gaben den beiden Künstlern Gelegenheit, als Solisten zu glänzen. Für Viola solo schrieb der belgische Violinvirtuose Henri Vieuxtemps seine „Hommage à Paganini“. Dabei faszinierte die Bratscherin sowohl durch einen sehr kultivierten, wohlklingenden Ton in der Kantilene wie durch perfekte Technik, zumal bei den Doppelgriffen. In Francesco Tárregas „Recuerdos de la Alhambra“, einem Paradestück für Gitarristen, faszinierte Feldmann vor allem mit seinem makellosen Springbogen. Mit dem zauberte er nicht nur ganz gleichmäßig schnelle Töne, sondern akzentuierte dabei noch deutlich die darin verborgene Melodie.

Seinen qualitätvollen Geigenton ließ er unter anderem in Sibelius‘ Duo in C-Dur zur Geltung kommen. Virtuosität, barocke Wucht und romantisches Schwelgen ließen sich von beiden Musikern passend zusammenbringen in der Passacaglia, die der Norweger Johan Halvorsen wirkungsvoll über ein Thema Händels schrieb. Johann Sebastian Bach klingt in fast jeder Instrumentierung gut. Die zweistimmigen Inventionen (BWV 772-786) sind für Klavier geschrieben, sie sind auch mit Geige und Bratsche ein Hörgenuss. Die beiden Musiker spielten einen sehr überzeugenden Bach: weder romantisiert noch steril, sondern lebendig und federnd. Der Ton wurde nicht gepresst, sondern konnte sich frei und schwerelos entwickeln. Ganz anders als die abschließenden, vitalen drei Madrigale von Martinu klang nach begeistertem Beifall die Zugabe, eine charmante Pizzikato-Studie: Regentropfen von Jean Sibelius.